2 August 2006

Wetterauer Landwirte setzen auf Rübenanbau für Ethanolgewinnung in Zeitz

Südzucker schafft Voraussetzungen für Produktion - Informationsveranstaltung gut besucht

Die Firma Südzucker, an die die Wetterauer Landwirte ihre Rüben liefern, will aus Zuckerrüben Ethanol produzieren. Dieses Ethanol wird dem Kraftstoff beigemischt.

Mehr als 250 Wetterauer Zuckerrübenanbauer, die seinerzeit die Rüben an die Friedberger Zuckerfabrik lieferten, waren nach Florstadt gekommen, um sich zu informieren.

Noch in dieser Woche sollen die Landwirte bei Südzucker ihre Lieferrechte für die neuen E-Rüben (Ethanol-Rüben) zeichnen. Für den Anbau auf dem Acker ändert sich nichts: Die Landwirte säen die gleiche Rübe wie immer, doch aus dem Dicksaft der Rübe wird in der Bioethanol-Anlage der Zuckerfabrik in Zeitz (Sachsen-Anhalt) Sprit produziert.

Die Landwirte wenden sich nach dem Raps somit einem weiteren nachwachsenden Rohstoff zu, entfernen sich aber somit immer mehr von der reinen Nahrungsmittelproduktion.

“Das Interesse der Landwirte an den Ethanol-Rüben ist unerwartet groß”, sagte Heinz Christian Bär, Vorsitzender der Wetterauer Zuckerrübenanbauer und Präsident des Hessischen Bauernverbandes. Ethanol-Rübenanbau werde sich nicht für jeden Landwirt rechnen, schränkte Bär ein.

Dies wurde während der Informationsveranstaltung deutlich: Denn auf den Wetterauer Rüben liegen Frachtkosten. Die Zuckerrüben müssen per Lkw ins 80 Kilometer entfernte Groß-Gerau transportiert werden. Das koste je Tonne rund fünf Euro, die von dem Preis für E-Rüben abgezogen werden müssen.

Sollte der Preis unter 16,65 Euro je Tonne fallen, wird es schwierig. Denn diesen Preis müssen die Bauern investieren, um die Lieferrechte für die neuen Rüben zu erwerben.

Mit einem niedrigen Ethanol-Preis rechnet aber kaum einer der Experten von Südzucker und der Gemeinschaft der Süddeutschen Zuckerrübenanbauern (SZVG), die zu der Informationsveranstaltung gekommen waren: “Wir haben bei Ethanol ein stark schwankendes Marktpreisniveau”, betonte Dr. Reinhold Köhler von Südzucker.

Durch den höheren Energieverbrauch in China und Indien werde der Rohstoff Erdöl knapp, also müsse der Preis für Ersatz – wie Ethanol – steigen. Südzucker werde in den Markt einsteigen. In der Anlage in Zeitz könnten im Jahr 600.000 Tonnen Rüben zu Ethanol verarbeitet werden.

“Dazu ist ein Vertragsanbau mit den Landwirten nötig”, erklärte Köhler. Bis Donnerstag haben die Landwirte noch die Chance, diese Lieferrechte zu zeichnen. Die Verträge, die Südzucker mit den Landwirten schließt, laufen über fünf Jahre. Bis Mitte August sei klar, wie viel E-Rüben jeder Landwirt produzieren darf.

Nachwachsende Rohstoffe hätten Chancen und Risiken. “Wir sehen momentan mehr Chancen in dem Markt”, gab sich Köhler zuversichtlich. Dieser Einschätzung schloss sich auch Dr. Fred Zeller an. Er vertritt die Interessen der Landwirte in der SZVG gegenüber Südzucker. “Die Ethanol-Rübe ist ein Meilenstein in unserer Strategie. Damit fördern wir die Chancen der Zuckerrübenanbauer”, sagte er.

Vor dem Hintergrund der neuen Zuckermarktordnung, die Preissenkungen um 39 Prozent für die Landwirte vorsieht und das Verbot der C-Rüben – das war der Überschuss – müsse diese Einkommensmöglichkeit, die Südzucker schafft, genutzt werden. Aus einer Tonne Zuckerrüben könnten 100 Liter Ethanol gewonnen werden.

Derzeit werde mit einem Basispreis von 55 Cent je Liter Ethanol gerechnet bei einem Preis von 18 Euro je Tonne Rüben. “Heute liegt der Ethanolpreis bei 65 Cent je Liter, das sind 23 Euro je Tonne Rüben”, sagte Zeller. “Wenn die heutigen Preise für Ethanol bleiben, können sie einen Mehrpreis erzielen, auch bei der weiten Entfernung zur Fabrik”, erklärte Zeller. Bei hohen Erträgen und niedrigen Produktionskosten empfiehlt der Fachmann den Rübenanbau für Biosprit.

“Sicher werden die Wetterauer Zuckerrübenanbauer in den neuen Markt einsteigen”, war sich Landwirt Hermann Hofmann aus Södel sicher. “Das haben die Gespräche in den vergangenen Wochen ergeben, wir Landwirte machen das”, sagte er am Rande der Veranstaltung. Ein Risiko sehen er und seine Berufskollegen in dem weiten Weg zur Fabrik nach Groß-Gerau. Ihre Sorge gilt dem Weiterbestand der Firma.

“Für die nächsten fünf Jahre ist der Betrieb in Groß-Gerau gesichert”, versprach Südzuckervertreter Köhler.

(Vgl. Meldung vom 2006-07-07.)

Source: Kreis-Anzeiger vom 2006-08-02.

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