9 Januar 2002

Windräder aus nachwachsenden Rohstoffen?

Auf einer Initiative der Landesregierung Niedersachsens beruht ein neues, vom Land gefördertes Projekt der Invent GmbH (Braunschweig) und des Fraunhofer Instituts für Betriebsfestigkeit (Darmstadt) unter Leitung von Professor Dr. Holger Hanselka, der die Idee aufgriff, nachwachsende Rohstoffe als Konstruktionswerkstoffe zu nutzen. Anfangs bewegte sich die Initiative im Rahmen der Möbel- und Automobilbranche, bis der ehemalige Abteilungsleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR, Braunschweig) Hanf und Flachs auch für den Einsatz zur Nutzung der Windkraft in Erwägung zog.

“Das Profil von Windradflügeln ist nicht das neueste. Es stammt aus den 40er Jahren, wurde von Segelflugzeugen entlehnt und ist seither im Wesentlichen unverändert geblieben,” erläuterte der 40-jährige Maschinenbau-Ingenieur gegenüber der Emder Zeitung. Zurzeit setzen sich Windradflügel aus drei Komponenten zusammen: Epoxidharz, Glasfasern und die besonders widerstandsfähige, ebenfalls aus Kunststoff bestehende Außenhaut. In einem ersten Schritt sollen zunächst die Glasfasern durch Naturfasern ersetzt werden, wissenschaftliches Ziel sei aber, den kompletten Flügel aus nachwachsenden Rohstoffen zu fertigen, sagte der 40-jährige Maschinenbau-Ingenieur. Am besten wären Karbonfasern, “aber das wäre zwar der Traum des Ingenieurs, jedoch der Albtraum des Betriebswirts.” Naturfasern hingegen spielten in der gleichen Liga wie Glasfasern, seien aber leichter, einfacher zu recyceln, seien auch von der Kostenseite her gut im Rennen und lägen bei einer umweltfreundlichen Technik wie der Windkraft einfach nahe. Ob sie auch effektiver sind, sollen die Untersuchungen zeigen.

Das Projekt, das aus drei Phasen besteht, befindet sich derzeit in Phase zwei, die Detailfragen behandelt, nachdem Phase 1 mit der erfolgreichen Klärung der Themen Festigkeit, Steifigkeit und Kosten abgeschlossen wurde. Phase drei, deren Start im Sommer 2003 avisiert wird, soll schließlich die fertige Entwicklung gemeinsam mit einem noch zu findenden Hersteller zur Produktreife führen.

Auf repräsentative Produkte im Flugzeug-, Maschinen- und Anlagenbau oder der Verkehrs- und Raumfahrttechnik kann indes die Invent GmbH zurück blicken (vgl. auch Meldung vom 2001-10-18), die eigenen Angaben nach u.a. sowohl die Verkleidungselemente für den ICE-3 und den Transrapid TR08 entwickelte, als auch einen Schutzhelm “Bio-Shield” aus 85 Prozent nachwachsenden Rohstoffen. Der Helm soll nicht nur die DIN-Vorgaben übertreffen, sondern zusätzlich leichter sein als konventionelle Modelle. (Vgl. auch Meldung vom 2000-11-15.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Emder Zeitung vom 2002-01-09.

Source: Emder Zeitung vom 2002-01-09.

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