1 April 2001

Vom Palmenmüll zu neuen Möbeln

Der Naturstoff Palmöl ist die Basis für Margarine, Schokolade, Kochöl und Waschmittel. Bei der Ernte der Ölfrüchte fällt faserhaltiger Abfall an, der zu Holzwerkstoffen verarbeitet werden kann. Derartige alternative Rohstoffe wie Palmabfälle bieten die Chance, die primären Regenwälder in Ländern wie Malaysia zu schonen.

Die Hälfte der Weltproduktion von Palmöl kommt aus Malaysia. Das Öl ist ein begehrter Grundstoff für die Lebensmittel- und Chemieindustrie. Palmen gibt es dort zwar wie Sand am Meer, doch nur ein kleiner Teil liefert Rohstoffe für Palmzucker oder -öl. Deshalb werden große Plantagen angelegt. Auf knapp 8% der Fläche des Landes werden die Pflanzen herangezogen. Aber ab dem dritten Jahr tragen sie Früchte, die Dank der optimalen Klimabedingungen alle zwei Monate geerntet werden können. Die Früchte sind etwa pflaumengroß und wachsen in traubenartigen Dolden. Jeder Baum liefert pro Ernte zwei Dolden mit bis zu 2.000 Einzelfrüchten. Diese werden herausgelöst. Zurück bleibt ein Haufen faserhaltigen Abfalls. Pro Hektar und Jahr stehen alleine aus den abgeernteten Dolden zwischen 1,0 und 1,2 t gereinigte hochwertige Faserstoffe zur Verfügung. Zu den leeren Fruchtdolden kommen Palmblätter oder Teile von Stämmen als nutzbare Rohstoffe hinzu, denn die Palmen werden alle 20 Jahre eingeschlagen und neu gepflanzt.

Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Holzforschung (Wilhelm-Klauditz-Institut WKI) haben gemeinsam mit dem malaysischen Verband Palm Oil Board untersucht, wie sich die ernormen Mengen faserhaltiger Reste nutzen lassen.Das Ergebnis: Diese Faserstoffe eignen sich gut, um Platten für die Bau- und Möbelindustrie herzustellen.

Erste orientierende Versuche zeigen, dass die verschiedenen Reststoffe besonders gut zu mitteldichten Faserplatten verarbeitet werden können. In einer Versuchsanlage wurden grundlegende verfahrenstechnische Parameter für den Faseraufschluss und die Verarbeitung zu Plattenwerkstoffen bestimmt. Die Produktion läuft in einem kontinuierlichen Prozess ab: Die vorzerkleinerten Dolden und Palmabfälle werden in einem thermomechanischen Prozess zerfasert. Wasserdampf erwärmt die Fasern und der dann weiche Rohstoff wird in einem Refiner aufgemahlen. Anschließend kommt Klebstoff – zum Verleimen – dazu. Die beleimten Faserstoffe sind für eine Weiterverarbeitung zu feucht, deshalb wird die Masse wieder getrocknet. Die trockenen, beleimten Fasern werden mit einer Streumaschine gleichmäßig zu einem Faservlies ausgebreitet. Der Faserverbund ist noch sehr locker. Erst durch das Heißpressen entsteht die gewünschte Plattendichte. Da gleichzeitig der Klebstoff abbindet, erhält die Platte ihre endgültige feste Form. Die Platten sind zwischen 3 und 40 mm dick und können bis zu 2,5 Meter breit sein. In industriellen Anlagen verläuft auch der Heißpressvorgang kontinuierlich, es entsteht eine endlose Faserplatte. Im Frühjahr startet der Aufbau einer Pilotanlage in Malaysia.

Autor: Jörg Müssig (FIBRE)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Chemie in unserer Zeit, 35. Jahrgang 2001, Nr. 2, S. 78.

Source: Chemie in unserer Zeit, 35. Jahrgang 2001, Nr. 2, S. 78.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email