27 Juni 2006

ZMP: Preisspanne zwischen Rohstoffen und Pflanzenöl wieder enger

Globale Ölsaatenerzeugung im kommenden Wirtschaftsjahr stabil

Mit Spannung erwarten Marktbeteiligte die Rapsernte 2006 und beobachten die Preisentwicklung bei den Rohstoffen und Nachprodukten. In diesem Jahr wird es aber keine Absenkung der Rapspreise ex Ernte geben, ganz im Gegenteil. Seit Anfang Mai ist die Aufwärtstendenz ungebrochen, allerdings ist dieser Trend bei den Nachprodukten Öl und Schrot weniger zu erkennen.

Legt man die aktuellen Tagespreise zu Grunde, hat sich die Kalkulation der Ölmühlen in den vergangenen acht Wochen beträchtlich verändert. Die Erlöse bleiben aber im Vergleich zum Vorjahr auf relativ hohem Niveau.

Während sich die Rohstoffe um rund 12% seit Anfang April verteuerten, gab Rapsschrot um 23% nach. Rapsöl verzeichnete in dieser Zeit sogar ein Preishoch von 655 EUR/t, verbilligte sich zuletzt allerdings wieder, denn am Kassamarkt übersteigt das Angebot die Nachfrage.

Stabile Preise am Ölmarkt

Stabilisierend auf die Kassapreise wirken zurzeit die sehr hohen Kurse für den Rotterdamkontrakt. Dieser wird auch in den kommenden Wochen stabil bis fest bleiben, da die Kontraktspezifikationen wohl erst im Jahresverlauf geändert werden. Bis dahin bleibt Rotterdam einziger Erfüllungsort, und dort sind auf weitere Sicht keine freien Lagerkapazitäten verfügbar.

In Rotterdam lagen die Tankbestände am 6. Juni bei 116.498 t Rapsöl, 2.000 t höher als in der Vorwoche und gut 40.000 t mehr als im Vorjahr. Auch Sonnenblumenöl und Palmöl sammelten sich an, während der Sojaölpegel leicht sank.

Großer Einfluss der Währungen

Preisdruck geht derzeit allerdings von der Währungsrelation Dollar zu Euro aus. Innerhalb einer Woche zog der Dollarkurs um 3% an. Während hierzulande Rapsöl mit 625 EUR/t preisstabil bewertet wird, verbilligte es sich am Weltmarkt von 810 auf 786 EUR/t.

Da die EU für Pflanzenöle und Ölschrote allerdings Nettoimporteur ist, bringt die Euroschwäche für Käufer eher kalkulatorische Nachteile und bremst das Geschäft mit Rapsöl aus Übersee. Hier wurde in den vergangen Wochen vor allem für den technischen Bedarf ein reges Geschäft verzeichnet. Mit den abschwächenden Biodieselpreisen wird allerdings auch die Kalkulation der Veresterer enger.

Labiles Ölschrotgeschäft

Der teurere Dollar bremst auch den Handel mit Ölschroten, der aber ohnehin auf Sparflamme läuft. In den vergangenen Wochen konnten reichlich offerierte und damit preisgünstige Importschrote flott abgesetzt werden.

Nun konzentriert sich das Kaufinteresse am Markt wieder mehr auf Ware aus heimischer Erzeugung. Dies gilt allerdings nur für Sojaschrot. Rapsschrot bleibt vernachlässigt, zumal die Forderungen zuletzt stetig nachgaben und die Preise für Terminlieferungen wenig attraktiv erscheinen. Immerhin werden alle Lieferungen von Juni bis Oktober mit 90 EUR/t übereinstimmend bewertet.

Ölsaaten: Weltweites Produktionswachstum vorerst beendet

Die globale Ölsaatenerzeugung dürfte im kommenden Wirtschaftsjahr stabil bleiben. Zu dieser Einschätzung kommt das amerikanische Landwirtschaftsministerium (USDA) in einer Prognose für das Wirtschaftsjahr 2006/07.

Das USDA veröffentlichte im Juni erstmals eine Ölsaatenprognose für das Wirtschaftsjahr 2006/07. Für das kommende Wirtschaftsjahr wird mit einer Gesamterzeugung von 389,4 Mio. t gerechnet und somit etwas weniger als im jetzt zu Ende gehenden Wirtschaftsjahr. Damit scheint das überaus starke Produktionswachstum der letzten Jahre vorerst gestoppt.

Gut 60% der weltweiten Ölsaatenerzeugung entfallen auf Soja. Die USA sind mit einem Anteil von etwa 40% der weltgrößte Sojabohnenproduzent, gefolgt von Brasilien mit etwa 24%. Während das USDA eine Zunahme der Produktion von Sojabohnen, Baumwollsaat und Palmkernen erwartet, sollen die Ernten von Raps, Erdnüssen, Kopra und Sonnenblumenkernen kleiner ausfallen als im Vorjahr.

Bild

Der Umfang der globalen Ölsaatenproduktion wird auf etwa 46,5 Mio. t geschätzt. Das US-Ministerium rechnet mit einem Rückgang der weltweiten Erzeugung in der Größenordnung von rund 4%.

Source: ZMP-Marktanalyse vom 2006-06-24.

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