17 November 2014

Zwei europäische Demonstrationsprojekte sollen Biomassevergasung wettbewerbsfähiger machen

Gasaufbereitung und Teerreformer für Synthesegas

Im Rahmen des europäischen Netzwerkes zur Forschungsförderung ERANET Plus BESTF starten zwei neue grenzübergreifende Demonstrationsprojekte: Die TU Berlin ist an einem Verbund mit schwedischen Partnern beteiligt, der einen Teerreformer für eine Biomassevergasung in Göteborg/Schweden bauen und betreiben will. Aufgabe der TU ist die Entwicklung eines Messverfahrens für diesen Reformer.

Die Schmack Carbotech GmbH, ein Unternehmen der Viessmann Group, wiederum will zusammen mit Unternehmen aus Großbritannien eine Anlage zur plasmagestützten Vergasung von Biomasse realisieren. Carbotech ist dabei für den Bau und Betrieb der Gasaufbereitung zuständig.

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fördert die deutschen Partner in beiden Verbünden über seinen Projektträger, die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Aus Biomasse lassen sich Substitute für fossiles Erdgas erzeugen. Dies kann über die anaerobe Vergärung in Biogasanlagen geschehen, die zum Stand der Technik zählt. Eine andere, noch nicht im wirtschaftlichen Maßstab umgesetzte Technik ist die Biomassevergasung, d.h. die thermochemische Umwandlung von Biomasse unter reduzierenden Bedingungen. Letztere hat gegenüber der Biogas-Route den Vorteil, dass sie auch die Ligninfraktion der Biomasse aufschließen und in Energie umwandeln kann. Noch bestehen jedoch technische Probleme, unter anderem bei der Teerbildung und der Gasreinigung und -konditionierung zur Einstellung der gewünschten Synthesegasqualität.

Das Vorhaben der TU Berlin setzt bei der Teerbildung an. Klassische Verfahren der Gasreinigung arbeiten mit der Abscheidung der Teere. Die entstehenden, hoch teerbelasteten Produkte können weder einfach entsorgt noch problemlos in die Vergasung zurückgeführt werden. Gleichzeitig enthalten sie einen nicht unerheblichen Teil des Brennwertes des Produktgases. Eine Teerreformierung, d.h. der Abbau von großen zu kleineren Teermolekülen bis hin zu Gasen wäre ein Lösungsansatz, der die Rückführung in den Vergasungsprozess erleichtert. Damit ließe sich zugleich der Brennwert der Brennstoffe besser ausnutzen. Konkrete Aufgabe der TU Berlin ist die Entwicklung, Installation und der Betrieb eines fluoreszenzspektrometrischen Online-Teermeßverfahrens sowie die Ableitung entsprechender betrieblicher Regel-Strategien für den Teerreformer. Dieser soll in den Nebenstrom einer Biomassevergasungsanlage im schwedischen Göteborg eingebaut werden. Außerdem wird die Firma Wandschneider + Gutjahr aus Hamburg im Auftrag der TU Berlin die technische Ausarbeitung begleiten und begutachten, um die Übertragbarkeit auf eine Anlage im großtechnischen Maßstab sicherzustellen.

Die Schmack Carbotech GmbH will bei der in Swinton/Großbritannien geplanten Anlage zur plasmagestützten Biomassevergasung einen neuen Weg in der Gasaufbereitung gehen. Das aus Biomassen wie Stroh oder Holzhackschnitzeln erzeugte Synthesegas soll mittels Druckwechseladsorption aufbereitet werden. Die Druckwechseladsorption hat sich bei der Aufbereitung von Biogas bewährt. Die Anpassung an die besonderen Verhältnisse der thermochemischen Vergasung steht aber noch aus, diese will Schmack Carbotech nun vornehmen. Das Zielprodukt der Aufbereitung ist Substitute Natural Gas (SNG), das Erdgas weitgehend ersetzen kann.

 

Informationen zum Projekt der TU Berlin stehen auf fnr.de im Menü Projekte & Förderung unter dem Förderkennzeichen 22401814 sowie auf der Projektseite www.bioprogress.se zur Verfügung; Informationen zum Projekt der Schmack Carbotech GmbH unter dem Förderkennzeichen 22407414.

ERANET Plus BESTF (Bioenergy sustaining the future) ist ein Netzwerk nationaler und regionaler Ministerien und Förderagenturen, das gemeinsam mit der Europäischen Kommission industriegetriebene, grenzübergreifende Bioenergie-Demonstrationsprojekte fördert. Ziel von BESTF ist es, Bioenergietechnologien in der Demonstrationsphase zu unterstützen und so letztendlich deren kommerziellen Durchbruch zu ermöglichen.

Source: Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR), Pressemitteilung, 2014-11-11.

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