8 September 2008

VDB: “OECD-Experte Tangermann liefert fehlerhafte Studien zu Biokraftstoffen”

Harte Kritik des VDB an den OECD-Experten

“Der Agrarexperte Stefan Tangermann von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) beachtet im Rahmen seiner Untersuchungen zu Biokraftstoffen nach wie vor nicht die weltweit vorhandenen, landwirtschaftlich nutzbaren Flächenpotentiale für die Biomasselieferung. Er kommt deshalb zu dem falschen Ergebnis, dass Biokraftstoffe in großem Umfang für Hunger und steigende Lebensmittelpreise verantwortlich sind”, sagt Johannes Lackmann, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).

Es seien weltweit noch mehrere hundert Millionen Hektar Reserveflächen vorhanden, deren Nutzung nicht zulasten wertvoller Ökosysteme gehe. Derzeit werden nach Angaben der Welternährungsorganisation (FAO) rund 1,5 Milliarden Hektar als Ackerflächen genutzt. Davon nähmen Rohstoffe für die Biokraftstoffproduktion lediglich etwa 30 Millionen Hektar ein, das heißt rund zwei Prozent. “Ein Wissenschaftler, der den Ist-Zustand betrachtet und Aussagen trifft, ohne Ausbauszenarien zu berücksichtigen, arbeitet am Rande der Seriosität. Tangermann sollte noch einmal vernünftig nachrechnen, bevor er den Biokraftstoffproduzenten den weltweiten Hunger und steigende Lebensmittelpreise in die Schuhe schiebt”, sagt Lackmann. “Die Thesen von Tangermann sind schon dadurch widerlegt, dass bei gleich bleibender Nachfrage nach Biokraftstoffen die Preise für Getreide weltweit in den vergangenen Wochen um 40 Prozent gefallen sind. Das zeigt: Es gibt keine Verknappung von Nahrungsmitteln durch Biokraftstoffe.”

Wer langfristig etwas gegen den weltweiten Hunger tun wolle, müsse in die Forschung und Entwicklung in der Agrarwirtschaft investieren. Denn auf dem Land lebe der größte Teil der Hungernden. “Anstatt die Hilfe in diesem entscheidenden Bereich aufzustocken, haben die Staaten der OECD die Unterstützung für den ländlichen Raum um rund 75 Prozent gekürzt. Ob die deutsche Entwicklungshilfe für den ländlichen Raum angestiegen oder gefallen ist, konnte oder wollte uns das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung von Heidemarie Wieczorek-Zeul (BMZ) nicht mitteilen”, sagt Lackmann.

Dagegen engagierten sich verschiedene deutsche Biokraftstoffhersteller in Entwicklungsländern, um eine nachhaltige Produktion von Ölpflanzen wie Jatropha voranzutreiben. Ihre Nutzung bietet erhebliche Chancen für die Biokraftstoffproduktion und schafft neue Einkommensmöglichkeiten für die Landwirte. “Damit leisten die Unternehmen aktive und praktische Unterstützung in den Entwicklungsländern – was das BMZ offenbar vernachlässigt.”

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Source: Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie e.V., Pressemitteilung, 2008-09-08.

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