26 Januar 2000

US-Landwirtschaftsministerium sieht nur kleinen Markt für Hanfprodukte

Der “Economic Research Service” des Landwirtschaftsministeriums in Washington vertritt die Auffassung, dass Faserhanf niemals mehr als einen “kleinen, dünnen” Markt erobern wird. Für die bis dato in den USA verkauften Hanffasern und -produkte würde der Studie zufolge eine Anbaufläche von weniger als 2.000 acre (1 acre = ca. 0,4 Hektar) ausreichen. Damit stellt die Studie die Forderungen amerikanischer Farmer in Frage, den Anbau von Nutzhanf freizugeben.

Der Economic Research Service sieht für den Hanf insgesamt drei Einsatzmöglichkeiten:

  • Textilien
  • Nahrungsmittel
  • Hanföl

Die Aussichten für Textilien sind nach Ansicht des Landwirtschaftsministerium nur sehr begrenzt. Als Beleg wird die geringe Bedeutung von Flachsfasern in der Textilindustrie genannt. Flachs habe trotz des Fehlens von Anbauverboten keine nennenswerte Marktanteile erobert.

Hanfsamen und Hanfmehl wird lediglich die Besetzung einer kleinen Nische im Lebensmittelsektor zugetraut.

Für Hanföl sehen die Regierungsbeamten keinerlei Zukunftschancen, da die “Food an Drug Administration” Hanföl als Lebensmittel noch nicht offiziell zugelassen habe. Darüber hinaus sei Hanföl weder zum Braten geeignet noch lange genug haltbar.

Die Möglichkeit der Verwendung von Hanffasern in technischen Textilien z.B. für die Automobilindustrie, für Spezialzellstoff, Dämmstoffe oder Geotextilien wurde offenbar nicht untersucht. Dies ist um so erstaunlicher, als dass gerade die Automobil- und Zellstoffindustrie in Europa die wichtigsten Absatzmärkte für Hanffasern sind. Auch die US-Automobilindustrie entdeckt zunehmend Naturfasern (siehe auch Meldung vom 13.-21.01.00). Die kanadischen Hanffarmer sehen die US-amerikanische Automobilindustrie als wichtigen Abnehmer.

Das Infragestellen der Sinnhaftigkeit der Freigabe des Nutzhanfanbau seitens einer Regierungsbehörde überrascht vor dem Hintergrund, dass die USA sich rühmen, die freieste Marktwirtschaft der Welt zu sein. Bei der Entscheidung, ob der Anbau von Nutzhanf freigegeben wird oder nicht, sollte eine evtl. mangelnde kommerzielle Verwertbarkeit keine Rolle spielen. Die Frage, ob der Anbau lukrativ ist oder nicht, wird der Markt beantworten.

Da offizielle Stellen den amerikanischen Farmern regelmäßig vorwerfen, sie wollten Faserhanf anbauen, um die Legalisierung von Marihuna quasi durch die Hintertür zu betreiben, ist das Ergebnis der Studie des Landwirtschaftsministeriums möglicherweise politischer Natur, weil man grundsätzlich gegen die Freigabe des Faserhanfanbaus ist.

Autor: Klaus-Martin Meyer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: The Associated Press, Washington vom 26.01.00.

Source: The Associated Press, Washington vom 26.01.00.

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