20 November 2007

Uni und FH Bielefeld bauen “Biogastechnikum”

Hochschulen vereinbaren Kooperation mit Stadtwerken und Anlagenbauer

Am 19. November 2007, haben die Universität Bielefeld, die Fachhochschule Bielefeld, die Stadtwerke Bielefeld und die Firma Biogas Nord AG eine Kooperationsvereinbarung zum Aufbau und Betrieb einer Forschungsanlage “Biogastechnikum” unterzeichnet und damit eine starke regionale Partnerschaft im Bereich der Bioenergieforschung gestartet.

newsimage.jpegAngesichts der Verknappung von fossilen Energieressourcen sowie der sich abzeichnenden dramatischen Entwicklungen auf dem Gebiet des Klimawandels kommt alternativen Formen der Energieerzeugung eine entscheidende Bedeutung zu. Im Fokus von weltweiter Forschung steht dabei die Optimierung der Umwandlung von Energie aus Sonnenlicht über die Produktion von pflanzlicher Biomasse in verwertbare und lagerbare Treibstoffe (Bioenergie).

Mit der Unterzeichung der Kooperationsvereinbarung zwischen der Universität, der Fachhochschule sowie den Unternehmen Biogas Nord AG und den Stadtwerken Bielefeld ist nun ein wichtiger weiterer Schritt zur Etablierung der Bioenergieforschung am Hochschulstandort Bielefeld vollzogen worden. Der Schwerpunkt der gemeinsamen Forschungsanstrengungen wird auf dem Bereich “Biomethangas aus pflanzlichen Rohstoffen” liegen. Diese Art der Bioenergiegewinnung wird in Deutschland zunehmend bedeutender. Jüngste Prognosen sagen voraus, dass ein erheblicher Teil des Erdgasbedarfs in Europa in der Zukunft über Biogas abgedeckt werden kann. Der Forschungsbedarf auf diesem Sektor ist jedoch erheblich und das Potential für Verbesserungen sehr hoch.

Die Forschungs- und Entwicklungskooperation sieht vor, dass die Stadtwerke Bielefeld im Rahmen ihres strategischen Energiekonzeptes für Bielefeld mit Hilfe der Biogas Nord AG eine Biogasanlage errichten und betreiben, die umfangreich zu Forschungszwecken genutzt werden kann. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von Universität und Fachhochschule erhalten die Möglichkeit, an dieser modernen Großanlage neuartige technische oder biochemische Forschungsansätze zu erproben. Damit wird eine innovative Form von Forschung bei gleichzeitiger wirtschaftlicher Nutzung realisiert. An den Forschungsaktivitäten ist ein breites interdisziplinäres Team von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Centrums für Biotechnologie (CeBiTec) der Universität Bielefeld – insbesondere aus den Instituten für Genomforschung und Systembiologie sowie für Biochemie und Biotechnologie – und dem Bereich der “Apparativen Biotechnologie” der Fachhochschule Bielefeld beteiligt.

“Es bietet sich mit dieser Kooperation die Möglichkeit, den innovativen Zukunftssektor der Bioenergieforschung in Bielefeld weiter auszubauen und in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule, den Stadtwerken und dem Anlagenbauer Biogas Nord das Thema Bioenergie als herausragendes Forschungssegment in der Region OWL zu etablieren”, betont der Kanzler der Universität Bielefeld, Hans-Jürgen Simm anlässlich der Gründungsveranstaltung des Bioenergie-Konsortiums in den Räumen des CeBiTec. Und der Koordinator der Initiative, Professor Dr. Olaf Kruse, ergänzt: “Wir erhalten damit beste Möglichkeiten, um unsere Forschungsaktivitäten auf höchstem Niveau voranzutreiben – damit werden Universität und Fachhochschule für gute Studierende, für wissenschaftlichen Nachwuchs und für Forscher noch interessanter.” Kruse ist Professor für Algen-Biotechnolgie an der Universität.

Die Geschäftsführer der Stadtwerke Bielefeld, Wolfgang Brinkmann und Friedhelm Rieke freuen sich, die Universität beim Ausbau des zukunftsweisenden Forschungsschwerpunktes Bioenergieforschung unterstützen zu können: “Mit dem Bau einer Biogasanlage leisten wir einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz hier in Bielefeld und schaffen durch die Kooperation mit den Hochschulen gleichzeitig die Basis für die weitere Optimierung dieser Technologie. Wir wünschen den beteiligten Hochschulen viel Erfolg bei der Forschung und freuen uns, bei der Optimierung des Anlagenbetriebes unter ökonomischen und ökologischen Gesichtspunkten mitzuwirken. Neben den Forschungsaktivitäten stehen für die Stadtwerke natürlich die Gesamtwirtschaftlichkeit der Anlage und deren Betriebssicherheit im Vordergrund.”

Der Beitrag der Ingenieurwissenschaften der FH Bielefeld konzentriert sich auf die Forschung und Entwicklung industrieller Anlagen zur Erzeugung von Biomethangas aus pflanzlichen Rohstoffen. Insbesondere zur Entwicklung funktionsfähiger Werkzeuge und Komponenten zur vollautomatischen Prozessführung ist ein Biogastechnikum unverzichtbar. “Bereits in der Planungsphase werden die Ingenieurwissenschaftler der Fachhochschule Bielefeld ihre Fachkompetenz einbringen und so dazu beitragen,” so Dekan Bernd-Josef Schumacher vom Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik, “in Bielefeld für die Bioenergieforschung eine Führungsposition zu schaffen.”

Für den Bielefelder Biogasanlagenhersteller Biogas Nord ist die Beteiligung an dem gemeinsamen Forschungsprojekt die konsequente Fortführung der eigenen Technologieentwicklung. “Innerhalb der Erneuerbaren Energien birgt der Bereich Bioenergie das größte Innovationspotenzial”, erklärt Gerrit Holz, Vorstandsvorsitzender der Biogas Nord AG. “Für uns als einen der führenden Biogasanlagenhersteller ist die Kooperation mit Wissenschaft und Forschung ein idealer Weg, um die Biogastechnologie weiter voranzutreiben – schließlich ist Deutschland auf diesem Gebiet Weltmarktführer”, ergänzt Holz.

(Vgl. Meldung vom 2007-11-05.)

Source: Universität Bielefeld, Pressemitteilung, 2007-11-19.

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