21 November 2006

Zuckermarktordnung hat bittere Auswirkungen

Weniger Geld für das Endprodukt und die Bauern - Zuckerfabrik muss einsparen - Stadtrat informierte sich

Die süße Rübe wird für immer mehr zur bitteren Pille: Die Auswirkungen der Reform der Europäischen Zuckermarktordnung sind erstmals zu spüren – und die Zuckerfabriken müssen sich »der Herausforderung stellen«, wie es Direktor Wolfgang Vogl am Donnerstagabend den Plattlinger Stadträten und Mitgliedern der Stadtverwaltung erklärte.

Alle zwei Jahre informiert sich der Stadtrat in der Südzucker. In diesem Jahr war es auch die Gelegenheit, Direktor Wolfgang Vogl besser kennen zu lernen, der im März die Werkleitung für Plattling, Rain und Regensburg übernahm.

Neue Absatzbereiche für Rübenprodukte

Er informierte über den Weltkonzern Südzucker (siehe unten) und ging dann auf Wunsch der Stadträte ausführlicher auf die Auswirkungen der Zuckermarktordnung ein. Weiter ausgebaut wird im kommenden Jahr die Produktion von Bioethanol. Derzeit werden in Zeitz 260.000 Kubikmeter Bioethanol hergestellt, das Werk soll auf 360.000 Kubikmeter ausgebaut werden.

Damit reagiert die Südzucker auf die veränderte Situation. »Wir müssen neue Absatzbereiche suchen«, machte der Direktor deutlich. Derzeit werden zusätzlich Werke in Belgien, Österreich, Ungarn und Frankreich gebaut, so dass ab 2008 insgesamt eine Millionen Kubikmeter produziert werden können.

Die Rüben für Bioethanol (ebenso wie für die – zuckerfreien – Palatinit-Süßungsstoffe) unterliegen nicht der Quotenregelung der Zuckermarktordnung, so dass sich damit eine alternative Absatzmöglichkeit für die Landwirte bietet. Allerdings müssen sie sich »einkaufen«. Auch aus Plattling gibt es bereits »Ethanol-Rüben« : Sie werden jedoch nicht nach Zeitz gefahren, sondern in Plattling zu Zucker verarbeitet – im Gegenzug dafür andere »Zucker«-Rüben in Zeitz zu Kraftstoff. Die Verrechnung erfolgt auf dem Papier, erklärte der Werkleiter.

Die Zuckermarktordnung ist mit dafür verantwortlich, dass heuer in Plattling nur rund eine Millionen Tonnen Rüben verarbeitet werden – rund 15 Prozent weniger als im Vorjahr. In der EU wurden bisher rund 20 Millionen Tonnen Zucker produziert. Diese Menge wurde mit der neuen Zuckermarktordnung in Hinblick auf den nicht mehr gestatteten Export und den erwarteten Import aus den so genannten AKP-Staaten (Afrika, Karibik, Pazifik) um 40 Prozent auf zwölf Millionen Tonnen reduziert.

Der Weltzuckerverbrauch liegt bei 148 Millionen Tonnen, die Südzucker Deutschland stellt aktuell knapp ein Prozent davon her: 1,44 Millionen Tonnen. Wie sich dies weiterentwickelt, konnte Vogl noch nicht sagen. Nur so viel: Stellt sich heraus, dass im kommenden Jahr zu viel Zucker auf dem EU-Markt sein sollte, werde die Quote noch weiter gekürzt. Das treffe auch die Landwirte wieder.

Hoffnung wird auf den »Restrukturierungsfonds« gesetzt: Pro Tonne Zucker werden von den Produzenten 126 Euro einbezahlt. Aus diesem Fonds werden an europäische Unternehmen, die ihre Quotenproduktion ganz oder teilweise aufgeben und die Zuckerfabrik schließen, »Abfindungen« bezahlt: Derzeit 730 Euro pro Tonne. Damit könnten die übrigen Zuckerfabriken wieder ihre Quoten erhöhen.

Bisher konnten »die Landwirte von der Zuckerrübe noch leben«, sagte Vogl. Künftig werden sich die »Strukturen massiv ändern«. Es gebe nun weniger Geld für den Zucker – und damit auch für die Landwirte. Die Fixkosten der Fabrik bleiben auch bei geringerer Produktionsmenge gleich. Die Reaktion: Sparen. Es wird geprüft, weniger Hilfsstoffe einzusetzen, die Instandhaltung wird auf das Notwendige reduziert und ausgeschiedenes Personal nicht mehr ersetzt (natürliche Fluktuation).

In der Diskussion waren kritische Worte zur Reform zu hören, die zwar den ärmeren Ländern helfen solle, die deutschen Rübenanbauer aber vernachlässige. Zudem wurden die mit deutschen Standards nicht zu vergleichenden sozialen Bedingungen der Rohrzuckerproduktion etwa in Brasilien angesprochen, wo derzeit 20 Zuckerfabriken gebaut werden und insgesamt 35 in Planung sind.

24-Stunden-Anfuhr: Test ohne Probleme

»Völlig problemlos« ist der Test der 24-Stunden-Anfuhr verlaufen. Zwar gibt es bisher noch keine Auswertung der Lärmmessungen, Klagen oder Beschwerden. Aber es seien keine eingegangen, wusste Wolfgang Vogl, stellte aber dennoch fest: »Wir müssen einiges an Lärmschutz machen« und rechnet da mit Kosten von mehreren 100.000 Euro.

Außer in Bayern, sei die 24-Stunden-Anfuhr bereits überall die Regel. Als Hauptgrund für die Einführung nannte er »den Landwirten zu helfen«: Es müssten weniger Lkw eingesetzt werden, die besser ausgelastet werden könnten. Bei den fälligen Neuanschaffungen können so Fahrzeuge eingespart werden. Zudem entzerre sich der Verkehr, da sich die Anzahl der Fahrten selbst nicht erhöhe, sich lediglich auf 24 Stunden verteile. Die Fabrik selbst habe davon keine Vorteile, betonte er.

Source: Plattlinger Zeitung vom 2006-11-18.

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