2 September 2008

Weltbankstudie dramatisiert den Einfluss von Biokraftstoffen auf die Lebensmittelpreise

Bundeslandwirtschaftsministerium veröffentlicht kritische Stellungnahme

Die Weltbank hat jetzt auf ihrer Homepage eine Studie von Donald Mitchell als “policy research working paper” veröffentlicht, die den Zusammenhang zwischen Biokraftstoffnutzung und Lebensmittelpreisen untersucht. Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Lebensmittelpreise von 2002 bis Februar 2008 um 140 Prozent gestiegen seien, und 75 Prozent dieses Preisanstiegs direkt oder indirekt durch die Ausdehnung der Biokraftstofferzeugung verursacht worden sind.

Unstrittig ist, dass die Biokraftstofferzeugung zu einer zusätzlichen Nachfrage nach Agrarrohstoffen führt, die bei begrenzten Produktionskapazitäten Preisreaktionen auslöst. Jedoch überschätzt die Weltbankstudie den preissteigernden Effekt mit 75 Prozent drastisch. Die Aussagen sind aus Sicht des BMELV nicht nachvollziehbar, und führen zu einer falschen Einschätzung der Situation auf den Agrarmärkten. Problematisch sind vor allem zwei Punkte:

  • Erstens werden in der Studie die Agrarrohstoffpreise und nicht – wie im Titel suggeriert – die Lebensmittelpreise analysiert. Die Rohstoffpreisentwicklung von plus 140 Prozent wird zwar korrekt dargestellt, die daraus resultierende Änderung der Lebensmittelpreise aber in der Studie nicht angegeben. Sie liegt vor allem in Industrieländern aufgrund des hohen Verarbeitungsanteils am Endpreis deutlich niedriger. Eine Weitergabe an die Verbraucher erfolgt vielfach unvollständig und zeitverzögert.
  • Zweitens werden wichtige preisbildende Faktoren auf den Agrarmärkten in der Studie vernachlässigt, so die wachsende Nachfrage nach Ölsaaten für den Veredlungsbereich in China, Miss- und Minderernten in den Jahren 2006 und 2007, Politikänderungen (mit dem Ziel des Abbaus von Lagerbeständen und Überproduktion in der letzten Dekade in der EU, den USA und China), höhere Volatilität auf knapper versorgten Märkten und das Wachstum der Weltbevölkerung.

Schließlich ist die Aussage, dass 75 Prozent des Preisanstiegs durch die Biokraftstofferzeugung verursacht werden, allein die subjektive Einschätzung des Autors, die methodisch nicht unterlegt wird.

Gegenüber den in den letzten zwölf Monaten erreichten Höchstständen (Milchpulver im August 2007, Butter im Oktober 2007, Weizen im März 2008, Mais und Soja Anfang Juli 2008) sind die Weltmarktpreise bei vielen Agrargütern inzwischen deutlich (um 20 Prozent oder mehr) zurückgegangen. In Deutschland liegt der Brotweizenpreis (Erzeugerpreis 16,41 Euro/100kg) aktuell 17 Prozent unter dem Preis der entsprechenden Vorjahreswoche und 35 Prozent unter dem Höchstpreis aus dem März 2008. Wegen des weltweit hohen Angebots bleiben die Getreidepreise unter Druck.

Die Bundesregierung leistet durch einen verantwortungsvollen Ausbau der Bioenergie, durch künftige Biomassenutzung auf der Basis von Nachhaltigkeitskriterien – insbesondere auch für Biokraftstoffe – und durch eine Verstärkung der Forschung an der 2. Generation von Biokraftstoffen einen unverzichtbaren Beitrag zur Lösung drängender Probleme (Ernährungssicherheit, sicherere Energieversorgung, Klimaschutz und Wertschöpfung in ländlichen Räumen).

Weitere Links zum Thema:
Weltbank: A note on rising food prices
Globale Ernährungssicherung durch nachhaltige Entwicklung und Agrarwirtschaft
EU-Studie: Hohe Agrarrohstoffpreise: Situation und Ausblick

Source: Bundeslandwirtschaftsministerium (BMELV), Pressemitteilung, 2008-19-02.

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