15 März 2011

Update des Global Organic Textile Standard

Kernbestimmungen sehen weiterhin generelles Verbot für den Einsatz von GVO und weiteren gefährlichen Substanzen vor

LabelDie International Working Group on Global Organic Textile Standard (GOTS IWG) hat die Version 3.0 ihres weltweit anerkannten Standards für die Verarbeitung von Textilien aus biologisch erzeugten Naturfasern veröffentlicht. Wichtige Änderungen sind z.B. ein Verbot von gesundheitsgefährdenden Veredelungsmethoden für die Arbeiter im Produktionsprozess (wie z.B. das Sandstrahlen von Jeans), die Anforderung, dass der zulässige Polyesteranteil in GOTS-zertifizierten Textilen ab 2014 nur noch aus recyceltem Material bestehen darf, und insgesamt eine breitere Einsatzmöglichkeit von Materialien bei Accessoires. Das generelle Verbot chemischer Ausrüstungsverfahren wurde insoweit gelockert, dass nun Hilfsmittel zulässig sind, sofern Sie den strengen generellen Toxizitätsanforderungen für eingesetzte Chemikalien entsprechen.

Version 3.0 verlangt außerdem ein Umweltmanagement, in welchem Energie- und Wasserverbrauch bezogen auf die hergestellte Menge an Textilien dokumentiert und Verfahren zur Reduzierung des Verbrauchs eingeführt werden müssen, sowie die Einführung eines Managementsystems, um die Einhaltung der Sozialkriterien sicherzustellen. Die Unternehmen haben bis 1. März 2012 Zeit, um die neuen Kriterien vollständig umzusetzen.

“Durch die Neuerungen in Version 3.0 können Hersteller von GOTS zertifizierter Bekleidung und Heimtextilien die Anforderungen der Verbraucher in Bezug auf Funktionalität und Mode nun besser zu erfüllen, müssen aber gleichzeitig in wesentlichen Aspekten strengere Kriterien hinsichtlich Arbeitssicherheit und Umweltschutz einhalten” stellt Marcus Bruegel (Bild), Technischer Direktor des GOTS, fest. “Diese praxisnahen Anforderungen sind so ausgelegt, dass sie auch in der industriellen Großproduktion und damit für Hersteller und Händler auf dem Massenmarkt umgesetzt werden können” so Bruegel weiter.

Die neue Version 3.0 ist das Ergebnis eines eingehenden Revisionsprozesses mit umfangreicher Stakeholder-Beteiligung, in dem Organisationen rund um den Globus mit den unterschiedlichsten Expertisen (ökologische Produktion, Textilverarbeitung, Textilchemie sowie Sozialanforderungen) wertvollen Input leisteten um strenge aber auch überprüf- und realisierbare Umwelt- und Sozialkriterien über die gesamte textile Kette bis hin zum Handel festzulegen.

Der GOTS definiert in seinen Kernbestimmungen weiterhin ein generelles Verbot für den Einsatz von GVO (Gentechnisch veränderte Organismen) und weiteren gefährlichen Substanzen wie Azofarbstoffen oder Formaldehyd. Die Sozialkriterien orientieren sich an den Kernnormen der IAO (Internationalen Arbeiterorganisation) die u.a. Kinderarbeit verbieten und existenzsichernde Löhne fordern. In der Nassveredlung ist ein striktes Abwassermanagement obligatorisch. Für die Labelstufe “organic” müssen mindesten 95%, für die Labelstufe “made with organic” müssen 70 % der Fasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft stammen.

Die Erfolgsgeschichte des GOTS ist überzeugend: Ende 2010 waren bereits rund 1.500 Unternehmen mit insgesamt 2.754 Fertigungsanlagen in 54 Ländern mit dem GOTS Naturtextilstandard zertifiziert. Die Top 20 Länder nach Anzahl der zertifizierten Betriebe sind in absteigender Reihenfolge: Indien, Türkei, China, Pakistan, Südkorea, Japan, Deutschland, Italien, Großbritannien, Bangladesch, Frankreich, Hong Kong, Mauritius, Peru, USA, Niederlande, Sri Lanka, Portugal, Griechenland und Belgien. 2010 kamen erstmals Betriebe aus Finnland, Laos, Litauen, Mazedonien, Schweden und Uganda dazu.

Die seit 2010 öffentlich zugängliche Datenbank zählt schon mehr als 120.000 Suchanfragen. Sie enthält neben ca. 400 Färbereien, mehr als 200 Spinnerein, Strickereien und Weberein und darüber hinaus 140 Druckereien und Konfektionsbetriebe. Mehr als 700 Unternehmen sind als Exporteure und ca. 50 als Importeure tätig. Momentan sind dreizehn unabhängige Zertifizierungsorganisationen für den GOTS zugelassen.

Neben der Datenbank wurde 2010 der GOTS-Informationsfilm gedreht. Dieser dokumentiert die negativen Umwelteinflüsse der konventionellen Textilproduktion und zeigt, wie Unternehmen mit Hilfe einer Zertifizierung nach GOTS diese reduzieren und zudem sozialverträglich produzieren können. Unternehmen, Bildungseinrichtungen und sonstigen Institutionen aus dem Textilsektor steht eine limitierte Auflage zur Verfügung; einzelne Exemplare können hier kostenlos bestellt werden.

Die erste Version des GOTS war 2006 durch die GOTS IWG (International Working Group) veröffentlicht und das GOTS-Label 2008 eingeführt worden. Die Arbeitsgruppe setzt sich aus international führenden Standardorganisationen zusammen: OTA (Organic Trade Association ), USA, IVN (Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft ), Deutschland), Soil Association, Großbritannien und JOCA (Japan Organic Cotton Association), Japan.

Ende 2010 ernannte die IWG die ersten Regionalen Repräsentanten, die in ihrem jeweiligen nationalen Umfeld, jedoch in weltweiter Abstimmung, die Präsenz des GOTS bei Unternehmen und Verbrauchern ausbauen. Bisher sind dies: Yoshiko Ikoma für Japan, Claudia Kersten (Bild) für den deutschsprachigen Raum, Sandra Marquardt für Nordamerika, Christopher Stopes für Großbritannien und Elisabeth Tosti für Skandinavien.

Herbert Ladwig, Koordinator der GOTS International Working Group: “Der Start der Online-Datenbank mit GOTS-zertifizierten Betrieben, die Ernennung der Regionalen Repräsentanten und die Fertigstellung des GOTS-Informationsfilms waren drei wichtige Meilensteine in einem erfolgreichen Jahr 2010. Mit der GOTS-Version 3.0 und der Arbeit unserer Regionalen Repräsentanten erwarten wir nochmal erheblichen Zuwachs.”

Die Einzelhandelsumsätze von Bekleidung und Heimtextilien aus Biobaumwolle beliefen sich 2009 nach Textile Exchange auf geschätzte 3,1 Mrd. Euro.

Source: Bio-Markt.Info, 2011-03-15.

Supplier

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email