12 November 2007

Walnuss ist Baum des Jahres 2008

Wärmeliebend und wertvoll von Holz bis Frucht

“Die Initiative Baum des Jahres schärft unser Bewusstsein dafür, dass Umwelt nichts Abstraktes ist, sondern schon beim nächsten Straßenbaum beginnt.” Mit diesen Worten gratulierte Bundespräsident Horst Köhler dem Gründer der Baumwahl, Silvius Wodarz, zum zwanzigsten Ausruf. Für 2008 entschied sich das Kuratorium Baum des Jahres für die Walnuss.

hausbaum_roloff.jpgDie ursprüngliche Heimat des Nussbaumes befindet sich in Südosteuropa auf der Balkanhalbinsel und in Asien von der Türkei bis zum Himalaja, nach Meinung verschiedener Autoren auch bis nach China und Japan. Letzteres ist aber nicht ganz genau geklärt und hängt davon ab, ob man andere Nussbaumarten nur als Varietäten der Walnuss einstuft. Vor und zwischen den Eiszeiten war die Walnuss auch in Mitteleuropa heimisch. Schon vor mehreren Jahrtausenden, in der Jungsteinzeit, wussten die Menschen vom Wert des Nussbaumes und brachten ihn, vor allem zur Zeit der Griechen und Römer, mit nach Süd- und Mitteleuropa.

Karl der Große sorgte um 800 n. Chr. für seine weitere Verbreitung auch nördlich der Alpen, wo er heute in wärmebegünstigten Lagen problemlos wächst, regelmäßig reife Früchte trägt und diese auch keimen. Kaiserin Maria Theresia förderte den Anbau im 18. Jahrhundert durch ihre Order: “An jedem Hof soll ein Nussbaum stehen.” Angebaut wird er heute auf der gesamten Nordhalbkugel in der gemäßigten Zone, auch in Nordamerika (Kalifornien) und in China. Sogar in Südschweden gibt es Walnussbäume, ab und zu auch mal mit reifen Früchten.

Man findet den Nussbaum bei uns nur im ländlichen Siedlungsraum und in Weinbaugebieten – gepflanzt, seltener verwildert –, aber nicht im Wald, höchstens an Waldrändern oder gelegentlich einzeln in Auenwäldern. Nennenswerte forstliche Bestände gibt es nur im Südwesten Deutschlands sowie in Frankreich und in der Schweiz.

Nussbäume entwickeln eine kugelförmige Krone. Bei genauerem Ansehen – am besten ohne Blätter – fällt auf, dass man keinen dominanten Wipfeltrieb finden kann. Stattdessen gibt es eine Rangelei, wer in der Oberkrone das Sagen hat – ohne Ergebnis. Das ist zwar bei vielen Laubbäumen ähnlich, aber beim Nussbaum besonders ausgeprägt: Er leistet sich zwanzig und mehr Wipfeltriebe. Das Höhenwachstum kann in der Jugend dennoch ein bis zwei Meter pro Jahr erreichen.
Nussbäume sind ein guter Anzeiger für eine gewisse Wärmesumme im Sommer, weshalb sie in Gegenden mit kühlen, feuchten Sommern und auf Nord- oder Osthängen nicht so gut wachsen. Sie benötigen nämlich ein Weinbauklima, selbst wenn es gelegentlich eher trockene Weine sind. Vom Klimawandel wird die Walnuss also profitieren. Derzeit liegt ihre Höhengrenze in Mitteleuropa bei rund eintausend Meter.

Wenn Sie sich im Sommer die reifenden Früchte am Baum anschauen, sehen Sie: Um das herum, was wir als Nuss auf den Weihnachtsteller legen, ist noch eine dickfleischige grüne Schale vorhanden, die kurz vor der Reife im September oder Oktober aufplatzt und den Kern freilegt, bevor er herausfällt, oder alles zusammen fällt vom Baum, als so genannte Plumpsfrüchte. Würde die grüne Schale nun mit zur Frucht gehören, wäre es eine Steinfrucht wie die Kirsche. So steht es bisher in fast allen Lehrbüchern, und so habe ich es auch meinen Studenten bis zum Jahr 2006 in den Vorlesungen erzählt.

Neueste Untersuchungen haben nun aber nachgewiesen, dass die fleischige Schale nicht zur Frucht gehört, sondern aus anderen Organen, den Blättern, entstanden ist. Deshalb handelt es sich bei Walnüssen also tatsächlich um Nüsse, die wie Bucheckern und Maronen am Baum von einer grünen Fruchthülle umgeben sind. So kann es auch heute noch zu Umbrüchen in der Botanik kommen, wenn jemand mal genau hinschaut.

Nutzung: Holz
Das relativ schwere Holz der Walnuß weist einen breiten graubraunen Farbkern auf, der auch tief schwarzbraun sein oder wolkige Strukturen zeigen kann. Das macht das Holz so gesucht und treibt den Preis. Die Färbung variiert erheblich und ist vom Alter und Standort abhängig. Der Bedarf in Deutschland kann nicht annähernd aus eigener Erzeugung gedeckt werden, es handelt sich um eines der wertvollsten Hölzer. Will man die besonders geschätzten unteren Stammkröpfe von Pfropfungen oder den knolligen Wurzelstock für Maserholz nutzen, werden die Bäume nicht abgesägt, sondern mit den Wurzelstöcken ausgegraben, was auch als “austopfen” oder “auskesseln” bezeichnet wird und ziemlich ungewöhnlich aussieht. Das gibt es bei keiner anderen Baumart!

Nussbaum ist das Holz der Künstler. Es wird für Furniere, Möbel, Innenausstattungen und kleine Gebrauchsgegenstände verwendet, ferner werden daraus Uhrengehäuse, Musikinstrumente, Parkett, Schachfiguren und Drechslerwaren hergestellt sowie alles, wofür eine dunkelbraune Färbung erwünscht ist. Es war und ist charakteristisch für viele Biedermeiermöbel. Was bei anderen Baumarten als “Holzfehler” zur Entwertung führt, ist bei Walnussholz besonders gesucht (z.B. Krümmungen, Astgabeln, Knollen und Kröpfe). Es eignet sich als Ersatz für hochwertiges Tropenholz wie Palisander, daher wird seine Bedeutung weiter zunehmen, denn die letzten Tropenholzbestände sind ja inzwischen leider selten geworden.

Nutzung: Nüsse
Aber noch wichtiger für die Nutzung als das Holz sind die Nüsse. Die Walnuss gehört zusammen mit Haselnuss, Esskastanie und Mandel zum so genannten Schalenobst. Walnüsse fehlen auf keinem Weihnachtsteller. Nusserwerbsanbau wird in Weinbauklimaten Europas (und Asiens, ja sogar Nordamerikas) bei Jahresmitteltemperaturen um 10° C seit rund 2.000 Jahren betrieben und erbrachte im Jahr 1978 weltweit eine Ernte von fast 800.000, im Jahr 2005 etwa 1,5 Millionen Tonnen! Pro Baum und Jahr können bis zu 100 kg Früchte geerntet werden, das sind bis zu 5.000 Nüsse. 40- bis 80-jährige Bäume tragen am meisten, der Pflegeaufwand ist gering. In Deutschland war die Walnuss bis vor 100 Jahren viel häufiger als heute, der Bestand ist dann aber durch Übernutzung und fehlende Nachpflanzungen stark zurückgegangen – in der Schweiz, wo man genaue Zahlen hat, in den letzten 50 Jahren um 75%! Von den vergangenen Zeiten zeugen noch viele Ölmühlen, die früher auch Walnüsse verarbeitet haben.

Aus den grünen Fruchthüllen, Blättern und der Rinde werden Gerb-, Beiz- und Färbemittel hergestellt, außerdem Nussöl aus den Kernen für die Ölmalerei. Mit Blättern und Fruchthüllen lassen sich Haare braun färben, Walnussschalenextrakt wird für Bräunungscremes sowie für Haut- und Massageöle verwendet.

Weitere Informationen
www.baum-des-jahres.de

(Vgl. Meldungen vom 2007-09-13 und 2006-10-24.)

Source: Umweltbriefe, 2007-10-31 und www.baum-des-jahres.de, 2007-11-12.

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