22 August 2007

Verbandsvertreter: Genug Fläche für Bioenergie und Ernährung

Lamp (BBE) und Tietböhl (DBV) sehen Potenzial im In- und Ausland

Eine echte Flächenkonkurrenz zwischen der Nahrungsmittelerzeugung und der Bioenergieproduktion besteht nicht und kann auch zukünftig vermieden werden. Wie Proplanta berichtet, betonten dies der Vorsitzende des Bundesverbandes Bioenergie (BBE), Helmut Lamp, und der Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern sowie Vorsitzende des Fachausschusses Nachwachsende Rohstoffe im Deutschen Bauernverband (DBV), Rainer Tietböhl, bei der Euroforum-Fachkonferenz Biogas am Dienstag in Düsseldorf.

Wirkliche Flächenkonkurrenz finde meist nur auf dörflicher Ebene statt, wenn durch überhöhte Pachtpreise von zum Teil nicht-landwirtschaftlichen Biogasanlagen die Pachtpreise für landwirtschaftliche Flächen hoch gehen, sagte Lamp. Ansonsten sieht er eine Konkurrenzsituation lediglich gegenüber Schleuderpreisen für Lebensmittel gegeben. Nach seiner Aussage werden hierzulande derzeit erst 10% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für den Anbau von Energiepflanzen genutzt. Von diesen 1,7 Mio. ha entfallen rund 1,4 Mio. ha auf Energieraps, den Rest teilen sich Energiegetreide und Energiemais.

Im Jahr 2030 dürften auf rund 30% der hiesigen Agrarfläche Energiepflanzen angebaut werden, schätzt Lamp. Selbst dann stehe in Deutschland jedoch noch genügend Fläche für den deutlich höheren Flächenbedarf der Öko-Landwirtschaft zur Verfügung, hob er hervor. In der gesamten EU gibt es nach seinen Worten ein Areal von rund 50 Mio. ha, das ebenfalls für den Anbau von Biomasse genutzt werden könnte. Diese Gebiete sind insbesondere in Osteuropa zu finden. So nutze etwa das Baltikum im Vergleich zu 1930 derzeit rund 40% seiner landwirtschaftlichen Fläche nicht.

Auch Russland weise in dieser Hinsicht erhebliches Potenzial auf. Der BEE-Vorsitzende machte vor diesem Hintergrund auch deutlich, dass sich Deutschland und hier insbesondere die Bioenergiebranche künftig auf zunehmende Rohstoffimporte einstellen müssen wird. Auch Länder wie Indien könnten sofort auf rund 30 Mio. ha Biomasse für die Energieproduktion anbauen und so zum Rohstoffexporteur werden. Dennoch werde der überwiegende Teil der Biomasse-Importe voraussichtlich aus Osteuropa kommen. Von dort dürfte demnach in Zukunft auch Biogas in die Bundesrepublik geliefert werden.

Tietböhl: Künftig ein Drittel der Agrarfläche für Bioenergie
Bauernverbandsvertreter Tietböhl betonte, den Landwirten gebühre ein angemessener Anteil an der Wertschöpfung im Bereich der Bioenergieproduktion. Deshalb sollten die Bezugs- bzw. Lieferverträge mit den Landwirten auch die Möglichkeit der Preisanpassung an die jeweils aktuellen Marktpreise vorsehen. Um die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu halten, müsse das Nutzungskonzept bei Biogasanlagen grundsätzlich auf dezentralen Anlagen liegen, forderte Tietböhl.

Um die Versorgung der Bioenergieproduktion zu sichern, plädierte er gegen die Beibehaltung der Flächenstilllegung sowie für die Erzeugung von Biomasse auf Sekundärstandorten, auf Grünlandflächen und sogar an Moorstandorten. Für die Zukunft erwartet der Landwirt eine Aufteilung der deutschen Agrarflächen in ein Drittel für die Nahrungsmittelerzeugung, ein Drittel für die Viehfütterung sowie ein Drittel für die Bioenergie.

(Vgl. Meldungen vom 2007-02-21, 2007-07-04 und 2007-04-05.)

Source: Proplanta, 2007-08-21.

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