10 September 2003

USA: Genbäume als Indikatoren für Chemische Angriffe?

Umweltschützer fürchten gefährliche Konsequenzen

Bäume in ihrer unschuldigen Natürlichkeit sind amerikanischen Genforschern mittlerweile nicht mehr genug. Im Rahmen zahlreicher Forschungsprojekte werden inzwischen gentechnisch modifizierte Jungpflanzen frei gesetzt, von denen sich die Wissenschaft schnelleres Wachstum, besseres Holz, Luft reinigende Effekte, unempfindliche Früchte oder gar indikatorische Fähigkeiten bei Bio- oder Chemiewaffenangriffen versprechen.

Was den US-Forschern bei Mais und Soja recht ist, soll nun mit Bäumen billig werden – so könnten schnell wachsende Bäume die erhöhte Nachfrage nach Holz und Papierprodukten befriedigen, den weltweiten Rückgang der Wälder aufhalten oder vermutlich gar die Luftverschmutzung verringern.

Seit 1989 wurden dem US-Landwirtschaftsministerium rund 230 Genexperimente an Bäumen angezeigt, die Hälfte davon seit 2000. Bislang sind die Papayas auf Hawaii aber die einzige Baumart, die zur Vermarktung freigegeben wurden. Alle anderen Arten – wie Pappeln, Eukalyptus- und Apfelbäume oder Kaffeesträucher befinden sich noch in der Versuchsphase.

Genetisches Material aus Viren und Bakterien soll Bäume künftig schneller wachsen und besseres Holz liefern lassen, während Gene z.B. von Quecksilber verzehrenden Bakterien Bäume zu Bodenreinigern machen könnten. Auch zur Verringerung toxischer Chemikalien bei der Papierherstellung werden Fremdgene eingebaut. Widerstandsfähigere Bäume, die kaum noch Pestizide benötigen, werden so immerhin zum realisierbaren Traum jedes Obstbauern.

Einen echten Clou landeten dabei Forscher an der Universität von Colorado, die in diesem Jahr vom Pentagon mit 500.000 US-Dollar für die Entwicklung einer Pinie ausgestattet wurden, die im Fall eines Angriffs mit Bio- oder Chemiewaffen die Farbe wechselt.

Da Umweltschützer allerdings befürchten, dass sich die Züchtungen unkontrolliert mit nicht manipulierten Bäumen kreuzen könnten und die genetische Vielfalt der Wälder so verloren gehen könnte, beabsichtigen die Wissenschaftler, die Designerbäume als sterile Hybriden zu züchten, während indes eingeräumt wird, die Technologie hierfür sei noch nicht ganz ausgereift.

Glück für die Umwelt ist, dass Bäume nicht so schnell wachsen wie Mais oder Soja, so dass Experten in den kommenden fünf bis zehn Jahren außer dem Papayabaum keine Vermarktung weiterer gentechnisch veränderter Bäume erwarten.

(Vgl. Meldung vom 2003-04-03.)

Source: RP Online vom 2003-09-08.

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