24 Oktober 2006

VDN: Anteil der erneuerbaren Energien steigt voraussichtlich bis zum Jahr 2012 auf über 20 Prozent

Neue Stromleitungskapazitäten werden dringend gebraucht

Der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Stromverbrauch könnte bis zum Jahr 2012 auf über 20 Prozent steigen. Nach einer aktuellen Prognose des Verbandes der Netzbetreiber (VDN) beim VDEW sei dies vor allem auf den geschätzten Anlagenausbau in den Bereichen Biomasse, Wind und Solar zurückzuführen. “Diese einerseits erfreuliche Entwicklung wird andererseits zur Folge haben, dass die Belastung der Stromkunden durch die staatlich garantierten Fördergelder weiter steigen wird und noch zusätzliche Stromleitungskapazitäten dringend gebraucht werden”, erklärte VDN-Präsident Hans-Otto Röth.

Laut der neuen Prognose des VDN könnte der Anteil der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) geförderten Strommengen von etwa 10 Prozent des voll EEG-pflichtigen Letztverbrauchs in diesem Jahr auf über 20 Prozent im Jahr 2012 steigen. “Vor allem der Bau weiterer Erzeugungsanlagen aus dem Biomasse- und Windbereich sorgt für diese Entwicklung”, sagte Röth. Danach werde der Anteil von Biomasse von knapp 10 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) in diesem Jahr auf über 24 Mrd. kWh im Jahr 2012 steigen, schätzt der VDN. Die Strommenge aus Wind werde im selben Zeitraum von etwa 26,5 Mrd. kWh auf 52 Mrd. kWh klettern. Bei der Erzeugung aus Solaranlagen wird eine Verdopplung von 2 Mrd. kWh auf etwa 4 Mrd. kWh erwartet.

Der Ausbau der erneuerbaren Energien stelle die Netzbetreiber jedoch vor erhebliche Probleme: “Neben dem Aufwand für den Ausgleich der teilweise stark schwankenden Einspeisemengen ist der Netzausbau eine besondere Herausforderung. Wenn nicht schnell genug mindestens 850 km neue Höchstspannungs-Leitungen gebaut werden können, die den Windstrom in die Lastzentren transportieren helfen, kann es Probleme mit Versorgungssicherheit, Versorgungsqualität und dem effizienten Einsatz von Investitionsmitteln geben”, erklärte VDN-Präsident Röth. Sowohl der starke Ausbau der regenerativen Anlagen als auch neu geplante Kohle- und Gaskraftwerke verschärfen die Situation. “Die dringend notwendigen Investitionen in neue Kraftwerke erhöhen noch zusätzlich den Druck auf die Netze und deren Ausbau”, so Röth.

Mit der neuen Prognose aktualisiert der VDN seine Erwartungen von November 2005 hinsichtlich der gesamten EEG-Strommenge für die Jahre 2010 und 2011 leicht nach unten. Grund dafür sei der nun erst für das Jahr 2008 erwartete Beginn der Windstromerzeugung vor Deutschlands Küsten. Vor einem Jahr sei mit den ersten Offshore-Anlagen bereits in 2007 gerechnet worden. Die Vergütungszahlungen für EEG-Strom werden für den gesamten Prognosezeitraum allerdings höher angesetzt als noch vor einem Jahr, da für Biomasse und die stark geförderte Solarenergie vom VDN eine schnellere Entwicklung vorhergesagt wird als noch vor einem Jahr. Diese Stromquellen würden einen höheren Anteil im EEG-Strom-Aufkommen erreichen, während der Windanteil zurückgehe.

Durch die noch in diesem Jahr in Kraft tretende Novellierung des EEG wird die Umverteilung der Lasten aus der EEG-Strom-Förderung neu geregelt. Danach werden Industriekunden stärker entlastet als bisher. Für die übrigen Stromkunden soll hingegen der Anteil des EEG-Stroms an ihrem Verbrauch steigen. Diese Quote liegt nach der Prognose des VDN in 2007 bei 13,4 Prozent liegen und steigt bis 2012 auf 20,4 Prozent.
Der Anteil aller erneuerbaren Energien – inklusive der nicht EEG-geförderten Wasserkraftwerke (etwa 17 Mrd. kWh pro Jahr) – am gesamten Stromverbrauch der öffentlichen Versorgung (2012 etwa 503 Mrd. kWh) würde dann 2012 bei etwa 21 Prozent liegen.

Die Entwicklung der EEG-Strommengen und der EEG-Quote für den voll EEG-pflichtigen Letztverbrauch bis 2012 kann auf der VDN-Internetseite unter www.vdn-berlin.de/eeg_mittelfristprognose.asp eingesehen werden.

Source: Verbandes der Netzbetreiber (VDN) vom 2006-10-23.

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