1 September 2005

Verbände rufen zu neuer Holzkultur auf: Deutschland als Forst- und Holzstandort stärken

Nachhaltige Erzeugung, vorbildliche Kreislaufwirtschaft, innovative Verwendungen und über eine Million Arbeitsplätze: Holz ist DER Rohstoff des 21. Jahrhunderts!

“Das Cluster Forst und Holz ist in Deutschland eine echte Wachstumsbranche.”, so Prinz Salm, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW) am Donnerstag vor Journalisten. Allein in den neuen Bundesländern wurden in den letzten 10 Jahren 3,8 Mrd. € investiert, zuzüglich 750 Mio. € Fördermittel, die vornehmlich aus Brüssel akquiriert wurden, so dass 6.000 neue Arbeitsplätze geschaffen und mehr als 13.000 bestehende Arbeitsplätze langfristig gesichert werden konnten.

“Deutschland ist europäischer Champion beim Thema Forst und Holz! Wir haben die größten Holzvorräte in ganz Europa!”, verkündet Hermann Ilaender, Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats (DFWR), nicht ohne Stolz. “Durch nachhaltige Pflege und Bewirtschaftung der Wälder hat in den letzten 20 Jahren allein in den alten Bundesländern die Waldfläche um mehr als 50.000 ha zugenommen – eine Fläche, die fast so groß ist wie die Ferieninsel Ibiza – und die Holzvorräte sind auf insgesamt 3,4 Mrd. m3 gestiegen. Jedes Jahr wachsen in Deutschlands Wäldern 80 Mio m3 heran, aber nur 50 Mio m3 werden geerntet. Das heißt, der Holzberg wächst jedes Jahr um 30 Mio m3 . Wertvolle Potentiale werden nicht ausgeschöpft.”

Doch sind auch die immer weiter zunehmenden Vorräte selbst kritisch zu bewerten, denn der Wald hat damit ein ähnliches Problem wie die modernen Gesellschaften: Die Überalterung droht, und die Jugend bekommt nicht den Raum, den sie zum Wachsen benötigen würde.

Dabei wird Holz als hochwertiger Baustoff für Gebäude und Möbel, als Grundlage für Papier und als modernes Heizmaterial dringend gebraucht. In Deutschland wird zu wenig Holz verwendet! Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von Holz und Holzprodukten liegt bei uns in der Größenordnung von etwa 1,1 m3 Rohholzäquivalenten. In den klassischen Holzregionen, wie z.B. in Österreich und Skandinavien wird dagegen zwei bis drei Mal mehr Holz verbraucht als bei uns.

Weil Holz so viele Vorteile als Substitut für endliche, fossile Rohstoffe bietet, liegt es im öffentlichen Interesse, eine neue, spürbare Holzkultur in Deutschland zu entwickeln. Dazu müssen Bund, Länder und Gemeinden jeweils ihren Beitrag leisten. Bisher sind jedoch nur Absichtserklärungen zu vernehmen. Um das gemeinsame Ziel zu erreichen, die inländische Holzverwendung in den nächsten 10 Jahren um mindestens 20% zu steigern, müssen die politischen Rahmenbedingungen für die Erzeugung von Holz und seiner Be- und Verarbeitung verbessert werden.

AGDW und DFWR fordern daher von der künftigen Bundesregierung:

  • Stärkung des Clusters Forst und Holz durch die gezielte Entwicklung und Förderung der Innovationspotentiale von Holz und Holzwerkstoffen sowie den Ausbau der energetischen Holznutzung.
  • Identifikation regionaler Holzcluster und Entwicklung eines vorbildlichen Clustermanagements durch eine engere Kooperation zwischen Betrieben der Forst- und Holzwirtschaft
  • Beibehaltung einfacher steuerlicher Regelungen für Forstbetriebe.
  • Entbürokratisierung im Bereich des Naturschutzrechts, z. B. durch Abschaffung der obligatorischen flächendeckenden Landschaftsplanung.
  • Keine Verschärfung der Vorgaben bei der Umsetzung europäischer Richtlinien in Bundesrecht sowie obligatorisches Einvernehmen mit der Eigentümerseite.
  • Gleichstellung von Kommunal- und Privatwald bei Ausgleich und Entschädigung in Flora-Fauna-Habitaten in Wäldern.
  • Angemessene langfristige Honorierung gesellschaftlicher Leistungen der Forstbetriebe.

Die vielfältigen Möglichkeiten der Holzverwendung – moderne Werkstoffe für Holzbauweisen, energetische Nutzung von Holz, innovative Verwendungen wie z. B. als Brennstoff für Kraftfahrzeuge (BtL) – müssen konsequent erforscht und stärker ins Bewusstsein gerückt werden, um die Potentiale, die der heimische Rohstoff Holz für Innovation und Arbeitsplätze gerade im ländlichen Raum bietet, optimal zu nutzen.

Holz wächst nicht nur nach, sondern seine anschließende Nutzung erfolgt auch CO2- neutral. Damit ist jede Auswahl der Holznutzung und jede Substitution eines fossilen Rohstoffes ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz! Nutzen wir die Chance, die dieser einmalige Rohstoff uns in Deutschland bietet!

(Vgl. Meldungen vom 2005-08-26, 2005-07-06 und 2004-11-20.)

Source: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände e.V. (AGDW) vom 2005-09-01.

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