13 März 2008

Wein: Zellulosefilter ersetzt Kieselgur

Biomassefilter verringert Anwenderbelastung - Wein besteht Geschmackstests

Mit den vom Geisenheimer Unternehmen Erbslöh entwickelten Filtercellulosen CelluFluxx® bietet sich eine Möglichkeit zum Ersatz mineralischer Filterhilfsmittel bei der Weinfiltrierung. Filtrationsversuche und Verkostungen ergaben ermutigende Ergebnisse.

Der Hersteller beschreibt die Anwendung der Zellulosefilter und weist auf dessen Vorteile hin:

Die klassische Anschwemmfiltration von Wein mit Kieselgur gilt innerhalb der Weinbranche seit Jahrzehnten als effektive und leistungsfähige Methode der Filtration. In den letzten Jahren wird die Verwendung von Kieselgur auf Grund der gesundheitlichen Gefährdung des Anwender und der Entsorgungsproblematik immer stärker diskutiert. Mit den neu entwickelten Filtercellulosen CelluFluxx bietet Erbslöh eine Möglichkeit, zukünftig auf den Einsatz von mineralischen Filterhilfsmitteln zu verzichten.

100 % Biomasse
Die Filtercellulosen werden aus Laub- und Nadelhölzern gewonnen und bestehen somit zu 100% aus Biomasse. Durch moderne Mahltechniken entstehen Cellulosefasern mit einer definierten Struktur und von unterschiedlicher Feinheit, die auf die Anforderungen der Getränkefiltration abgestimmt sind. Um eine hohe sensorische Reinheit der Filtercellulosen zu erreichen, können nur ausgewählte Rohstoffe verwendet werden. Diese Filtercellulosen bieten besondere Vorteile in deren Anwendung. Außerdem kann der verbrauchte Filterkuchen problemlos entsorgt werden. In anderen Branchen gibt es statt der Entsorgung interessante Ansätze zur Weiterverarbeitung der Filterkuchenrückstände in Form der Energiegewinnung mittels Biogasanlage oder Verbrennung, aber auch durch Verfütterung.

Keine gesundheitliche Gefährdung
Filtercellulosen sind frei von kristallinen Bestandteilen. Von deren Verwendung geht somit keine gesundheitliche Gefährdung des Anwenders aus. Da die Filtercellulosen beim Einrühren ebenfalls stauben, empfiehlt sich auch hier das Tragen einer Staubmaske.

Anwendung und Filtrationscharakteristik
CelluFluxx-Filtercellulosen können ohne Umbauarbeiten am vorhandenen Kieselgurfilter eingesetzt werden. Wichtig ist es, mit einer ersten und einer zweiten Voranschwemmung zu arbeiten. Die Dosagemenge – bei der laufenden Filterhilfsmitteldosage – kann gegenüber mineralischen Filterhilfsmitteln in erheblichem Maße reduziert werden, in der Regel um 50%, im Einzelfall sogar bis zu 70%.

Der Druckverlauf während der Filtration verläuft relativ flach und durch die reduzierte Einsatzmenge an Filterhilfsmittel kann die Standzeit des Filters pro Filteransatz in der Regel verdoppelt werden. Dies bedeutet, dass die Gesamtdurchsatzmenge pro Filteransatz ebenfalls verdoppelt wird und die Rüstzeiten und Spülwassermengen entsprechend reduziert werden.

Die Filtriereigenschaften von Filtercellulosen sind gegenüber denen von Kieselgur unterschiedlich. Es muss verstärkt mit Mischungen unterschiedlich feiner Typen gearbeitet werden, um einen effektiven Filterkuchen aufzubauen. Der Filterkuchen ist, insbesondere bei Filtrationsbeginn, empfindlicher gegenüber Druckstößen. Der Anwender sollte sich deshalb vor der Umstellung gezielt informieren.

Produktschonung und reduzierter Produktverlust
Durch die deutlich reduzierte Einsatzmenge an Filterhilfsmitteln und die hohe sensorische Reinheit der CelluFluxx-Filtercellulosen verläuft die Filtration produktschonender. Die Fruchtaromen bleiben besser erhalten und auch die Farbstoffe bei der Rotweinfiltration werden in geringerem Umfang reduziert. Ein Kilogramm Filterhilfsmittel bindet etwa zwei Liter Produkt. Durch die Halbierung der Einsatzmenge an Filterhilfsmittel wird der Produktverlust ebenfalls um die Hälfte reduziert. Dies ist vor allem bei hochwertigen Weinen von besonderer Bedeutung.

Wirtschaftlichkeit – trotz höherem Einstandspreis
Der Preis dieser hochreinen Filtercellulosen liegt durchschnittlich bei drei Euro pro Kilogramm und ist somit etwa dreimal teurer als Kieselgur. Trotz des relativ hohen Einstandspreises für Filtercellulose werden wirtschaftliche Filtrationsergebnisse erreicht und zwar durch die bereits erwähnten Vorteile: deutlich reduzierte Einsatzmenge, höhere Durchsatzmengen, reduzierte Rüstzeiten und Spülwassermengen sowie ein verringerter Produktverlust.

Anlagenschonend und angenehme Handhabung
Die weichen Cellulosefasern sind nicht abrasiv. Pumpen, Rohrleitungen und Dichtungsmaterialien werden geschont und nicht beschädigt. Ein oft unterschätzter Kostenfaktor, der nicht direkt in die Kostenberechnung mit einfließt! Darüber hinaus sind die Cellulosefasern sehr gut spülbar und lagern sich nicht im Kanalsystem ab. Dies erleichtert das Abreinigen des Filters erheblich.

Fazit des Herstellers
Das neue und innovative Filterhilfsmittel CelluFluxx bietet gegenüber mineralischen Filterhilfsmitteln wesentliche Vorteile hinsichtlich Produktschonung, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit. Die Umstellung erfordert auf Grund der veränderten Filtrationscharakteristik eine leicht modifizierte Arbeitsweise.

Die Bauernzeitung berichtete von Verkostungen mit Zellulose filtrierter Weine:

Erste Testergebnisse
Die Wein- und Obstbauschule Krems führte in Zusammenarbeit mit der Firma Erbslöh beim Jahrgang 2007 mehrere Filtrationsversuche durch. Laut Firmenbeschreibung kann direkt nach der Filtration ein sogenannter Papiergeschmack entstehen – der jedoch nach ein bis maximal drei Wochen vollkommen verschwinden soll. Beim ersten Versuch wurde ein Weißburgunder filtriert. Die Filtration erfolgte genauso wie mit Kieselgur (zuerst anschwemmen und danach Filtration). Nach der Anschwemmphase wurde der Wein verkostet und hatte einen deutlichen Geruch und Geschmack nach Papier.

Während der Filtration wurde dieser Ton etwas leichter, verschwand jedoch nicht. Am Tag nach der Filtration wurde ebenfalls dieser Beiton bemerkt. Nach einer Woche war der “Papiergeschmack” nur noch leicht erkennbar. Nach drei Wochen wurde der Wein bei einer Publikumsverkostung präsentiert – und niemand bemerkte eine negative Beeinflussung. Gleichzeitig wurde ein Chardonnay getestet, das Ergebnis war deckungsgleich.

Nach diesen Erfahrungen folgte der Grüne Veltliner. Hier wurde ein Vergleich mit einer herkömmlichen Kieselgurfiltration durchgeführt. Am Tag der offenen Tür der Wein- und Obstbauschule Krems wurde dieser Versuch erstmals den Weinbauern präsentiert. Genaue Aussagen dazu sind noch nicht möglich.

Fazit der Bauernzeitung
In Summe gesehen ist die Kieselgurfiltration eine ausgezeichnete Art der Vorfiltration. Auch eine Alternative mit Cellulose als Filterhilfsmittel ist wünschenswert. Es muss nicht gleich ein Ersatz von Kieselgur sein – auch eine Kombination könnte angedacht und versucht werden. Ergebnisse über diese und viele andere Versuche findet man unter lako.at (unter Versuche) oder über die Homepage der Wein- und Obstbauschule Krems.

Weitere Informationen

Kontakt
Thomas Jung
Erbslöh Geisenheim AG
Tel. 06722-70 80
E-Mail: info@erbsloeh.com

Source: Erbslöh Geisenheim AG, 2008-02 und Bauernzeitung, 2008-03-13.

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