20 Januar 2011

EU: Holznachfrage könnte Angebot 2030 um 400 Mio m³ übersteigen

Nutzungskonkurrenz zwischen stofflichem und energetischem Einsatz zeichnet sich ab

Zwischen den politischen Zielvorgaben innerhalb der EU (EU-27), den Anteil nachwachsender Rohstoffe an der Energiegewinnung bis 2020 und vor allem darüber hinaus deutlich auszuweiten, um damit die CO2-Emissionen langfristig um rund 20% zu senken sowie dem hierzu vorhandenen theoretischen Rohstoffaufkommen, klafft voraussichtlich eine erhebliche Lücke. Der Gesamtholzbedarf für die stoffliche und auch die energetische Nutzung steigt demnach in den Jahren 2010 bis 2030 voraussichtlich deutlich schneller als das entsprechende Rohstoffangebot.

Je nachdem welche Entwicklungsszenarien auf Angebots- und Bedarfsseite zu Grunde gelegt werden, könnte die Nachfrage nach Holz in einigen Regionen der EU bereits ab dem Jahr 2015 das Angebot übersteigen. Bis zum Jahr 2030 könnte dann das potenzielle Rohholzaufkommen europaweit sogar um über 400 Mio m3 geringer ausfallen als der Bedarf. Nach Einschätzung der Verfasser der unter der Federführung von Prof. Udo Mantau, Universität Hamburg, erstellten und vor Kurzem veröffentlichten “EUwood-Studie” müssen angesichts dieser drohenden Versorgungslücke rasch Maßnahmen ergriffen werden, mit denen die Kluft zwischen Nachfrage und Angebot, wenn nicht geschlossen, dann aber zumindest verringert wird.

Die stark steigende Nachfrage nach Brennholz für Kraftwerke und Heizungen führt in Deutschland und ganz Europa auf absehbare Zeit zu einem Versorgungsengpass. Das ist das Ergebnis einer ersten europaweiten “Ressourcen-Bilanz Holz”, die vom Zentrum Holzwirtschaft der Universität Hamburg für die EU-Kommission erstellt wurde, berichtet die “Welt am Sonntag”.

Demnach dürfte die Holznachfrage in den 27 EU-Mitgliedstaaten von heute 805 Millionen m3 auf 1,35 Milliarden m3 im Jahre 2030 ansteigen. Damit würde die Holz-Nachfrage das potenzielle Angebot dann um 240 Millionen m3 übersteigen.

In der Statistik seien aber zum Teil auch Waldressourcen erfasst, die voraussichtlich nicht am Markt angeboten werden, sagte Projektleiter Udo Mantau: “Die Knappheit am Markt dürfte also tendenziell noch größer sein, als in der Studie ausgewiesen wird.” Deutschland werde sogar “schon 2020 ein massives Problem mit der Holzversorgung aus inländischen Quellen bekommen”. Mantau ist Experte für “Holz-Ressourcen Monitoring” und Leiter des Hamburger Zentrums Holzwirtschaft. An der Studie haben auch die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und das Europäische Wald-Institut (EFI) mitgewirkt.

Damit zeichnet sich eine Nutzungskonkurrenz zwischen der stofflichen und der energetischen Verwendung von Holz ab. Wörtlich heißt es in der EU-Studie zu den Folgen des Nachfrageanstiegs: “Das bedeutet, dass der Wald und andere Holzquellen in Europa ihren großen Anteil an den erneuerbaren Energien ohne zusätzliche Maßnahmen nicht aufrechterhalten können, wenn es nicht zu einem Versorgungsengpass für die Holzwerkstoffindustrie kommen soll.”

Den Energieversorgern rät der Holzwirtschaftsexperte Mantau, nicht völlig darauf zu vertrauen, dass die fehlenden Holzmengen in Zukunft stets aus anderen Weltgegenden importiert werden können: “Die Energienachfrage wächst ja gerade außerhalb Europas besonders stark”, sagt Mantau im Gespräch mit der “Welt am Sonntag”: “Man muss damit rechnen, dass die jetzigen Exportländer ihre Holzressourcen in Zukunft selbst nutzen wollen.”

Die Nachfrage nach Brennholz steigt unter anderem, weil Energiekonzerne verstärkt in den Bau von Biomasse-Kraftwerke investieren. Wie die “Welt am Sonntag” weiter berichtet, hat die RWE-Tochter RWE Innogy Cogen in Siegen-Wittgenstein gerade ein Biomasse-Kraftwerk in Betrieb genommen, das jährlich 90.000 Tonnen Waldrestholz verfeuert. Bis 2020 ist nach Auskunft der RWE geplant, in Deutschland bis zu zehn weitere Biomasse-Heizkraftwerke dieser Größenordnung zu errichten.

Zudem ist geplant, Holz künftig verstärkt als Brennstoff in Kohlekraftwerken einzusetzen. Auf diese Weise wollen Energiekonzerne wie RWE oder Vattenfall ihre Kosten reduzieren, wenn es 2013 zur Versteigerung von Emissionszertifikaten kommt. Die RWE AG investiert deshalb 120 Millionen Euro in den Bau einer Holzpellet-Fabrik in Georgia/USA. Von dort sollen ab 2011 jährlich 750.000 Tonnen Pellets in die Niederlande verschifft werden, um in den dortigen Kohlekraftwerken der RWE mit verbrannt zu werden. Der Steinkohleeinsatz könne auf diese Weise auf bis zu 50 Prozent reduziert – und erhebliche CO2-Einsparungen erzielt werden, teilte die RWE AG auf Nachfrage mit.

Auch der Energiekonzern Vattenfall bestätigte, das “Co-Firing” von Holz in Kohlekraftwerken verstärkt einsetzen zu wollen. “Nach dem derzeitigen Planungsstand sollen 2014 etwa 500.000 bis 600.000 Tonnen Biomasse pro Jahr in der Mitverbrennung eingesetzt werden”, teilte Vattenfall auf Nachfrage der “Welt am Sonntag” mit.

Insgesamt werde man ab 2020 voraussichtlich 1,3 Millionen Tonnen Biomasse pro Jahr zum Einsatz in Biomasse- und Kohlekraftwerken benötigen. Da Biomasse in Europa “nur begrenzt zur Verfügung steht”, bekomme “die Beschaffung aus überregionalen Quellen eine immer größere Bedeutung”, erklärte Vattenfall. Das benötigte Holz könne aus Polen, Frankreich, Kanada, Russland, Ukraine und Westafrika importiert werden.

Source: Welt online, 2010-11-28, wallstreet:online, 2010-11-29 und EUWID Holz und Holzwerkstoffe, 2011-01-20.

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