16 April 2013

Wood-Plastic-Composites in 2013 in Wien

Weiteres Marktwachstum für WPC erwartet, auch jenseits Decking sind Anwendungsfelder in Sicht

Etwa 160 Experten aus der WPC-Industrie sowie Neulinge aus der ganzen Welt kamen Ende Februar nach Wien zur “Wood-Plastic-Composites 2013 “-Konferenz, um die neuesten Nachrichten aus der Branche zu erfahren. Die beiden Weltmarktführer Trex (Ronald Kaplan, CEO) und TimberTech (Paul Bizzarri, Vice President of Innovation) präsentierten neueste Trends des amerikanischen WPC-Marktes.

So hat Hersteller Trex sich auf Stahl-­Unterkonstruktionen sowie auf die Sicherheits-­ und wirtschaftlichen Aspekte von Terrassenbauten (Decking) spezialisiert. Seine Kunden kaufen Stahl-­Unterkonstruktionen wegen der 25-­Jahres-Garantie, der längeren Haltbarkeit und der größeren Sicherheit gegenüber Holz-­Unterkonstruktionen, auch um die Brand-­Klasse A sowie eine dauerhaft ebene Fläche zu erhalten.

Bizzarri hielt eine Rede über die dynamischen Veränderungen des amerikanischen Marktes und der Kundenerwartungen bzgl. traditionellem WPC, co-­extrudierten Dielen und aufgeschäumten PVC-­Dielen. Er gab auch Einblicke in den Produkt-­Lebenszyklus am amerikanischen Markt, der im Moment rückläufig ist. In Nordamerika beträgt der Anteil des Verkaufs über professionelle Vertriebswege rund 70% des gesamten Marktes.

Die nordamerikanische Baukrise ist endlich beendet und somit wachsen der gesamte Terrassenmarkt sowie auch der WPC-­Decking-­Markt. Das zu erwartende Marktwachstum in Nordamerika wird auf 5 bis 7% geschätzt. Laut Birrazzi vertrauen nordamerikanische Decking-­Einkäufer eher auf lokale Produzenten als auf asiatische Importeure.

Die europäischen Märkte wurden von John Nash von AMI Consulting beleuchtet. Neben seinen Ausführungen zu Markt und Ökologie informierte er auch über Investitionen und Marketing-­Aspekte. Während es in 2011 und 2012 einen vorübergehenden Marktstillstand gab, sei derzeit mit einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 9% innerhalb der EU zu rechnen. Decking bleibt seinen Aussagen nach weiterhin der häufigste Anwendungsbereich von WPC in Europa; der Anteil der Vollprofile steigt im Vergleich zu Hohlprofilen.

Entgegen der landläufigen Meinung ist WPC-­Produktion sehr kostenintensiv. Eine Investition von 2 bis 4 Mio. € sollte für den Aufbau einer WPC-­Produktion berücksichtigt werden. Der nordamerikanische WPC-­Produzent konzentriert sich mehr auf Imagepflege und investiert mindestens 6 bis 7% seines Umsatzes ins Marketing, während die europäischen Produzent nur 1 bis 3% des Umsatzes zur Markenetablierung ausgeben. Mangelnde Marketing-Aktivitäten sind laut Nash auch ursächlich für ein niedriges Wissensniveau der Endverbraucher sowie in Folge für die geringe Akzeptanz von WPC in Europa – die Erhöhung der Akzeptanz sollte darum ein künftiges Anliegen der Branche sein.

Der deutsche Kunststoffverarbeiter REHAU (Harald Zodl, Leiter Kompetenzzentrum WPC) stellte europäisches Premium-­WPC-­Decking vor und erläuterte die Rohstoffkosten der verschiedenen WPC-­Rezepturen. Abhängig von dem verwendeten Polymer variiert auch die relative Menge an Polymer. Während für eine PVC-­basierte Rezeptur z.B. ein Polymeranteil von 50% benötigt wird, kommen Polyolefine mit 40% Anteil aus. Der Anteil des Polymers sowie der spezifische Polymerpreis bestimmen den Preis-­Bereich für das Endprodukt. Der Additiv-­Anteil an der Rezeptur ist zwar gering, aber die Preise in diesem Bereich sind sehr hoch, und somit beeinflussen sie ebenfalls stark die Produktionskosten. Sowohl der Preis, als auch der CO2-­Fußabdruck ist von der Menge der Rezyklate im Endprodukt abhängig. Zum Beispiel zeigt ein WPC-­Decking, das vollständig aus recyclierten Rohstoffen hergestellt wurde, eine Kohlenstoff-Fußabdruck Reduktion von 1,38 kg CO2/kg auf bis 0,27 kg CO2/kg.

Zodl sprach auch europäische Qualitäts-­Label wie VHI, TÜV, PEFC, FSC und die bevorstehende WPC-­EN-­Normierung an. Solche Gütesiegel können dabei helfen, den Bekanntheitsgrad und die Akzeptanz von WPC bei den skeptischen europäischen Endverbrauchern zu steigern. REHAUs neueste WPC-­Innovation, die Verwendung von Kantenanleimern bei WPC-Terrassendielen, wurde ebenfalls vorgestellt.

Frédéric Lefranc (Leiter des Einkaufs bei Wolseley Frankreich) war nach elf Jahren WPC-­Konferenz in Wien der erste Teilnehmer, der dem Publikum Erkenntnisse aus der Sicht eines WPC-­Händlers vermitteln konnte. Er konnte eine Zunahme der WPC Anteile bezogen auf das Gesamtvolumen (m2) von 5% im Jahr 2005 bis zu 25% im Jahr 2012 beobachten. Die hohen Verdienstspannen bei WPC-­Produkten macht WPC aber auch attraktiv für Großhändler. Sie sind laut Wolseley etwa zwei Mal so hoch wie die Margen für Tropenholz. Der Markt ist wettbewerbsfreudig und zeigt flexible Preise, da zahlreiche Lieferanten für den Großhändler zur Wahl stehen.

CEO Marc Thometschek von der in Belgien ansässigen Firma Compounder Beologic demonstrierte Marktchancen und Anwendungsbeispiele für natürliche Fasern und WPC-Compounds im Spritzguss-­verfahren. Er bestätigte das Stocken des WPC-­Terrassen-­Marktes im vergangenen Jahr. Beologic hat seine Produktionsstätten in Schweden erweitert und will sich an diesem Standort auf neue Naturfaser-­Verbundwerkstoffe konzentrieren. Thometschek prognostizierte den Einsatz von umweltfreundlichen Rohstoffen wie PE und PP, obwohl 80% der Beologic-­WPC-Compounds derzeit auf PVC-­Basis hergestellt sind.

Beologic präsentierte bereits ein neues Label für die bio-basierten Produkte “Bio-­OK”, das von Vincotte aus Belgien angeboten wird (wobei der bio-­basierte Anteil auf dem ASTM 6866 Standard der C14-­Messmethode beruht). Materialien, die dieser Zertifizierung unterzogen werden, müssen teilweise oder vollständig aus erneuerbaren Quellen stammen, wie z.B. Biokunststoffe. Ein Anzeigesystem von 1 bis 4 Sternen weist auf die bio-­basierten Inhalte des Produktes hin. Ein Stern entspricht 20% bis 40% bio-­basiertem Anteil, zwei Sterne zu 40% bis 60%; drei Sterne einem Anteil zwischen 60% und 80% und schließlich vier Sterne, die höchste Stufe, entsprechen einem Gehalt von über 80% bio-­basiertem Material. Dieses Label steht schon seit 2009 zur Verfügung und wird nun auch für WPC-Erzeugnisse verwendet.

Der Trend in der WPC-­Produktion bewegt sich in eine Richtung, nicht nur Holz und PP/PE/PVC, sondern auch verschiedenste Fasern (z.B. Reisschalen) und Polymere zu verarbeiten. Abgesehen von technischen Profilen wird WPC künftig auch Verwendung finden, um zum Beispiel Turnier-­Hindernisse für Reiter zu extrudieren oder Schuhsohlen und Wanderstöcke im Spritzgussverfahren herzustellen. Ein neues Produktionsverfahren ist beispielsweise die WPC-­Hybrid-­Injektion, die verwendet werden kann, um Kanten für Spanplatten herzustellen.
Daneben wurden von Thometschek der Rotationsguss sowie das Ausschäumen vorgestellt.

Der Hauptsponsor der Veranstaltung, battenfeld-­cincinnati, vertreten von Dipl.-­Ing Sonja Kahr, veranschaulichte die historische Entwicklung der WPC-­Produktion in Europa; spezielle Beachtung widmete sie hierbei den Veränderungen bei Voll-­und Hohlkammer-­Profilen. Kahr konzentrierte sich auf die verschiedenen Aspekte der Unterschiede dieser Profile wie etwa Gewicht, Transportkosten, Nachschleifen, Komplexität der Kalibrierung, Abdeckkappen, Design oder Flexibilität des Abkappens. Sie vermittelte auch die Herausforderung für Maschinenbauer, welche die variablen Feuchtegehalte in der Vollprofil-­Produktion zu berücksichtigen haben. Die Veranstaltung wurde mit einer Demonstration des neuesten Hochleistungs-­Extruders “Innovation fiberEX114″ mit einer Ausstoß-­Leistung von 220 bis 250 kg/h abgeschlossen.

Eine gesellige Zusammenkunft gab den internationalen Experten anschließend die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen auszutauschen. Die Veranstaltung konnte Newcomern ein solides Bild der WPC-­Industrie vermitteln und den Experten neue Impulse mitgeben und gab einen Vorgeschmack auf die kommende, große deutsche WPC-Konferenz in Köln (http://www.wpc-­kongress.de).

Über Asta Eder Composites Consultingwww.wpc-­‐consulting.eu
Dr. Asta Eder hat zahlreiche Studien zum WPC-­Markt verfasst. Sie ist Autorin der Marktstudie “WPC Market in Southeast Asia 2011″. Die Studie nimmt den südostaseatischen WPC Markt unter die Lupe. Zusammenfassende Informationen, Trends und Marktteilnehmer über den Holz-­Polymer-­Werkstoff-­Markt werden übersichtlich und kompakt dargestellt. Mehr dazu unter www.wpc-­consulting.eu/discussion.html

  • Die komplette Meldung erhalten Sie hier (PDF-File)

Source: nova-Institut, 2012-12-04.

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