1 September 2008

Verdient Brasiliens Biosprit das Öko-Siegel?

Roundtable im Handelsblatt diskutiert die Nachhaltigkeit brasilianischer Biokraftstoffe

Biosprit ist nicht gleich Biosprit – und wenn es nachhaltige Biokraftstoffe gibt, dann kommen sie vor allem aus Brasilien. Das sind die Kernaussagen des Handelsblatt-Roundtable zum Thema “Bioethanol” am Rande der Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage in Köln. Doch verdient Brasiliens Biosprit wirklich das Öko-Siegel? Vier Experten diskutieren diese Fragen im aktuellen Roundtable des Handelsblatts

Biokraftstoffe aus dem Ausland sind in Europa schwer in Verruf geraten. Sie werden für die Zerstörung des Regenwaldes und für den Anstieg der Lebensmittelpreise verantwortlich gemacht. Selbst ihre Klimabilanz ist umstritten. Noch vor zwei Jahren galten sie als saubere und klimaschonende Alternative zum Erdöl. Vier Experten aus Politik und Wirtschaft diskutieren die Frage um die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen aus brasilianischen Zuckerrohr:

  • Astrid Kluge, parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium engagierte sich aktiv in der Umwelt-Bewegung, seit 2002 ist sie Mitglied des Deutschen Bundestages. Die stellvertretende saarländische SPD-Landesvorsitzende ist zudem Vorsitzende des Parlamentarischen Beirates für nachhaltige Entwicklung.
  • Stephan Reimelt ist Vorstand bei MAN Ferrostaal. Der promovierte Ingenieur führt das Geschäftsfeld Biofuels. Zudem ist er Leiter der deutschen Wirtschaftsdelegation in der “Gemischten Wirtschaftskommission”. Dort beraten Regierungs- und Wirtschaftsvertreter ökonomische und juristische Fragen der deutsch-brasilianischen Beziehungen.
  • Peter Gross, Großinvestor in der brasilianischen Zuckerrohrbranche. Der in Brasilien geborene Betriebswirt legt derzeit mit seiner Firma Alterna Agri-Energy und Partnern in London und Zürich einen Fonds mit einem angestrebten Volumen von rund einer Milliarde Dollar auf. Mit diesem Fonds will der 37-Jährige in die brasilianische Ethanolproduktion investieren.
  • Norbert Schmitz ist Partner der Wiesbadener Unternehmensberatung Meó Consulting. Der promovierte Diplomkaufmann ist Spezialist für erneuerbare Energien. Im Auftrag des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft verfasste der 43-Jährige eine Studie zu Innovationen bei der Produktion von Bioethanol.

Nicht zuletzt die polemisch geführte Debatte setzt die Politik unter Druck. Die EU und Deutschland pochen auf einen Nachweis, dass die Produktion von Ethanol nicht auf Kosten des Regenwaldes und des Klimas erfolgt. Im Mai unterzeichneten Bundeskanzlerin Angela Merkel und Brasiliens Präsident Lula da Silva ein Energieabkommen, das auch Kooperation bei Biokraftstoffen vorsieht.

Bereits 80 Prozent des weltweit aus Zucker hergestellten Ethanols kommen aus dem Land am Amazonas. Vergangenes Jahr waren es 22 Mrd. Liter. Aber Präsident Lula will noch mehr: Bis zum Jahr 2010 soll die hergestellte Menge auf knapp 30 Mrd. Liter steigen. Der internationale Handel mit dem Alkohol ist noch gering. Brasilien ist mit 2,6 Milliarden Litern der einzige nennenswerte Exporteur. Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt allerdings, dass im Jahr 2020 der Handel mit Ethanol 200 Milliarden Liter umfassen wird.

Den vollständigen Roundtable lesen Sie im Handelsblatt.

Source: Handelsblatt, 2008-08-31.

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