11 November 2005

Zucker zum dritten Mal in Folge knapp

L P D – Weltweit bleibt Zucker nach Angaben des Landvolks Niedersachsen zum dritten Mal in Folge knapp. Auch im Kampagnejahr 2005/06 wird der Verbrauch nach einer Schätzung der Internationalen Zuckerorganisation (ISO) die Produktion übersteigen. Die Lagerbestände werden deshalb weiter schrumpfen. Bereits in der Kampagne 2003/04 hatte der weltweite Zuckerverbrauch mit 143,9 Millionen Tonnen (t) die Erzeugung von 142,3 Millionen t überschritten.

An der Situation änderte sich auch im Folgejahr nichts. Bei einer Erzeugung von 144,5 Millionen t Zucker und einem Verbrauch von 147,5 Millionen t wurde das Defizit sogar noch größer. In der jetzt laufenden Kampagne wird die Erzeugung nach ISO-Schätzungen zwar auf das Rekordniveau von 149,6 Millionen t steigen, der Verbrauch steigt aber ebenfalls an und wird mit 150,6 Millionen t erneut die Zuckererzeugung übersteigen. An den internationalen Zuckermärkten hat sich der Zucker deshalb allein im letzten halben Jahr um 40 Prozent verteuert und ein neues Fünfjahreshoch erreicht.

Maßgeblich verantwortlich für die steigende Nachfrage nach Zucker ist die starke Verteuerung des Rohöls. Diese hat zu einem enormen Nachfrageanstieg nach Bioethanol geführt, der aus Getreide, Rüben oder Zuckerrohr hergestellt und als Treibstoff verwendet werden kann. Vor allem Brasilien, der weltweit größte Zuckerproduzent, setzt bereits in großem Umfang Bioethanol als alternativen Treibstoff für Pkws ein. Schon heute wird dort jede zweite Tonne Rohrzucker zu Bioethanol destilliert.

Dieser Anteil dürfte bei anhaltend hohen Rohölpreisen weiter steigen und sogar den brasilianischen Zuckerexport vermindern. Allerdings hat Brasilien ein großes Potenzial an bisher nicht landwirtschaftlich genutzten Flächen und könnte die Zuckerproduktion ausdehnen. Auch Indien als drittgrößter Zuckerproduzent hat sein zwischenzeitlich eingestelltes Bioalkoholprogramm wieder aufgenommen.

Die europäische Union, mit 19,4 Millionen t Zucker im vergangenen Jahr weltweit zweitwichtigster Zuckerer-zeuger, kann allerdings kaum von der Knappheit am Weltmarkt profitieren. Wegen der Reform der Zuckermarktordnung in der Gemeinschaft und der damit verbundenen Preis- und Quotenkürzungen rechnen Fachleute mit einem drastischen Sinken der europäischen Zuckererzeugung um bis zu fünf Millionen t, während gleichzeitig bis zu zwei Millionen t Exporte wegfallen.

Die EU sieht eine Preissenkung von mehr als 40 Prozent vor, die nur zum Teil durch Flächenprämien ausgeglichen wird. Davon ist Niedersachsen als größter deutscher Zuckerproduzent in besonderem Maße betroffen. Für die ungefähr 10.000 Rüben anbauenden Betriebe zwischen Ems und Elbe steht ein wichtiger Betriebszweig auf dem Spiel. Aber auch 5.000 Arbeitsplätze in den Zuckerfabriken sowie den vor- und nachgelagerten Bereichen sind in Gefahr.

Source: Landvolk Niedersachsen - Landesbauernverband e.V. vom 2005-11-02.

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