19 Juli 2007

VHI um Möbelindustrie besorgt – Rohstoffpreise werden weiter steigen

Insgesamt deutlicher Produktionsanstieg

Die Ereignisse der letzten Wochen in der deutschen Möbelindustrie erfüllt die Hersteller von Holzwerkstoffen in Deutschland mit Sorge. Deutliche Tariferhöhungen, steigende Energiepreise, schnell steigende Preise der Zulieferindustrie (Holz/ Holzwerkstoffe/Beschläge/Flachglas) auf der einen Seite und die andauernde Niedrigpreispolitik des dominierenden Möbelhandels auf der anderen Seite, führten bei einigen Möbelherstellern zu einer prekären Ertragslage. Hinzu kam eine gewisse Absatzschwäche zu Jahresbeginn in den Möbelhäusern, bedingt durch Vorzieheffekte auf Grund der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn.

Als Zulieferer der Möbelindustrie verweisen die Hersteller von Span- und Faserplatten auf die im letzten Jahr rasant gestiegenen Holzpreise. Steigerungen von über 50% bei Industrieholz und über 90% bei den – vor allem für die Spanplattenindustrie wichtigen – Sägespänen wurden verzeichnet.

Dr. Peter Sauerwein, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) in Gießen, weist darauf hin, dass Hauptursache dieser Holzpreiserhöhungen die gestiegene Nachfrage nach dem vom Staat geförderten Brennholz sei.

Der VHI, aber auch der Verband der Deutschen Möbelindustrie kämpften schon seit geraumer Zeit darum, dass Subventionen zur direkten energetischen Holznutzung eingestellt werden. Die Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Behörden zeigen aber, dass es noch großer Kraftanstrengung bedarf, um die Politik von einer Kursanpassung zu überzeugen. “Die Förderung der Verbrennung von Holz vor der stofflichen Nutzung ist volkswirtschaftlich und ökologisch unsinnig”, so Sauerwein. Daher fordert der VHI einen Stopp des Marktanreizprogramms zur Holzverfeuerung und eine steuerliche Gleichbehandlung von Holzpellets als Brennstoff wie Gas und Öl. Pellets sind z. Zt. nur mit 7% Mehrwertsteuer belegt.

Bei aller Euphorie für Holz als CO2-neutraler Energieträger kommt es, so der VHI, darauf an, volkswirtschaftlich die denkbar beste Wertschöpfungskette für Holz zu ermöglichen. Dies ist vor allem dann gegeben, wenn Holz bevor es energetisch genutzt wird, zunächst einer stofflichen Verwendung zugeführt wird. Auch aus ökologischer Sicht steht die stoffliche Verwendung eindeutig vor der energetischen, da nur sie CO2 bindet.

Was die weiteren Preisentwicklungen der Rohstoffe anbelangt, so der VHI, zeichnet sich bei Holz nur eine vorübergehende Entspannung, bedingt durch die Schadholzmengen nach dem Orkan Kyrill, ab. Auch bei Energie und Bindemitteln hält der Preisanstieg, wenn auch abgeschwächt, weiterhin an.

Bei Holz wird die Verfügbarkeit künftig zum Hauptproblem, so die Auffassung der Hersteller anlässlich ihrer kürzlichen Marktaussprache. Auf Dauer, so der VHI, kann daher nicht von sinkenden Holzpreisen ausgegangen werden. Vielmehr gilt: Holz als Klimarohstoff Nr. 1 bleibt teuer und wird noch teurer werden, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen, beispielsweise durch Ereignisse wie Kyrill. Auf Grund des aktuellen VHI-Monitorings erwarten die Hersteller der im VHI organisierten Unternehmen schon ab Herbst wieder anziehende Holzpreise. Auch die Preise weiterer Rohstoffe zur Plattenherstellung wie Melamin ziehen aktuell an!

Als Rohstoffverarbeiter versucht die Holzwerkstoffindustrie die Preissteigerungen durch Effizienzsteigerungen zu kompensieren. Dies wird aber weiterhin nur zu einem gewissen Maß möglich sein.

Holzwerkstoffindustrie meldet deutlichen Produktionsanstieg
Die Spanplattenproduktion stieg im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres in Deutschland um 7% auf insgesamt 2,15 Mio. m³. Die OSB-Produktion stieg um 5% auf 267.000 m³. Im Bereich der MDF- und Faserplatten lag der Produktionszuwachs bei 11%. Das teilt der Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI) auf Grundlage der amtlichen Statistik mit. Die Indikatoren für den Auftragseingang lassen auch für April und Mai eine gute Geschäftsentwicklung erwarten, allerdings sei die Stimmung für die Sommermonate etwas gedämpfter, wie der VHI weiter mitteilt. Nach Verbandsangaben stieg der Umsatz der Branche in den ersten fünf Monaten im Vergleich mit dem gleichen Vorjahreszeitraum um 13% auf 2,3 Mrd. Euro.

(Vgl. Meldungen vom 2007-03-09, 2007-05-10 und 2007-03-28.)

Source: Verband der Deutschen Holzwerkstoffindustrie e.V. (VHI), 2007-07-02 und 2007-07-19.

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