13 Mai 2003

Volkswagen und Shell: Erdgas-Treibstoff wird Vorreiter zum Biomassetreibstoff

Umweltbundesamt teilt die Begeisterung nicht

Der von Volkswagen und Shell entwickelte Designertreibstoff “Synfuel” gilt als neuer Biotreibstoff, wenngleich noch nicht klar ist, ob der aus Erdgas gewonnene Sprit auch von der Mineralölsteuer befreit wird. “Kristallklar, farblos und schadstoffarm”, soll laut VW-Pressesprecher Hartmut Hoffmann das Benzin der Zukunft sein, allerdings lediglich ein Vorreiter zum Biomassetreibstoff “Sunfuel”, der ebenso mit Shell in Planung ist. “VW holt die Sonne in den Tank”, visioniert Hoffmann. Wobei die chemische Struktur der beiden Treibstoffe die gleiche ist.

Bis 2008 soll es aber noch dauern, bis Synfuel/Sunfuel – ein bereits markenrechtlich geschütztes Produkt – aus öffentlichen Zapfsäulen fließt, wobei im Hinblick auf die Mineralölbesteuerung noch keine Preisprognosen möglich sind. Bislang fahren lediglich 25 PKW des Wolfsburger Autoriesen den Sprit auf Probe. VW-Chef Bernd Pischetsrieder rechnet allerdings auf Sicht mit bis zu 50 Prozent Marktanteil im Ersatz zu herkömmlichem Dieseltreibstoff.

Der Biomasse-Rohstoff für die “Sunfuel”-Produktion soll außer auf Raps auch auf sonstige Pflanzen, Holzspänen und Biomüll basieren. Gehäckselt und zu kohleförmigen Pellets gepresst, wird der Treibstoff direkt einen Vergaser gespeist und dort zu einem Gemisch aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid, welches wiederum verflüssigt wird. Die Emissionen nach der Verbrennung enthalten nur so viel Kohlendioxid, wie zuvor von den Pflanzen gebunden wurde.

“Diese Entwicklung ist die erfolgversprechendste überhaupt”, schwärmt Energieexperte Hans-Josef Fell, forschungspolitischer Sprecher der Grünen, denn sie biete auch für osteuropäische Bauern neue Perspektiven: “Sie können jetzt Energiewirte werden.”

Unerwartete Kritik kommt allerdings direkt vom Kraftstoffexperten: “Aus Umweltsicht macht der neue Treibstoff keinen Sinn”, verweist Andreas Ostermeier vom Umweltbundesamt auf den unverhältnismäßigen Energieverbrauch zur Produktion einwandfreien Sprits. Zudem seien die im Rohstoffanbau verwendeten Düngemittel und Chemikalien in ihrer Umweltwirkung auch nicht zu unterschätzen. Eine sinnvollere Lösung für die Ökologie sieht er eher in Leichtbauweise und effizienteren Motor- und Getriebeleistungen, womit “der Verbrauch auf hundert Kilometer halbiert werden” könnte.

Was VW-Chef Pischetsrieder allerdings kaum tangiert – hat er doch erst vor einem halben Jahr die Produktion des VW-Sparautos, den Drei-Liter-Lupo, eingestellt.

(Vgl. Meldung vom 2003-02-27.)

Source: taz Nr. 7047, Seite 9 vom 2003-05-07.

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