15 Oktober 2007

Wertvolle Fasern für die Textilindustrie

Anbau von 15 Hektar Brennnesseln bei Wörrstadt

“Zart wachsen die dünnen grünen Pflänzchen aus dem Boden. Alle 75 Zentimeter. Die frischen Setzlinge am Ortsrand von Wörrstadt dienen jedoch nicht zum Verzehr: Es sind Brennnesseln, aus denen Fasern für die Textilverarbeitung gewonnen werden.”

“Da wir mit Zuckerrüben mittlerweile sehr wenig Geld verdienen können, ist der Brennnesselanbau eine interessante Alternative”, erklärt Landwirt Hans-Willi Huth. Gemeinsam mit Manfred Bermes pflanzt er auf 15 Hektar 280.000 speziell gezüchtete Brennnesseln an. In den nächsten Jahren sind sogar bis zu 80 Hektar geplant.

“Die Pflanzen wachsen mindestens zwei Jahre, bevor sie das erste Mal gemäht, getrocknet und gepresst werden”, erläutert Bermes. Die fertigen Fasern werden vom Stoffkontor Kranz zu Textilien weiterverarbeitet, beispielsweise zu atmungsaktive Fußballtrikots.

Der Vorteil der Brennnessel ist, das man auf den Einsatz von Spritzmitteln verzeichten kann und somit dem Wunsch der Verbraucher nach chemisch unbehandelten Textilien nachgekommen wird. “Der gewonnene Stoff aus heimischen Anbau sei ökologisch bedenkenlos, aber von hoher Qualität und preisgünstig verfügbar.”

Ab einer bestimmten Größe werfen die Blätter der Brennessel sehr viel Schatten und verhinderen damit den Wuchs von Unkraut. “Für die Raupen von dutzenden Schmetterlingsarten seien die Brennnesseln jedoch eine Futterpflanze.”

Das Aussetzen der noch kleinen Brennnesseln im Feld bei Wörrstadt erfolgt mit einer speziellen Setzmaschine der Anbaugemeinschaft. Mit dieser lassen sich in zehn Stunden ca. vier Hektar bepflanzen.

“Das Aussetzen erfolgt im Herbst, da Rheinhessen ja ein Trockengebiet ist. Wir nutzen die feuchte Winterphase, damit die Pflanzen besser wachsen.” Ein Setzen im Frühjahr bringt die Gefahr mit sich, dass die Pflanzen in der trockenen heißen Luft im Sommer verdorren.

(Vgl. Meldungen vom 2007-08-24, 2006-08-11 und 2006-01-03.)

Source: Allgemeine Zeitung, 2007-10-13.

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