13 Oktober 2010

Verpackungszentrum Graz: Es muss nicht immer Chemie sein

Familienbetrieb: Susanne Meininger und Bettina Reichl setzen auf Bio statt auf Plastik

Den Plastikbecher, aus dem man gerade den letzten Schluck Bier genommen hat, in den Biomüll werfen? Schwere Umweltsünde! Aber nicht, wenn der Plastikbecher aus dem Hause Meininger kommt. Dann ist er aus Biokunststoff und zu 100 Prozent kompostierbar.

Aus dem Verpackungszentrum Graz, dem Familienbetrieb der Schwestern Susanne Meininger und Bettina Reichl, kommen nicht nur Behälter für den Gerstensaft – auch für Kartoffelsäcke aus Flachs, Einweg-Holzbesteck und Schaumstoff aus Algen ist das innovative Duo für den Klimaschutzpreis nominiert.

Angefangen hat es mit der Algenpest in der oberen Adria 1989. “Da habe ich gerade die Firma von meinem Vater übernommen”, erzählt Geschäftsführerin Meininger. Er hatte die Idee, aus dem Algenproblem etwas Sinnvolles zu machen. Über einen Umweg landeten sie schließlich an der TU Graz, wo man sich der Algen annahm und in Forschungsreihen deren Qualitäten feststellte. “Die brennen nicht”, weiß Forschungsleiterin Bettina Reichl heute. Die beiden Schwestern wollen nun Algen zum Dämmstoff von morgen machen.

Doch die beiden produzieren nicht nur Zukunftsmusik: Am Donauinselfest kamen ihre Becher schon zum Einsatz, die Erdbeer-Behälter aus Holzschliff findet man in vielen Supermärkten. So sind aus der Drogistin Meininger und der Designerin Reichl Bio-Pionierinnen geworden.

“Unsere Arbeit ist nur in einem Familienbetrieb möglich”, meinen die beiden. “Wir teilen den Idealismus und haben uns gemeinsam durchgekämpft.” Auch gegen ganz Große: “Als wir das Patent für die Webtechnik unserer Kartoffelsäcke aus Naturfasern einreichen wollten, hat BP Einspruch erhoben.” 300.000 Schilling kostete sie damals das Gerichtsverfahren. “So versuchen die Großen, innovative Ideen zu unterdrücken.” Nachhaltigkeit ist das obererste Prinzip der Schwestern. Ihr Ziel: “Von dieser Chemiewelt wegkommen.”

Source: Kleine Zeitung, 2010-10-13.

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