1 Juli 2016

Weltpremiere für die erste Naturfaser mit Nachhaltigkeitszertifikat

Europäische Hanffasern für automobile Anwendungen und Dämmstoffe erhalten ISCC PLUS-Zertifikat

Der Einsatz von Naturfasern in Bio-Verbundwerkstoffen im Leichtbau für den automobilen Innenraum und als Dämmstoffe im Bau bietet signifikante ökologische Vorteile. Bislang gab jedoch es noch keine Naturfaser mit einem Nachhaltigkeitszertifikat. Nun aber kann die Nachfrage der Kunden befriedigt werden. Im Juni 2016 erhielten Hanfstroh und -fasern des niederländischen Unternehmens HempFlax B.V. die etablierte ISCC PLUS-Zertifikat als weltweit erste Naturfaser.

ISCC (www.iscc-system.org) gehört weltweit zu den führenden Zertifizierungssystemen für Nachhaltigkeit und Treibhausgasemissionen. Im Juli 2011 erkannte die Europäische Kommission ISCC als eines der ersten Zertifizierungssysteme an, die den Anforderungen der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU (Renewable Energy Directive – RED) entsprechen.

Zusätzlich wurden ISCC PLUS-Zertifizierungen für Lebensmittel, Futtermittel und technische sowie chemische Anwendungen (wie etwa Fasern, Biokunststoffe oder Bio-Verbundwerkstoffe) entwickelt. Eine ISCC-Zertifizierung kann genutzt werden, um die Nachhaltigkeit und Rückverfolgbarkeit von Rohstoffen für eine Bandbreite verschiedener Industrien, inklusive der Automobil- und Baubranche, nachzuweisen. Mittlerweise haben über 4.500 biogene Rohstoffe eine ISCC-Zertifizierung erhalten. Das Zertifikat bescheinigt, dass die Biomasse nicht auf Land mit hoher Biodiversität und hohem Kohlenstoffspeicher produziert wird. Dass gute landwirtschaftliche Praxis die Böden, Wasser und Luft schützt, wird ebenso berücksichtigt wie die Respektierung von Menschen-, Arbeits- und Landrechten.

2015 entschied der europäische Nutzhanf-Verband EIHA (www.eiha.org), seine Mitglieder zur Zertifizierung ihrer Rohstoffe aus Hanfpflanzen anzuregen und sie dabei finanziell zu unterstützen, um die Nachhaltigkeit der Hanfindustrie mit einem etablierten Zertifikat belegen zu können.

Als erster Hersteller erhielt HANF FARM GmbH (Deutschland) im Januar 2016 die ISCC PLUS-Zertifizierung für Hanfsamen, -blätter und -blüten (ISCC-PLUS-Cert-DE105-81763301). Hiermit soll die wachsende Nachfrage der Health-Food-Industrie befriedigt werden. „Unser Ziel ist die Produktion innovativer und nachhaltiger Produkte mit Rücksicht auf ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte“, sagt Rafael Dulon, Geschäftsführer von HANF FARM GmbH, „Es war der einzig konsequente Schritt nach vorne, unsere Produkte zertifizieren zu lassen.“

Im Juni 2016 erhielt nun das niederländische Unternehmen HempFlax Exploitatie, Oude Pekela, das Nutzhanf anbaut und verarbeitet, das Nachhaltigkeitszertifikat für Hanfstroh und  -fasern (ISCC-PLUS-Cert-DE110-75160108). Für die zweite Produktionsstätte von HempFlax in Rumänien wird die Zertifizierung im nächsten Jahr folgen.

Damit kann die Automobilindustrie erstmals auf nachhaltig zertifizierte Naturfasern für Bio-Verbundwerkstoffe im Leichtbau zurückgreifen, die hauptsächlich im Autoinnenbereich Verwendung finden. Nun kann die Nachhaltigkeit in der gesamten Wertschöpfungskette nachvollzogen und geprüft werden, von der Landwirtschaft bis zur Produktion des automobilen Innenteils. Mark Reinders, Geschäftsführer von HempFlax und Präsident von EIHA, erwartet eine hohe Nachfrage: „Wir sind stolz darauf, der weltweit erste Anbieter mit einer zertifizierten Naturfaser zu sein. Wir werden auch so bald wie möglich unsere Produktion in Rumänien zertifizieren lassen, andere Hanffaser-Produzenten werden folgen. Nehmen Sie Kontakt mit uns auf für Naturfasern mit einem ISCC PLUS-Nachhaltigkeitszertifikat.“

Michael Carus, Geschäftsführer von EIHA, sieht weitere Mitglieder des Verbandes dem Beispiel von HempFlax und HANF FARM folgen: „Die Zukunft gehört Biomasse mit Nachhaltigkeitszertifikat. Große Unternehmen werden keine Debatte mit der Öffentlichkeit oder NGOs über die Nachhaltigkeit der Rohstoffe in ihren Produkten riskieren, insbesondere, wenn zertifiziert nachhaltige Alternativen verfügbar sind.“

Source: European Industrial Hemp Association, Pressemitteilung, 2016-06-30.

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