10 Juli 2008

Zukunft sichern mit Nachwachsenden Rohstoffen

250 Besucher beim 16. C.A.R.M.E.N.-Symposium in Würzburg

250 Besucher fanden sich am 7. und 8. Juli auf der Festung Marienberg in Würzburg ein, um sich über neueste Entwicklungen und Zukunftsperspektiven im Bereich Nachwachsende Rohstoffe zu informieren. Traditionell wurde die Tagung von einem Fachplenum eröffnet, das diesmal die Schwerpunkte auf Nachhaltigkeit und Klimawandel legte.

Fachplenum
PICT6383.jpg“Maß halten” ist das Motto des Heiligen Benedikt von Nursia, dessen Gefolgsmann von der Benediktinerabtei Münsterschwarzach, Prior Christoph Gerhard, den Auftaktvortrag im Plenum des 16. C.A.R.M.E.N.-Symposiums hielt. Dazu gehört unter anderem auch der maßvolle Umgang mit Energie und ein Leben im Einklang mit der Natur. Eine Philosophie, die die Mönche in Münsterschwarzach durch verschiedene Energieprojekte in die Praxis umgesetzt haben. Neben einer Photovoltaikanlage sowie der Nutzung von Wind- und Wasserkraft betreibt die Abtei eine Biogasanlage und ein Biomasseheizwerk. Durch Wärmedämmung und zusätzliche Energiesparmaßnahmen konnte die Abtei ihren CO2-Ausstoß auf praktisch Null reduzieren. Zukünftig wollen die Mönche ihre Fahrzeuge auf Bioenergie umstellen und durch rationellen Umgang weitere 25 Prozent bei Strom- und Wärmeverbrauch einsparen. Mit ihrem ganzheitlichen Energiekonzept streben die Benediktiner aus Münsterschwarzach danach, die Natur und ihre Ressourcen für zukünftige Generationen zu erhalten.

Auch Jakob Opperer, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft warf im zweiten Auftaktreferat einen Blick in die Zukunft. Er skizzierte kommende Herausforderungen für die Landwirtschaft bedingt durch den Klimawandel. Um sinkende Erträge zu vermeiden, empfiehlt Opperer, Sorten und Arten durch Züchtung an die neuen Klima- und Bodenbedingungen anzupassen. Darüber hinaus müsse die Landwirtschaft durch Verringerungen von Klimagasemissionen und der Umstellung auf Biotreibstoffe dem Klimawandel entgegenwirken.

Holzfeuerungen und Feinstaub
Die gesundheitlichen Auswirkungen von Feinstaub auf den Menschen sowie Praxiserfahrungen mit Partikelfiltern für Kleinfeuerungsanlagen wurden im ersten Fachblock thematisiert. Darüber hinaus stellte Dr. Hans Hartmann vom Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing seine aktuellen Forschungsergebnisse zu Feinstaubemissionen vor, wobei er besonders die Notwendigkeit sekundärer Staubabscheider betonte.

Aktuelle Förderinstrumente für Biomasse
Am 4. Juli wurde die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und des Erneuerbare-Energien-Wärme-Gesetzes vom Bundesrat verabschiedet. Es handelt sich dabei um einen Teil des Energie- und Klimaprogramms der Bundesregierung. Basierend auf einem Paket von 29 Maßnahmen soll eine Reduktion des CO2-Ausstoßes um 40 Prozent bis zum Jahr 2020 erreicht werden. Die neue Gesetzgebung, die zum 1. Januar 2009 in Kraft tritt, konnte beinahe tagesaktuell nach ihrer Verifizierung beim 16. C.A.R.M.E.N.-Symposium diskutiert werden. In zwei weiteren Vorträgen bewerteten die Referenten die neuen Rahmenbedingungen für die Bioenergiebrache und für die Landwirtschaft.

Nachhaltige Mobilität mit Biokraftstoffen
Über Fahrzeugauslegung, Antriebskonzepte und Biokraftstoffe referierte Prof. Hans-Peter Rabl von der Hochschule Regensburg. Dr. Jakob Seiler vom Verband der deutschen Automobilindustrie erläuterte die Kraftstoffstrategie der deutschen Automobilindustrie, die vor allem eine Verringerung der Abhängigkeit von Rohöl und eine Reduktion von CO2-Emissionen anstrebt. Des Weiteren wurde über Abgasemissionen beim Einsatz von Rapsölkraftstoff diskutiert und das Bio-Ethanol-Netzwerk Bayern vorgestellt.

Biogas
Prof. Martin Faulstich, Leiter des Wissenschaftszentrums in Straubing und Mitglied im Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU), bewertete Biogas aus Sicht des SRU. Dieses Gremium steht der Nutzung von Biomasse grundsätzlich positiv gegenüber. Jedoch verlangt der SRU, dass die Klimaschutzkriterien eingehalten werden und ein naturverträglicher Anbau praktiziert wird. Insbesondere bei der Nutzung von Gülle zur Biogasgewinnung ergeben sich durch vermiedene Methanemissionen hohe Einsparungspotentiale von Treibhausgasen. Weitere Referenten beschäftigten sich mit der Effizienzsteigerung in Biogasfermentern, der Biogaserzeugung aus Biomasse und Abfall sowie Wärmenutzungsoptionen und mobilen Wärmespeichern.

Plattformchemikalien und Produkte für die chemisch-technische Industrie
“Bioraffinerie – Stand der Technik und internationale Aktivitäten” lautete das Auftaktreferat zur stofflichen Nutzung von Biomasse. In diversen EU-unterstützten Projekten wird eine Gewinnung von biobasierten Chemikalien und Materialien durch Bioraffinerie angestrebt, die nach und nach die mehr als 1.000 existierenden Rohstoffe auf Erdölbasis ersetzen sollen.

Im Anschluss stellte Rainer Schweppe vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie biobasierte Plattformchemikalien vor. Ein ökologischer Straßenbelag wurde von der Colas Bauchemie GmbH präsentiert und Dr. Rainer Braun von der Rudolf GmbH stellte die Innovationen seiner Firma auf dem Gebiet der silikonölfreien
Entschäumer für die Textilindustrie vor.

Exkursionen
Im Anschluss an die Vorträge standen am Dienstag zwei Exkursionen auf dem Programm. 25 Personen besichtigten die Biogasanlage in Bad Königshofen, die das dortige Thermalbad mit Wärme versorgt. Zusätzlich zum Wärmenutzungskonzept produziert die Biogasanlage Strom, dessen Einspeisevergütung den regionalen Landwirten als Teilhaber zu Gute kommt, die die Anlage in Kooperation betreiben.

Rund 50 Interessierte besuchten die Benediktinerabtei Münsterschwarzach und wurden von den Klosterbrüdern über das Biomasseheizwerk und die Biogasanlage der Abtei informiert, die 1.200 Menschen mit Strom und Wärme versorgen.

Weitere Informationen:
Ein Tagungsband zur Veranstaltung ist für 19,95 Euro (zzgl. MwSt. und Versand) erhältlich bei C.A.R.M.E.N. e.V.,
Schulgasse 18, 94315 Straubing, Tel.: 09421-960-300, E-Mail: contact@carmen-ev.de.

Source: C.A.R.M.E.N. e.V., Pressemitteilung, 2008-07-10.

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