16 März 2017

Unterricht auf hoher See – One Earth – One Ocean e.V. kooperiert mit OceanCollege

Umweltorganisation OEOO wird mit den Schülern an Bord ein Umwelt-Forschungsprojekt zum Thema Mikroplastik durchführen

Die gemeinnützige Umweltorganisation One Earth – One Ocean e.V. (OEOO) aus München kooperiert in diesem Jahr mit dem Schulprojekt OceanCollege, bei dem Schüler ein halbes Jahr auf einem Traditionssegelschiff reisen und dabei nicht nur in ihren Schulfächern unterrichtet werden, sondern auch zahlreiche zusätzliche Angebote wahrnehmen können.

Mikrobiologe Dr. Rüdiger Stöhr von der Umweltorganisation OEOO wird mit den Schülern an Bord ein Umwelt-Forschungsprojekt zum Thema Mikroplastik durchführen. Der Wissenschaftler und Berufsschullehrer für Biotechnologie und Biologie ist Projektleiter der ‘Microplastic Pollution Map von OEOO, einer Weltkarte, auf der Art und Umfang von Verschmutzung der Meere durch Mikroplastik dokumentiert werden. OEOO engagiert sich seit Jahren in diesem Bereich, um auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Kunststoffe bestimmen heute unseren Alltag und sind fast überall anzutreffen. Das gilt leider inzwischen auch für die Natur. Kunststoffe werden weltweit nach Gebrauch in großen Mengen achtlos weggeworfen und landen so oft in den Meeren. Schätzungen gehen von 140 Mio. Tonnen bereits eingetragenem Kunststoffmüll aus, jedes Jahr kommen derzeit weitere 8 Mio. Tonnen dazu.

Nach einer Studie der UN werden sich bis zum Jahr 2050 mehr Plastikteile als Fische in den Gewässern weltweit befinden. Der Plastikmüll hat nicht nur drastische Auswirkungen auf Meerestiere, die das Plastik für Nahrung halten und daran verenden oder sich in Kunststoffnetzen bzw. Leinen strangulieren. Durch seine hohe Haltbarkeit von bis zu 450 Jahren verschwindet der Kunststoff nicht einfach, sondern wird durch mechanische Kräfte und UV-Bestrahlung zu so genanntem Mikroplastik (Partikelgröße unter 5 mm) zerkleinert. An diesen Teilchen reichern sich Giftstoffe an und sie gelangen in den Nahrungskreislauf. Damit schadet Plastik in den Ozeanen nicht nur dem fragilen Ökosystem, sondern insbesondere auch uns Menschen. Um einen Beitrag zur Erforschung der mittel- bis langfristigen Auswirkungen des Mikroplastiks auf Mensch und Tier zu leisten, engagiert sich OEOO seit Jahren beim Aufbau einer weltweiten Datenbank zu den Verschmutzungsgraden in den Weltmeeren.

Nun bietet sich die Gelegenheit, das Forschungsprojekt gemeinsam mit den Schülern des OceanCollege wissenschaftlich voranzutreiben und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich aktiv in die wissenschaftliche Arbeit des Mikroplastik-Projektes einzubringen und sich mit der Kunststoffproblematik auseinanderzusetzen. Die Schüler werden selbst Wasserproben nehmen, diese für die Analyse aufbereiten und die Rahmendaten von Probennahmen und Aufarbeitung dokumentieren. Die auf Filtern konzentrierten Mikroplastikteilchen werden mikroskopisch begutachtet und mit einem FTIR-Spektrometer auf ihre chemische Zusammensetzung hin analysiert. Die Ergebnisse fließen dann in die OEOO-Datenbank ein und stehen der Öffentlichkeit auf einer interaktiven Weltkarte auf der Homepage von One Earth – One Ocean zur Verfügung. Die Schüler leisten damit einen unmittelbaren Beitrag zur Erstellung einer „Plastik-Müll Weltkarte“.

Die Reise von OceanCollege, die im Oktober 2017 startet, führt entlang der Westküste Europas zu den kanarischen Inseln und weiter über den Atlantik bis in die Karibik und nach Mittelamerika. Auf dem Rückweg passiert das Schiff die Bahamas, die Azoren und Irland. Landaufenthalte und -projekte sind unter anderem auf Teneriffa, in Costa Rica, in Mexiko, auf Kuba und in Irland geplant. OEOO wird das Schülerprojekt von Lissabon bis zu den Kanaren begleiten und währenddessen mit den Schülern an Bord verschiedene Projekte zur Mikroplastikverteilung im Ozean durchführen. Auch nach Abschluss des eigentlichen Projekts mit der unmittelbaren Analyse der Wasserproben durch den FTIR Spektrometer an Bord sammeln die Schüler weiterhin Wasserproben und bereiten diese für die Analyse nach Abschluss der Reise durch OEOO vor.

Geleitet wird das Projekt an Bord von Dr. Rüdiger Stöhr, der bei OEOO die Mikroplastik-Analytik etablierte und das Mikroplastikprojekt leitet. Er ist Mikrobiologe und Berufschullehrer für Biotechnologie und Biologie. OEOO kooperiert seit Anfang 2013 mit der Container-Linienreederei OPDR aus Hamburg, deren Schiffe feste Routen zwischen Nordeuropa und Afrika befahren. Dabei werden regelmäßig Wasserproben der Nordsee, des Atlantiks und des Mittelmeers gesammelt. OEOO bestimmt dann die Kunststoffgehalte mit einem durch die Röchling Stiftung gespendeten FTIR–Spektrometer. So werden Art, Menge und Identität des Mikroplastiks analysiert.

„Schule unter Segeln“ – OceanCollege

Nach Ansicht der Organisation OceanCollege bereitet das herkömmliche Bildungssystem in Deutschland Schüler nicht ausreichend auf das Berufsleben vor. So fehlen grundlegende Kenntnisse über die eigene Persönlichkeit, den Umgang mit Konflikten oder wirtschaftliche Zusammenhänge. OceanCollege bietet den Teilnehmern des Projekts deshalb sechs Monate „Schule unter Segeln“: Schüler leben in diesem Zeitraum auf einem traditionellen Segelschiff und werden entsprechend der Reiseroute in ihren schulischen Kernfächern unterrichtet. Neben der Mitarbeit auf dem Schiff und dem Unterricht bieten sich Forschungsprojekte, Arbeitseinsätze und Exkursionen. Die operative Durchführung von OceanCollege geschieht unter der Leitung ausgebildeter Lehrer an Bord sowie der Stammbesatzung des Segelschiffs, die auch für die nautische Ausbildung und zusammen mit der Projektleitung für die Organisation des Bordlebens zuständig ist. Übrigens läuft unter https://www.startnext.com/oceancollege derzeit eine Crowdfunding-Kampagne, mit deren Hilfe die Teilnahme für einen Schüler oder eine Schülerin finanziert werden soll, deren Eltern nicht in der Lage sind, das Geld für die halbjährige Reise aufzubringen. Weitere Informationen zu OceanCollege unter http://oceancollege.eu.

„Für uns ist die Erforschung des Problems Mikroplastik von zentraler Bedeutung. Das möchten wir auch an die junge Generation weitergeben“, kommentiert Dr. Rüdiger Stöhr das Projekt mit den Schülern. „Die gemeinsam erzielten Ergebnisse sollen dazu beitragen, die Größenordnung des Problems seriös einzuschätzen und so die Dringlichkeit von Lösungswegen national und international einzufordern.“

 

Über One Earth – One Ocean e.V.

Die Umweltorganisation One Earth – One Ocean mit Sitz in München Garching hat das Ziel, Gewässer vom Plastmüll, aber auch Öl und Schadstoffen zu befreien. Bereits heute schwimmen auf den Weltmeeren riesige Teppiche aus Plastikmüll, der größte davon im Pazifik ist so groß wie Mitteleuropa, d.h. wie Deutschland, Österreich, Schweiz, Polen, Luxemburg, Ungarn und Tschechien zusammen. Schreitet die Verschmutzung im derzeitigen Tempo weiter voran, werden die Meere in wenigen Jahren vollständig vermüllt sein.

Gründer von One Earth – One Ocean (OEOO) ist Günther Bonin, 60, ehemals Inhaber einer IT-Firma und passionierter Segler. Seine Vision der „maritimen Müllabfuhr“ gliedert sich in mehrere Stufen: In einem ersten Schritt wird der Plastikmüll mit speziell von ihm entwickelten Geräten auf den Meeren eingesammelt, sortiert und zerkleinert. Trennung und Recycling des Mülls erfolgt an Land. In einer späteren Phase soll das gesammelte Plastik direkt an Bord von Tankern in Öl rückverwandelt werden. Aus einer Tonne Plastik lassen sich ca. 900 Liter Öl rückgewinnen. Seit 2015 hat Bonin sein IT-Unternehmen umgewidmet in eine AG zur Reinigung von Gewässern, um den Verein administrativ zu unterstützen.

Was wie die Utopie eines Idealisten klingt, nimmt mittlerweile konkrete Formen an. Mehr als 100 Unternehmen und Privatpersonen, darunter die Röchling Stiftung und die Deutsche Telekom AG, unterstützen das Projekt in unterschiedlicher Weise. Auch Thomas Hahn, der bei BMW Oracle das Siegerschiff des America’s Cup mitkonstruierte, unterstützt OEOO bei der Entwicklung der Müllschlucker-Schiffe. Im Frühjahr 2017 wird die erste SEEKUH ihre Arbeit aufnehmen.

2013 wurde One Earth – One Ocean e.V. für sein Konzept der Maritimen Müllabfuhr mit dem renommierten GreenTec Award 2013, Europas größtem Umwelt- und Wirtschaftspreis, ausgezeichnet. 2016 folgte die Nominierung für den Bundespreis ecodesign, der höchsten Auszeichnung für ökologisches Design in Deutschland.

Source: One Earth - One Ocean, Pressemitteilung, 2017-03-06.

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