8 August 2006

Wird Ostbayern Zentrum der deutschen Biodiesel-Produktion?

In Straubing entsteht 60-Millionen-Euro-Biodiesel-Fabrik - In Deggendorf Bau einer weiteren Anlage geplant

Ostbayern ist auf dem Weg, in den nächsten Jahren ein Zentrum der deutschen Biodiesel-Produktion zu werden. In Straubing erfolgte jetzt der Spatenstich für “Süddeutschlands größte Biodiesel-Raffinerie mit einer Produktionskapazität von 200.000 Tonnen Biodiesel pro Jahr”, wie Rene van der Poel, Geschäftsführer der Würzburger Firma Campa, mitteilt.

Bereits im kommenden Jahr soll die 60 Millionen Euro teure Anlage in Betrieb gehen. Ihre Verarbeitungskapazität liegt laut van der Poel bei rund 750.000 Tonnen Rapssaat jährlich. Dies entspreche beinahe der gesamten Rapsproduktion in Bayern.

Nach Fertigstellung einer zweiten, im niederbayerischen Deggendorf geplanten Anlage, würde jeder fünfte in Deutschland produzierte Liter Biodiesel aus Ostbayern kommen.

Deggendorfer Anlage kostet 120 Mio. Euro

Die Pläne in Deggendorf aber verzögern sich, nachdem der mögliche Bauherr gewechselt hat. Anstelle der Firma Ireco Projektmanagement GmbH will jetzt die Rebina KG aus Benediktbeuern die Pläne realisieren, wie Franz Eckl vom Zweckverband Donau-Hafen, wo die neue Deggendorfer Biodiesel-Raffinerie entstehen soll, sagte.

Und Peter Okon von Rebina betont, die Anlage werde wie von Ireco geplant gebaut. Die Produktion solle Ende 2007 aufgenommen werden. Die bisherigen Pläne für die Anlage gehen von einer Jahresleistung von 230.000 Tonnen Biodiesel aus. Die Kosten für das Gesamtprojekt, das auch noch ein Biomasseheizkraftwerk beinhaltet, wurden von Ireco mit 120 Millionen Euro angegeben. In Aussicht gestellt wurden 70 neue Arbeitsplätze.

In Straubing denkt man an die Einstellung von bis zu 60 neuen Mitarbeitern. Diese Anlage entsteht beim Straubinger Hafen auf einem 54.000 Quadratmeter großen Grundstück. Über die Donau soll künftig auch ein Großteil der jährlich 750.000 Tonnen Rapssaat angeliefert werden. Vornehmlich soll der Raps aber von den niederbayerischen “Ölfeldern” kommen, um die Umweltbelastung durch Transport so gering wie möglich zu halten, betont van der Poel.

Straubing stach Regensburg aus

Per Schiff solle der produzierte Biodiesel die Raffinerie wieder verlassen. Im ersten Bauabschnitt entsteht derzeit die Ölmühle, in der ab Mitte nächsten Jahres der Raps gepresst wird. In Kürze werde in Straubing auch mit dem Bau der eigentlichen Raffinerie begonnen, sagte van der Poel von Campa, die die Anlage in Straubing baut (Campa betreibt derzeit bereits Bayerns erste Biodiesel-Raffinerie in Ochsenfurt bei Würzburg).

Straubing hat bei der Standortwahl laut van der Poel im Übrigen Regensburg ausgestochen. Eigentlich sollte die Biodiesel-Raffinerie dort gebaut werden, doch habe es beim Genehmigungsverfahren “nur Schwierigkeiten gegeben.” In Straubing sei das Verfahren dagegen schnell und reibungslos durchgeführt worden.

Geplant ist den Angaben nach, die “größte bayerische Biodiesel-Fabrik” eng mit dem Wissenschaftszentrum Straubing zu vernetzen. Dort erforschen renommierte Professoren und Doktoranden mehrerer bayerischer Universitäten, wie mit Hilfe nachwachsender Rohstoffe einmal ein Leben ohne Gas und Öl möglich werden könnte. Erst vor wenigen Wochen hat der bayerische Wissenschaftsminister Thomas Goppel den Grundstein für das rund 17 Millionen teure Wissenschaftszentrum in Straubing gelegt. In der Gäubodenstadt befindet sich auch das Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe. (Vgl. Meldung vom 2006-06-20.)

Dass Pflanzen als Energie-Lieferant wichtig werden könnten, erkannte schon Rudolf Diesel, der Erfinder des Diesel-Motors, vor neunzig Jahren: “Der Gebrauch von Pflanzenöl als Kraftstoff mag heute unbedeutend sein. Aber derartige Produkte können im Laufe der Zeit ebenso wichtig werden wie Petroleum und die Kohle-Teer-Produkte von heute”, sagte er.

Nachfrage nach Biodiesel gestiegen

Er könnte Recht behalten, denn der “Biodiesel-Verbrauch” der Deutschen wächst rapide. In den vergangenen fünf Jahren verfünffachte sich der Verbrauch des “Öko-Kraftstoffs” von rund 340.000 Tonnen auf rund 1,8 Millionen Tonnen. Und die Nachfrage nach Biodiesel wird in den nächsten Jahren trotz Reduzierung der Förderung nach Expertenmeinung weiter steigen.

Experten schätzen, dass sich deshalb der Bedarf an Biodiesel bis in vier Jahren nochmals vervielfachen wird. Schon heute stößt die deutsche Biodiesel-Wirtschaft allerdings an ihre Produktionsgrenzen: “Die hohen Kraftstoffpreise haben so viel Nachfrage nach günstigem Bio-Diesel ausgelöst, dass die Hersteller nicht mehr liefern können”, sagte eine Sprecherin des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie. Die Produktion komme nicht mehr mit. (Vgl. Meldung vom 2005-10-12.)

Mit den neuen Anlagen in Niederbayern sollen jetzt mögliche Engpässe beseitigt und die Produktionskapazitäten deutlich erweitert werden. Die Campa-Biodiesel GmbH & Co. KG, die 1998 in Ochsenfurt bei Würzburg gegründet wurde und heute laut Poel mit 45 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von rund 175 Mio. Euro schreibt, sieht für sich deshalb auch gute Zukunftsaussichten.

Investor hat Erfahrung mit Biodieselfabriken

An Campa sind die Verwertungsgesellschaft für nachwachsende Rohstoffe (VNR) GmbH & Co. KG, Bergtheim/Opferbaum und die AT Agrar-Technik GmbH, Schlaitdorf bei Stuttgart beteiligt. Beide Unternehmen befassen sich seit mehr als zehn Jahren intensiv sowohl mit der Erzeugung, der Produktion als auch mit der Vermarktung von Rapsmethylester (RME) bzw. Biodiesel.

Die VNR vertritt 13 Rapserzeugergemeinschaften mit ca. 3.500 Landwirten aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen. Das schwäbische Anlagenbauunternehmen AT hat bisher sieben Biodieselanlagen in Österreich, der Tschechischen Republik, der Schweiz und Deutschland errichtet.

(Vgl. Meldung vom 2006-06-01.)

Source: pnp.de vom 2006-08-08.

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