28 Februar 2011

Walnuss-Mischung für Blumenkübel erhält Preis auf der Cebit

WPC einmal anders: Innovatives Biomaterial aus Kleinmanufaktur erregt Aufsehen

Sie bestehen zu zehn bis zwanzig Prozent aus gemahlenen Walnussschalen, sind stoßfest, frostbeständig und verwittern nicht: die Pflanzkübel der Manufaktur Scheeg in Glindow. Zwei Jahre lang hat Manuela Scheeg an einem schadstofffreien Biomaterial für ihre neuen Töpfe experimentiert. Herausgekommen ist ein Naturfaserkunsttoff aus Walnussschalen, weißem Recyclingplastik und Plastik, für den sie heute auf der Cebit in Hannover einen Preis bekommt: Der renommierte “if material award” landet normalerweise bei bekannten Innovationsschmieden. Mit der Manufaktur Scheeg bekommt ihn eine Firma, die mit der Fertigung gerade erst beginnt.

Leichte und robuste Pflanzkübel, formschön und nachhaltig – Manuela Scheeg hält die Idee für eine Marktlücke. Den Walnusskunststoff mit dem Namen shoe:shee macht ihr wohl so bald keiner nach: Viele Versuche scheiterten, bevor eine Mischung gefunden war, die in der Brennkammer nicht ankokelte oder zerbröselte. “Die physikalischen Effekte lassen sich kaum vorhersagen, man muss es ausprobieren”, sagt Scheeg. Jetzt härtet “shoe:shee” wunschgemäß aus und wird allen Ansprüchen im Labor und der Bewitterungskammer gerecht.

Als Partner für ein zweijähriges Forschungsprojekt, das von der Zukunftsagentur Brandenburg bezuschusst wurde, stand das Institut für Polymertechnik in Wismar zur Seite. Auch die Berliner Firma PAV Recyclate, die seit 25 Jahren im Materialrecycling tätig ist, wurde zum festen Partner des Projektes. Versuche, Holzschnitzel mit Kunststoff zu einem neuen Werkstoff zu mischen, kennt Scheeg bislang vor allem aus den USA: Die “Wood Plastic Composites” (WPC) traten seit den 90er Jahren ihren Siegeszug im Baugewerbe, der Automobil- und Möbelindustrie an. Scheegs Walnuss-Mischung für Blumenkübel ist derweil neu. Sie lässt sich in jede vom Kunden gewünschte Form bringen. In die Topföffnung kommen dekorative Einlegerahmen aus verschiedenen Hölzern, auf Wunsch aus Nussbaum.

Nach der Heirat in Potsdam ist Manuela Scheeg vor fünf Jahren aufs Land nach Glindow gezogen. Als vor drei Jahren ihre Tochter geboren wurde, empfand sie die Elternzeit auch als Chance, kreativ zu werden und ihr eigenes Unternehmen aufzubauen. Nach anderthalb Jahren kam noch ein Sohn zur Welt. Die neue Garage wurde zum Labor. Inzwischen freut sich Manuela Scheeg über die ersten Bestellungen.

Die Idee mit den Pflanzkübeln war ihr schon früher in den hohen Altbauwohnungen gekommen, die die gebürtige Leipzigerin während ihres Betriebswirtschaft-Studiums in Berlin bewohnte. “An kleinen Übertöpfen gibt es ein großes Angebot, aber bei größeren Pflanzgefäßen ist die Auswahl sehr begrenzt.” Mit ihrem neuen Material kann sie jede Kübelform in verschiedenen Farben herstellen. Die feinen Naturpigmente bleiben sichtbar. 20 bis 30 Pflanzkübel täglich können derzeit von der Manufaktur produziert werden. Gebrannt wird das in Glindow verrührte Pulvergemisch in Rotations-Brennöfen bei Kunststofffirmen in Boizenburg und Neuruppin, wo auch die Formen bereitliegen. Die Glindower Logistikfirma Schmidt hilft beim Transport. Zurzeit hat Manuela Scheeg eine Angestellte, im April soll ein zweiter hinzukommen. Demnächst soll das Unternehmen vom häuslichen Grundstück auf eine Gewerbefläche ziehen. Zwei Tonnen Walnussmehl hat Scheeg schon bei Lebensmittelverarbeitern in Moldawien und Frankreich bestellt.

Derzeit baut sie die Vertriebswege auf. Als Betriebswirtin, die jahrelang im IT-Bereich für Siemens tätig war, ging ihr die Gestaltung der Internetpräsentation und Kataloge leicht von der Hand. Sie führt Gespräche mit der regionalen Wirtschaft, Architekten und Objektausstattern. Große Hoffnungen setzt sie auf zwei hochwertige Versandunternehmen. Vielleicht soll demnächst ein kompletter Biokunststoff-Kübel angeboten werden, kündigt sie an. “Und ich finde auch Mandel interessant.” Um die 300 Euro kosten die Töpfe auf ihrer Internetseite. In der Perspektive soll die Manufaktur zum mittelständischen Unternehmen mit 50 Angestellten wachsen.

Source: Potsdamer Neueste Nachrichten, 2011-02-28.

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