22 Juli 2003

Vertreter der chinesischen Hanfindustrie in Deutschland

Auf Einladung des nova-Instituts und der European Industrial Hemp Association (EIHA) sind fünf Vertreter der Yunnan Industries Hemp Co. Ltd. in Deutschland eingetroffen. Yunnan Industries, zu 25% mit staatlichem und 75% mit privatem Kapital – vor allem aus Hong Kong – ausgestattet, ist auf dem Weg, jenseits der traditionellen chinesischen Hanfindustrie eine neue, moderne Hanfindustrie aufzubauen.

Haupttriebfeder ist der gigantische Papierbedarf des aufstrebenden China. Neue Kapazitäten in der Größenordnung von 20 Mio. t Zellstoff pro Jahr wurden genannt. Infolge de Mangels an Bäumen – die wenigen, die es noch gibt, stehen unter Schutz – wird bereits heute ein großer Teil des Zellstoffs aus Einjahrespflanzen, wie z.B. Reis- und Getreidestroh, gewonnen. Insgesamt werden 62% des weltweiten Einjahrespflanzen-Zellstoffs bereits in China produziert. Hanf soll hier zukünftig eine wichtige Rolle spielen; genutzt werden sollen die Bastfasern, die Hanfschäben sowie auch die Ganzpflanze. Die technische und ökonomische Machbarkeit wurde bereits gezeigt, die Zellstoffanlagen in Kürze in Bau gehen.

Neben der Zellstoffindustrie steht die chinesische Autoindustrie im Fokus von Yunnan Industries. Angeregt durch die Erfolgsgeschichte der Naturfasern in der deutschen Automobilindustrie möchte man auch die chinesische Autoindustrie, die vor allem aus Töchtern deutscher Automobilkonzerne besteht, mit Naturfaser-Verbundwerkstoffen beliefern.
Weitere Interessen gibt es im Bereich von Baustoffen – Hanfschäben-MDF-Platten werden bereits produziert – und Hanftextilien.

Hanfsamen werden als wertvolle Quelle für Öl und Proteine angesehen. Und auch hier gibt es einen chronischen Mangel in der chinesischen Agrarwirtschaft, so dass derzeit Öle und Proteine importiert werden müssen. Auch die Nutzung der Cannabinoide THC und CBD in der Medizin interessiert Yunnan Industries.

Um die ehrgeizigen Ziele realisieren zu können, war die Züchtung einer neuen chinesischen Hanfsorte notwendig. Die traditionellen Sorten weisen im Vergleich zu üblichen Nutzhanfsorten relativ hohe THC-Gehalte auf, so dass ein Missbrauch als Droge nicht ausgeschlossen ist und die Behörden diese Sorten zukünftig nicht mehr gerne auf den Äckern sehen möchten.

Mit Unterstützung der Regierung wurde daher in den letzten Jahren die erste THC-arme chinesische Hanfsorte gezüchtet. Die Sorte “Yunma 1″ (“Yun” von Yunnan Industries, “Ma” = Hanf), weitere sollen folgen, ist seit zwei Jahren verfügbar und wurde bereits an zahlreichen Standorten in China versuchsweise mit Erfolg angebaut (durchschnittlicher Strohertrag 8,5 t/ha, Fasergehalt 30%). Die Sorte könnte auch für den europäischen Anbau interessant sein.

Das Interesse von Yunnan Industries gilt nicht den europäischen Naturfasermärkten. Das Interesse gilt vielmehr den in Europa entwickelten Technologien zu Ernte, Faseraufschluss, Vlies-/Filz- sowie Formpressteil-Produktion bzw. den neuen NF-PP-Spritzgusstechnologien, um hiermit die wachsenden chinesischen Märkte bedienen zu können.

Das nova-Institut wird im November 2003 eine Reise mit Unternehmen aus Deutschland und der EU, die an einem Technologie-Transfer mit Yunnan Industries interessiert sind, organisieren. Interessierte Unternehmen sollen sich mit Michael Karus michael.karus@nova-institut.de in Verbindung setzen.

(Vgl. Meldungen vom 2003-05-30 und 2003-03-17.)

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