12 Juni 2006

Wiener Lobau: Erste Biodiesel-Pipeline Europas in Betrieb genommen

Schultes: Rapsanbau entlastet Getreidemärkte

Die Mitte Mai 2006 in Betrieb gegangene Anlage der BioDiesel Vienna GmbH in der Lobau ist ab heutigen Montag direkt mit dem Großabnehmer OMV verbunden. Die 2,7 km lange Pipeline zum Tanklager ist europaweit einzigartig. Der “grüne” Biodiesel gelangt somit auch umweltfreundlich an seinen Bestimmungsort.

Die Landwirtschaft profitiert von den neuen Biodiesel-Kapazitäten ebenfalls. Der Transport per Pipeline spart 6.000 LKW-Transporte. Die Anlage der österreichischen Unternehmensgruppe Münzer befindet sich derzeit in der Testphase, in welcher der Veresterungsprozess von Raps- und Sonnenblumenöl zu Biodiesel langsam hochgefahren wird. Mit der Nutzung der Maximalkapazität von 95.000 t pro Jahr rechnet Ewald-Marco Münzer im Spätsommer dieses Jahres.

Schultes: Grüne Ölfelder interessieren keine Terroristen

Die verpflichtende Beimischung von Biotreibstoffen zu Benzin und Diesel seit Oktober 2005 hat viel Schwung in Sachen Biodiesel gebracht. Hermann Schultes, Präsident der Landwirtschaftskammer NÖ, erachtet die Förderung der Bioenergie aus mehreren Gründen für absolut sinnvoll: “Wir finanzieren damit keine unsicheren Volkswirtschaften in Krisenregionen. Gänzlich unabhängig vom Erdöl wird die heimische Wirtschaft nie werden, aber es wird dann erträglicher, wenn wir vorher alles Machbare ausgereizt haben”, so Schultes.

Ihm ist die größere Erdöl-Unabhängigkeit auch weltpolitisch wichtig: “Die maximale Nutzung grüner Energie ist Friedensarbeit. Terroristen interessieren sich für unsere grünen Ölfelder nicht”, gibt er zu bedenken.

“Auch dem Klimawandel wird durch den geringeren CO2-Ausstoß entgegengewirkt. Die Landwirtschaft profitiert über die Produktion hinaus von zwei weiteren wichtigen Begleitumständen. Einerseits kann der Rapsschrot als Eiweißfutter in der Tierproduktion statt importiertem Soja eingesetzt werden. Andererseits entlastet die Rapsverwertung den ohnehin schwierigen Getreidemarkt im zentralen EU-Raum.

Wenn in der Großregion Österreich, Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn Raps und Sonnenblume statt Getreide angebaut werden, drängt weniger zum Weltmarktpreis gehandeltes Getreide auf die heimischen Märkte. Und davon profitieren auch unsere Getreidebauern”, beschreibt der LK-Präsident die Zusammenhänge.

Österreich-Anteil so hoch als möglich

Derzeit werden in Österreich ca. 200.000 t Raps und Sonnenblumen geerntet und in diversen Ölmühlen verarbeitet. Dieses Öl wird als Speiseöl oder als Ausgangsöl für die Veresterung zu Biodiesel verwendet. Die Anbaufläche kann von derzeit 75.000 ha maximal auf das Doppelte in Österreich gesteigert werden.

Die Beimischung von Biotreibstoffen zu Benzin und Diesel hat gerade erst begonnen. In der Endphase 2008 müssen 5,75% Biotreibstoff zugemischt werden. Die Rapsmengen, die die Biodiesel-Anlagen dafür benötigen werden, können nicht mehr ausschließlich auf österreichischen Feldern produziert werden.

“Eine 100%ig heimische Rohstoffdeckung ist trotz höherer Anbauflächen unrealistisch. Aber auch wenn der Raps für diese Anlagen aus den benachbarten Ländern stammt, nehmen sie Druck von den internationalen Rapsmärkten und unterstützen damit die österreichischen Bauern. Unser Ziel ist es jedoch, einen so großen Rapsanteil wie möglich von österreichischen Feldern zur Verfügung zu stellen. Raps und Sonnenblume sind die einzige Ölquelle, die in der EU reichhaltig erschlossen werden kann”, so Schultes.

(Vgl. Meldung vom 2006-05-03.)

Source: AIZ.info vom 2006-06-12.

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