30 April 2003

Wärme und Strom – vom Pellet bis zum Kraftwerk

Holzenergie im Trend

Was bei unseren Vorfahren zwingend war, ist uns inzwischen mehr als billig. Der Energieträger Holz erlebt derzeit – zumindest in Skandinavien und Österreich – eine intensive Renaissance. Hierzulande sind zwar noch Wind- und Wasserkraft vorrangig, aber das soll sich bald ändern: “Gerade beim Holz sind noch große Potenziale ungenutzt”, verkündete jüngst Johannes Lackmann, Präsident des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE).

So gelten Pelletanlagen ungeachtet ihrer doppelten Investitionskosten von ca. 12.000 EUR pro Einfamilienhaus als echte Alternative zur Öl- oder Gasheizung. Im Schnitt fünf Tonnen Holz jährlich verbraucht jede der inzwischen 18.000 deutschen Pelletfeuerungen, Tendenz steigend, nicht zuletzt, weil künftig aufgrund der Energieeinsparverordnung 2,5 Millionen alte Kessel ausgetauscht werden müssen (vgl. Meldung vom 2003-04-16). Besonders emissionsarme und energieeffiziente Holzpellet-Feuerungsanlagen werden seit Februar gar mit dem Umweltzeichen “Blauer Engel” versehen (vgl. Meldung vom 2003-04-24).

Die Biomasse-Verordnung 2001 machte schließlich noch den Weg frei, selbst kontaminiertes Altholz aus seinem Sondermüll-Status heraus zum erneuerbaren Energieträger mit subventionierter Zukunft zu machen. Inzwischen boomt die Stromerzeugung in bereits 80 deutschen Verbrennungsanlagen, deren Biomasse vor allem Altholz enthält. (Vgl. Meldung vom 2002-12-11.)

Mit lediglich jährlich 3,5 Millionen Tonnen verfügbarem Altholz zur energetischen Nutzung dürfte der Brennstoff allerdings bald knapp werden, von einer Errichtung weiterer 60 Verbrennungsanlagen ganz zu schweigen – immerhin beansprucht ein 20-Megawatt-Kraftwerk allein schon 150.000 Tonnen für den effizienten Betrieb. “Die Zeiten, in denen die Altholz-Entsorgung Geld gekostet hat, dürften vorbei sein”, lakonisiert BEE-Präsident Lackmann, der schon leise Befürchtungen hegt, dass möglicherweise demnächst kontaminiertes Verbrennungsgut importiert wird.

Anders die Holzheizwerke, die mit ca. 1.000 Anlagen öffentliche Gebäude und Nahwärmenetze in Deutschland mit einem jährlichen Brennstoffbedarf von jeweils 3.000 bis 4.000 Tonnen “sauberem” Restholz aus forstwirtschaftlichen Erträgen versorgen. Die rechnen sich nach Lackmanns Ansicht jedoch nur bei entsprechender Förderung, da sie lediglich Wärmeerzeuger sind und damit aus der Regelung zur Einspeisungsvergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz heraus fallen. Obwohl das Restholz mit 17 Mio. Tonnen noch eine preiswerte Ressource darstellt, muss es immerhin noch aus den Wäldern geholt werden. Ein Aufwand, der sich auch laut Bernhard Dreher vom UBA nur über angemessene Fördermaßnahmen – wie etwa nach bayerischem Modell – rechnet.

Letztendlich macht auch die Methodik der Holzvergasung (vgl. Meldung vom 2003-04-03) – die es schon in den 40ern gab – und das Gewinn versprechende “Pyrolyse”-Verfahren wieder Schule. Ist Erstere zwar erfolgreich zur Treibstoffgewinnung einsetzbar aber leider meist noch mit Rückstandsproblematik behaftet, so erobert sich Letzteres zunehmend den alternativen Treibstoffmarkt. Denn unabhängig von der Art oder Beschaffenheit lässt sich hiermit aus jedweder Biomasse flüssiger Treibstoff gewinnen – teils mit bis zu zwanzigfacher Ertragsmenge als bei Biodiesel aus Rapsöl. (Vgl. Meldung vom 2002-08-12.)

Lackmanns Vision: “Wenn wir 20 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen für schnell wachsende Energiepflanzen nutzen würden, könnten wir damit den gesamten Kraftstoffbedarf Deutschlands decken.”

Source: Südddeutsche Zeitung vom 2003-04-29.

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