7 November 2005

ZMP: Raps profitiert von Bio-Dieselnachfrage

Stabiler Markt trotz hoher Ernte

In Deutschland und der gesamten EU brachten die Rapserzeuger im Sommer dieses Jahres erneut eine weit überdurchschnittliche Rapsernte ein. Dennoch zeigt sich der Markt sehr stabil, denn die Nachfrage nach Rapsprodukten– insbesondere aus dem Bereich der technischen Verwendung – nimmt sprunghaft zu.

Europas Rapsverarbeitern steht auch im Wirtschaftsjahr 2005/06 ein überdurchschnittlich hohes Angebot zur Verfügung. Bereits zum zweiten Mal in Folge wurden in der EU-25 mehr als 15 Millionen Tonnen Raps eingefahren, rund 25 Prozent mehr als im 5-Jahres-Mittel. Im Vergleich zum Vorjahr war das zwar rund ein Prozent weniger, doch angesichts der hohen Überhänge aus dem vorangegangenen Wirtschaftsjahr liegt das gesamte Angebot noch um rund eine Million Tonnen über dem letztjährigen. In Deutschland wurde die Rekordernte des Vorjahres von 5,3 Millionen Tonnen zwar verfehlt, mit 5,05 Millionen Tonnen aber ebenfalls ein hohes Ergebnis erzielt.

Hinzu kommen hohe Angebotsschätzungen aus Übersee. So wird beispielsweise in Kanada eine sehr hohe Erzeugung erwartet, welche die dortigen Preise unter Druck setzt und möglicherweise auch größere Ausfuhren nach Europa nach sich zieht. Doch trotz des hohen EU-Angebots und der zumindest in Kanada zu beobachtenden Preisschwäche weist der Verlauf der Rapskurse in Europa in dieser Kampagne eine völlig andere Richtung auf als vor einem Jahr: Während im Anschluss an die Ernte 2004 die Notierungen auf neue Jahrestiefststände gefallen waren, erreichte die November-Position am MATIF Anfang Oktober 2005 mit 233 Euro je Tonne den höchsten Stand seit Jahresbeginn. Anschließend zeigten die Kurse zwar wieder leichte Schwäche, die feste Grundstimmung am Rapsmarkt hält jedoch an.

Dabei kommt der stärkste Aufwind für die Rapspreise aus dem Biokraftstoffsektor. Denn der Rohstoffbedarf der Biokraftstoffhersteller überstieg das Angebot an Rapsöl zuletzt deutlich und trieb die Preise damit kräftig in die Höhe: Rapsöl zur prompten Lieferung kostete im Oktober 80 bis 90 Euro mehr als im Vorjahr.

Kapazitäten deutlich ausgeweitet

Nach Schätzungen der ZMP wurde in den großen Ölmühlen der Einsatz von Raps im Wirtschaftsjahr 2004/05 im Vergleich zum Vorjahr bereits um rund 20 Prozent auf 5,5 Millionen Tonnen gesteigert. Bis Ende 2006 werden diese Kapazitäten voraussichtlich um weitere eine Million Tonnen erhöht, so dass dort ein Rapsölausstoß in Höhe von rund 2,6 Millionen Tonnen erreicht werden kann.

Parallel dazu werden auch die Produktionskapazitäten für Biodiesel ausgebaut. Ende 2006 sollen sie bereits drei Millionen Tonnen erreichen, das wären eine Million Tonnen mehr als 2005. Allerdings könnten andere pflanzliche Öle dem Rapsöl zunehmend Konkurrenz als Rohstoff für die Biokraftstoffherstellung machen; die Preise für Sojaöl liegen rund 130 Euro je Tonne, die für Palmöl sogar rund 250 Euro je Tonne unter dem Niveau von Rapsöl. Bisher wird die Verwendung preisgünstiger Pflanzenöle zur Biodieselherstellung allerdings noch durch technische und logistische Probleme gebremst.

Insofern deutet sich mit Blick auf die Rapsölnachfrage auch über das Jahr 2005 hinaus eine kräftige Unterstützung für den Rapsmarkt an. Allerdings sind die Rapspreise in Europa – auch wenn sie zwischenzeitlich von der Entwicklung am Weltmarkt abgekoppelt sind – insbesondere vom US-Sojamarkt beeinflusst. Und hier zeigte im Gegensatz zum Rapsmarkt die Kurve der US-Sojabohnennotierungen im August und September nach unten, als sich mit Voranschreiten der Ernte in den USA ein deutlich höheres Ergebnis als zunächst erwartet abzeichnete.

Weitere Korrekturen der US-Ernteschätzungen nach oben könnten den Druck auf die Sojakurse erneut verstärken, zumal ersten Prognosen zufolge auch in Südamerika hohe Ernten möglich sind. So rechnet das US-Landwirtschaftsministerium für Brasilien mit einer Sojabohnenmenge in Höhe von 60 Millionen Tonnen, neun Millionen Tonnen mehr als ein Jahr zuvor. Zugleich wurde die Ernteprognose für Argentinien im Oktober um 1,5 Millionen Tonnen auf 40,5 Millionen Tonnen heraufgesetzt.

(Vgl. Meldung vom 2005-11-02.)

Source: ZMP-Nachrichten vom 2005-11-04.

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