28 Februar 2008

WPC in China – ein Riese erwacht

WPC-Symposium in China zeigt dynamischen Markt

WPC5.jpgIm Reich der Mitte tut sich einiges – auch in Sachen WPC (Wood-Plastic-Composites). Der Chinesiche WPC-Markt etwickelt sich rasant. Längst werden WPC-Bodenbeläge auch an repräsentativen Orten verbaut: So beispielsweise als Teile der Promenade vor der Kulisse des Oriental Pearl Tower in Pudong / Shanghai.

“China zieht nach, auch bei der Produktion von WPC.” – so der Tenor des “1st International Symposium of Wood-Plastic Composite in China: Development and Prospects” in der Wissenschafts-Hauptstadt Xi’an am 10. und 11. November 2007. Die Veranstaltung mit 200 chinesischen und 20 internationalen Experten und Unternehmern diente dem Erfahrungsaustausch sowie der Entwicklung neuer Projekte und Kooperationen und stand unter der Schirmherrschaft der Nord-West Universität für Land- und Forstwirtschaft. Organisiert wurden die Tage mit umfangreichen Programm vom Wood-Plastic Composite Council, welches in Peking als Einheit der China Plastic Processing Industry Association (CPPIA) angesiedelt ist.

Der Konferenzmanager war Wayne Song, der vor allem durch sein Engagement für das Unternehmen Futuresoft Technologies Inc. (FTI) in den USA in der Branche bekannt ist. Er hatte internationale Experten eingeladen, um die unterschiedlichen WPC-Welten zu präsentieren. Der amerikanische Markt wurde von Steve Van Kouteren von Principia Partners und von Prof. Doug Gardner von der Universität Maine vorgestellt. Frau Dr. Asta Eder vom Wood K plus Marktforschung (Österreich) präsentierte den europäischen Marktüberblick.

Die Zielgruppe der Konferenz waren die Chinesischen Unternehmen und Institute selbst, daher gab es teilweise bei einzelnen Themenblöcken keine englischen Übersetzungen. Zusätzlich zu den Marktübersichten umfasste das Programm die bekannten WPC-Thematiken: Materialeigenschaften, Prozesstechnologie und Anwendungen. Ein Highlight des Kongresses war die 15.000 Tonnen Pilotanlage von Futuresoft Technologies Inc. Der an das wissenschaftliche Programm angeschlossene Ausflugstag ermöglichte den Aufbau von Kontakten zu chinesischen Produzenten und Experten.

WPC aus China auf Expansionskurs
Neben diesen wissenschaftlichen Aktivitäten suchen zunehmend und sehr konkret chinesische Produzenten den Zugang zu europäischen, amerikanischen und japanischen Kunden und Partnern. Dies wurde auf der Kunststoffmesse K’07 in Düsseldorf besonders deutlich: Viele bisher unbekannte Akteure präsentierten sich auf den asiatischen Gemeinschaftsständen in kleinen Ausstellungsboxen und mit mehr oder weniger auffälligen Exponaten. Dabei handelte es sich nahezu ausnahmslos um extrudierte Waren. Doch es wird nicht leicht, diese außerhalb Chinas abzusetzen: Während der amerikanische Markt weitgehend von dortigen Unternehmen bedient wird, schafft immerhin das wachsende Interesse europäischer Bauherren neue Nischen, vor allem für Terrassenbodenbeläge (Deckings).

WPC1.jpgUm dem Verbraucher ein Minimum an vergleichbarer Qualität zu gewähren, hat der Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI) im Dezember 2007 ein Gütesiegel für Terrassenbodenbeläge aus Holz-Polymer-Werkstoff geschaffen (vgl. Meldung vom 2008-01-18) und in Österreich wurde mit der eben erschienen ÖNORMEN-Serie die ÖNORM B 3031 und B 3032 WPC als Werkstoff genormt.

Bislang sind nur deutsche und belgische Produzenten bekannt, die das Gütesiegel des VHI anstreben; chinesische Produkte dürften bereits an dem Kriterium “nur Holzbestandteile aus nachhaltiger Waldwirtschaft” scheitern: Im Reich der Mitte handelt es sich nicht immer um WPC im klassischen Verständnis, da vielmals nicht die namensgebenden Holzfasern eingesetzt werden, sondern Naturfasern von Bambus und Maisstängeln oder die lokal in großen Mengen und kostengünstig verfügbaren Reisschalen (Rice Husks). Der durchschnittliche Faseranteil der WPC in China beträgt 40-60%, liegt also eher auf dem niedrigeren amerikanischen Niveau. Die hauptsächlich verwendeten Polymere sind PE und PVC, es werden fast ausschließlich recycelte Materialien eingesetzt. Was ebenfalls eher dem nordamerikanischen als dem europäischen Markt ähnelt.

Große Vielfalt im Chinesische WPC-Markt
Das Fehlen der hohen Qualität der WPC-Materialien spielt offenbar für die Inlandsnachfrage keine Rolle; hier wächst der Markt rasant und könnte schon bald in puncto Produktionsmengen die europäischen Hersteller abhängen. Marktchancen für WPC bestehen aus der Sicht der chinesischen Inlandsexperten im Bereich Fußboden als Ersatz von MDF bei Fertigparkett sowie in Plattenform als Ersatz von herkömmlichen Holzwerkstoffen, da es wegen der VOC-Problematik Zulassungsprobleme mit den derzeit im Land erzeugten Holzwerkstoffen gibt. Ebenso findet WPC in China Anwendungen bei Paletten, Innenverkleidungen von Fenstern und ganzen, formgepressten Türen, Möbeln (auch im Außenbereich), Zaunsystemen, Müllbehältern, Terrassendielen für den öffentlichen Bereich, in der Automobilindustrie sowie im Dekorbereich. Damit wird in China WPC für Anwendungsfelder eingesetzt, bei denen die europäischen Hersteller (und Kunden) oftmals noch zögerlich sind.

WPC4.jpgFür China lassen sich zurzeit ca. 250 Akteuren benennen. Davon sind 137 Produzenten – mit einem geschätzten Produktionsvolumen von 75.000 Tonnen im Jahr 2006 und bei einem jährlichen Wachstum zwischen 15-30%. Weiters erwarten die chinesischen Produzenten aufgrund der Olympischen Spiele in Peking 2008 einen voraussichtlichen WPC-Verbrauch von 80.000 Tonnen. Damit könnte sich China schon bald zwischen den USA und Europa auf Platz zwei der Weltproduktion vorgeschoben haben.

Zu den größten Herstellern gehören die folgenden Unternehmen: Newtech, Guofeng, Jufeng, Futuresoft Technologies, Graceworld, Hirp, Lesco und Benben. Zusätzlich zu den 137 WPC-Produzenten sind in der Marktentwicklung Werkzeug- und Formenhersteller, Additivhersteller, Weiterverarbeiter und Lohnverarbeiter beteiligt.

Günstige Produktionsbedingungen und geringe Materialkosten sprechen für diesen Expansionskurs. Nachteilig wirkt sich derzeit noch der technologische und logistische Rückstand der chinesischen Produzenten aus. Experten vermuten, dass die Produktionsgeschwindigkeit pro Stunde derzeit nur etwa ein Fünftel bis ein Drittel der amerikanischen oder europäischen Produktionseinheiten beträgt. Allerdings werden schon in wenigen Jahren diese Defizite überwunden sein. Dazu trägt vor allem auch das starke Engagement amerikanischer und europäischer Maschinenbauunternehmen bei, die ihre Technologie zunehmend dem chinesischen Markt auch über Niederlassungen vor Ort anbieten.

Kontakt
Dipl. Ing., Dr. Asta Eder
Teamleiterin
Wood K plus Marktforschung, Kompetenzzentrum Holz GmbH
c/o Institut für Marketing & Innovation
BOKU Wien, Österreich
E-Mail: a.eder@kplus-wood.at

Dipl.-Gwl. Christian Gahle
Abteilungsleiter “Werkstoffe aus Nachwachsenden Rohstoffen”
nova-Institut GmbH
Chemiepark Knapsack, Industriestraße
50354 Hürth
E-Mail: christian.gahle@nova-institut.de

Veranstaltungshinweis
Mehrere Workshops und Fachseminare zum Thema Naturfaser-Spritzguss veranstaltet das nova-Institut gemeinsam mit einigen seiner Partner im Rahmen der “Kampagne zur industriellen Etablierung von Polypropylen-Naturfaser-Spritzguss (PP-NF) und Wood-Plastic-Composites (WPC)”.

Weitere Informationen zur Naturfaser-Spritzguss-Kampagne

(Vgl. Meldungen vom 2007-12-07 und 2007-05-26.)

Source: Wood K plus und nova-Institut, Eigenrecherche. Abbildungen: A. Eder, Herb Hutchison.

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