11 Januar 2021

Mehr Bio im Surfsport: Stand-up-Paddleboard aus naturfaserverstärktem Biokunststoff und rezykliertem Balsaholz

Demonstrationsobjekt für neuen Leichtbauwerkstoff wurde vom Fraunhofer WKI vorgestellt

Querschnitt durch das Stand-up-Paddleboard »ecoSUP« (Grafik)

Der Querschnitt durch das Paddleboard zeigt den Sandwich-Aufbau: Kern aus recyceltem Balsaholz mit einer Außenhülle aus naturfaserverstärktem Biokunststoff. © Fraunhofer WKI / Christoph Pöhler

Forschende am Fraunhofer WKI entwickeln ein Stand-up-Paddleboard mit einem Leichtbau-Sandwichelement aus nachwachsenden Rohstoffen. Für den Kern wird Balsaholz aus ausgedienten Windenergie-Rotorblättern verwendet – eine nachhaltige Lösung für deren hochwertige Wiederverwertung. Die Außenhülle besteht aus Biokunststoff, der mit regional verfügbaren Flachsfasern verstärkt ist.

Leichtbauwerkstoffe sind umweltfreundlich, da man für den Transport und die Herstellung weniger Energie und Rohstoffe benötigt. Herkömmliche Leichtbaumaterialien basieren auf fossilen und anderen endlichen Ressourcen wie Metallen und Mineralien. »Wir haben ein Stand-up-Paddleboard als Demonstrationsobjekt für unseren Leichtbauwerkstoff ausgewählt, da es hohe Anforderungen hinsichtlich mechanischer Festigkeit in Kombination mit Feuchte-, Salzwasser und UV-Beständigkeit erfüllen muss. Künftig könnte unser neuer Bio-Verbundwerkstoff bei weiteren Wassersportgeräten, aber auch beim Bau von Gebäuden, Autos, Schiffen und Zügen zum Einsatz kommen«, erläutert Christoph Pöhler, Projektleiter am Fraunhofer WKI.

Stand-up-Paddleboard »ecoSUP« (Grafik)

Das Stand-up-Paddleboard »ecoSUP« wird aus nachwachsenden Rohstoffen bestehen. © Fraunhofer WKI / Christoph Pöhler

Gegenwärtig werden zur Produktion von Wassersportgeräten wie Surfbrettern erdölbasierte Materialien wie Epoxidharz, Polyesterharz, Polyurethan und expandiertes oder extrudiertes Polystyrol in Kombination mit Glas- und Carbonfasergeweben genutzt. Auch in anderen Wirtschaftsbereichen finden glas- und carbonfaserverstärkte Kunststoffe einen kontinuierlich wachsenden Markt. Hier ergibt sich ein hohes Einsparpotenzial an endlichen Ressourcen.

»Für den Kern des neuen Bio-Leichtbauwerkstoff nutzen wir rezykliertes Balsaholz und modifizieren es entsprechend. Balsaholz ist in großen Mengen in Rotorblättern von Windenergieanlagen verbaut und fällt am Ende des Lebenszyklus der Rotorblätter als Abfall an und wird dann verbrannt. Diesem Balsaholz möchten wir nun eine längere Nutzungsphase geben«, erläutert Pöhler.

Ergänzend entwickeln die Forschenden eine Außenhülle aus naturfaserverstärktem Biokunststoff auf Basis von Itaconsäure. Hierbei konzentrieren sie sich auf den Einsatz von Flachsfasern, da diese über vorteilhafte mechanische Eigenschaften verfügen und in Europa angebaut werden.

»Mit unserem Projekt unterstützen wir den Aufbau einer biobasierten Wirtschaft und gehen gleichzeitig neue Wege. Die Fraunhofer-Zukunftsstiftung unterstützt zusammen mit dem Fraunhofer IMW unser Vorhaben mit einer Crowdfunding-Kampagne und kommunikativ. Wir möchten mit dem so gesammelten Geld Material und Spezialwerkzeug für unseren Prototyp anschaffen. Mit einer Spende kann jeder etwas dazu beitragen, dass der Surfsport nachhaltiger wird«, berichtet Pöhler.

 

Weitere Informationen zur Crowdfunding-Kampagne: www.startnext.com/ecosup

 

Das Projekt wurde durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über den Projektträger Jülich gefördert. Eine weitere Förderung für die Umsetzung der Projektziele mit Projektpartnern (Machbarkeitsphase) wird derzeit geprüft.

 

Zum Hintergrund

Nachhaltigkeit durch Nutzung nachwachsender Rohstoffe steht seit über 70 Jahren im Fokus des Fraunhofer WKI. Das Institut mit Standorten in Braunschweig, Hannover und Wolfsburg ist spezialisiert auf Verfahrenstechnik, Naturfaser-Verbundkunststoffe, Oberflächentechnologie, Holz- und Emissionsschutz, Qualitätssicherung von Holzprodukten, Werkstoff- und Produktprüfungen, Recyclingverfahren sowie den Einsatz von organischen Baustoffen und Holz im Bau. Nahezu alle Verfahren und Werkstoffe, die aus der Forschungstätigkeit hervorgehen, werden industriell genutzt.

Source: Fraunhofer WKI, Pressemitteilung, 2020-12-08.

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