21 Juli 2003

Untersuchung der kaskadischen Nutzungsmöglichkeiten von Steinobst-Restmassen im food- und non-food-Bereich

NaWaRo-Cascading für die Wellness-Regio

Kerne

Ausgangslage des Projektes “NaWaRo-Cascading” ist die Tatsache, dass im “Agrarland Österreich” bestimmte Regionen für den Obst- bzw. den Steinobstanbau geradezu prädestiniert sind. Hauptziel des vorliegenden Forschungsvorhabens war die Auslotung von Verwendungsoptionen für Obstkerne als Nebenprodukte aus der Landwirtschaft – “NaWaRo” = nachwachsende Rohstoffe – und die Bereicherung der Produktpalette von Angeboten in und aus der südoststeirischen Thermenregion = “Wellness-Regio”. “Cascading” bedeutet, das Prinzip der “Multifunktionalität”, nämlich die Fähigkeit eines Produktes, mehrere Dienstleistungen zu bieten, intensiv zu verfolgen. Wir haben unsere F&E-Arbeiten auf die Bearbeitung folgender Fragen ausgerichtet:

  • Wie lassen sich Obstkerne von Kirsche, Marille, Pfirich und Zwetschke gewinnen, reinigen, brechen und in verwertbare Komponenten (harte Schale und weicher Kern) auftrennen?

  • Lässt sich aus den Kernen Öl gewinnen, welcher Qualität und wofür ist es geeignet?
  • Welche Bestandteile sind wofür geeignet?
  • Welche Produkte können direkt aus den Kernen bzw. aus dem Öl, dem Presskuchen und aus den harten Schalen hergestellt werden und wie sind die Zukunftsaussichten?

Konkret wurden wichtige Grundlagen zur regionalen Kaskadennutzung von Restmassen der Steinobstfrüchte Pfirsich, Marille, Zwetschke und Kirsche erarbeitet. Besonderer Wert wurde dabei auf die feinstofflichen und funktionellen Qualitäten zur Wertschöpfung im Konditorei-, Lebensmittel-, Kosmetik-, Wellness- und Werkstoffbereich gelegt.

Wir haben im Laufe der Untersuchungs- und Entwicklungsarbeiten eine Vielzahl von realen Produktmöglichkeiten vorgeführt, die nun von den beteiligten Unternehmen aufgegriffen und im Markt etabliert werden können. Beispiele dafür sind Persipan, Cherrypan, Marillopan und Prunipan oder ein Edelkrokant für die Schokalademanufaktur, das aus den Softkernels von Zwetschken oder Kirschen gewonnen wird. Auch eignen sich die nativen frisch gepressten Kernöle hervorragend für die gehobene Küche und Gastronomie.

Diese Öle wie auch der Presskuchen sind ebenso wertvolle Bestandteile im Frische- und Naturkosmetiksektor, wie dieses Projekt eindrucksvoll belegt hat. Schliesslich können selbst die harte Schale der Obstkerne im mikronisierten Zustand als Füllstoff für Polymere und die etwas grobkörnigeren Fraktionen als technische Abrasiva für heikle Oberflächenreinigungen eingesetzt werden, ohne die vorhandene Rauhigkeit der Metalloberfläche zu erhöhen – im Gegenteil: verrusste und verkrustete Aluminiumteile werden damit sogar auf Hochglanz poliert. Als nächster Schritt ist daher die Planung einer Pilot-Anlage in Österreich vorgesehen.

Fasst man die Ergebnisse und die Erfolg versprechenden Anwendungsmöglichkeiten von “NaWaRo-Cascading” zusammen, haben die von uns untersuchten Steinobstfrüchte über den beliebten Fruchtgenuss hinaus Einiges zu bieten: als preiswerte, nachwachsende und nachhaltige Rohstoffe könnten Obstkerne und ihre Bestandteile aufgrund ihrer immanenten Vorteile im Vergleich zu konventionellen Ressourcen ein echter Verkaufshit werden. Denken wir dies weiter, steht am Ende ein Leuchtturm für die “Fabrik der Zukunft”, der aus einem Obstkern gewachsen ist.

alchemia-nova
Institut für innovative Pflanzenforschung

Dipl.-Chem. Hanswerner Mackwitz (Vorstand, Univ.-Lektor)
Obere Viaduktgasse 2 Top 24
A-1030 Wien
Tel.: +43-(1)966 1000 / +43-(1)810 1000
Fax: +43-(1)810 1010
E-Mail: [email protected]
Internet: www.alchemia-nova.net

(Vgl. Meldung vom 2002-01-08.)

Source: Kurzfassung eines Forschungsprojektes im Rahmen der "Fabrik der Zukunft" (bmvit) durchgeführt von alchemia-nova - Institut für innovative Pflanzenforschung, Wien vom 2003-07-21.

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