29 März 2019

Zurück zur Natur: Erstmals werden Ölpalmplantagen in geschützten Regenwald umgewandelt – das schafft einen Wildtierkorridor für Borneos bedrohte Tierwelt

Das Projekt wird Ölpalmplantagen kaufen, diese teilweise roden und mit naturnahem Regenwald wieder aufforsten

Wissenschaftler wollen gemeinsam mit Borneos Forstbehörden Ölpalmplantagen in Regenwald umwandeln. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse können als Blaupause für zukünftige Aufforstungsprojekte dienen. Das Pilotprojekt soll federführend vom Rhino and Forest Fund (RFF) umgesetzt werden, der auf der Heart-of-Borneo-Konferenz für seine bisherigen Leistungen im Habitatschutz von der malaysischen Regierung aus Sabah eine Auszeichnung erhält.

Der Grundstein für dieses einzigartige Projekt wird auf der heute stattfindenden Heart-of-Borneo-Konferenz in Malaysia gelegt. Das Projekt wird Ölpalmplantagen kaufen, diese teilweise roden und mit naturnahem Regenwald wieder aufforsten. Auf diese Weise lassen sich zerstückelte Regenwaldgebiete wieder zusammenzuführen. Ziel ist es, durch die Vernetzung von Schlüsselgebieten dem drohenden Aussterben isolierter Wildtierpopulationen entgegenzuwirken.

Das geplante Pilotprojekt trägt zur Umsetzung der Aichi-Biodiversitätsziele des internationalen Umweltabkommens [Convention on Biological Diversity (CBD)] bei. Zeitgleich erfüllt es auch die auf dem UN-Klimagipfel 2014 beschlossenen Klimaziele. Dort wurde vereinbart, bis zum Jahr 2030 350 Million ha Wald aufzuforsten und degradiertes Land zu renaturieren.

Bisher mangelt es jedoch an evidenzbasierten Erfahrungen aus der Praxis. Der Rhino and Forest Fund (RFF) möchte mit seinem Modellprojekt diese Wissenslücke schließen. Er wandelt in den kommenden Jahren eine Fläche von 15,5 ha Ölpalmplantage in Regenwald um. Ein Forschungsteam des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) und Umweltexperten aus Zürich wollen diesen Prozess wissenschaftlich begleiten. „Mit der Unterzeichnung eines Kaufabkommens auf der aktuellen Heart-of-Borneo-Konferenz in Kota Kinabalu in Malaysia wird ein Durchbruch bei der Schaffung eines bedeutsamen Wildtierkorridors besiegelt. Um ein massives Artensterben zu verhindern, müssen isolierte Waldgebiete zeitnah wieder vernetzt werden. Dazu sind der kostspielige Erwerb bestimmter Ölpalmplantagenflächen und deren Umwandlung in Schutzgebiete unverzichtbar. Es ist sehr verwunderlich, dass dies zuvor noch niemand gemacht hat“, sagt Robert Risch, Vorstandsmitglied des RFF und Mitarbeiter am Leibniz-IZW. „Wir sind auch sehr stolz darauf, dass die Regierung von Sabah den RFF heute offiziell für seine bisherigen Leistungen im Habitatschutz auszeichnet und bedanken uns für die großartige und langjährige Unterstützung durch die lokalen Behörden“.

Durch den Kauf von Ölpalmplantagenflächen schafft der RFF die Grundlage für eine zentrale Landverbindung zwischen den isolierten Wildtierreservaten Tabin und Kulamba im Osten des malaysischen Bundesstaates Sabah auf der Insel Borneo. Beide Schutzgebiete sind von zentraler Bedeutung für den Erhalt hochbedrohter und bedrohter Arten wie beispielsweise Haarnasenotter, Borneo-Orang-Utan, Sunda-Nebelparder, Borneo-Elefant und Borneo-Banteng.

„Die Herausforderung besteht in der Erforschung der optimalen Umwandlung von Ölpalmplantagen und ihren degradierten Böden in naturnahen Regenwald. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse, ermöglichen es uns, Aussagen über eine zukünftige optimale Flächenrückführung zu treffen“, erläutert Dr. Philippe Saner, Experte für Umweltstudien aus der Schweiz und Gründungsmitglied des RFF.

„Mich interessiert besonders die Wiederbesiedlung der artenarmen Flächen durch Wildtiere“, erklärt Dr. Petra Kretschmar, Ökologin am Leibniz-IZW und Vorstandsmitglied im RFF. „Bisher wird hauptsächlich der Verlust der Biodiversität untersucht, wir möchten jedoch herausfinden, wie lange es dauert, bis artenarme Ölpalmplantagenflächen nach einer Renaturierung wieder ihre ursprüngliche Artenvielfalt erreicht haben. Die wissenschaftliche Begleitung des gesamten Umwandlungsprozesses ist wichtig, um Empfehlungen für eine zukünftige nachhaltige Umwandlung von Agrarlandflächen in naturnahen Regenwald zu geben.“

„Die Wissenschaftler sind jetzt auf der Suche nach Fördermitteln aus staatlichen Quellen. Aber auch für Wirtschaftsunternehmen bietet sich hier eine große Gelegenheit, einen nachhaltigen Beitrag für die Natur zu leisten und für zukünftige Generationen die Weichen zu stellen“ erklärt Steven Seet, Leiter der Wissenschaftskommunikation am Leibniz-IZW und Vorstandsmitglied des RFF.
Die vom RFF durch Spendengelder erworbenen Flächen werden von der Regierung Sabahs in Schutzgebiete umgewandelt und durch den RFF aufgeforstet. Der dadurch entstehende Wildtierkorridor soll in den nächsten Jahren durch weitere Zukäufe kontinuierlich ausgebaut werden.

Der in Deutschland ansässige RFF ist seit 2010 auf Borneo aktiv und hat gemeinsam mit dem Sabah Forestry Department und mit Unterstützung des Sabah Wildlife Departments bereits über 2.000 ha bedrohte Waldgebiete in streng geschütztes Habitat überführt. Darüber hinaus hat der RFF bisher 24 ha zerstörte Regenwaldgebiete wieder aufgeforstet. Der RFF ist eine Ausgründung des Leibniz-IZW und unterstützt deren Forschungsinitiativen. Der RFF wird seit seiner Gründung im Jahr 2009 vom Zoo Leipzig gefördert.

Source: Forschungsverbundes Berlin e. V., Pressemitteilung, 2019-03-21.

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