15 November 2007

Ungarn: Biogas aus Nebenprodukten versorgt Zuckerfabrik

Vergärung von Rübenschnitzeln und Rübenkraut deckt 40% des Eigenenergiebedarfs

Der internationale Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana errichtete 2007 am Standort der ungarischen Zuckerfabrik Kaposvár eine in der europäischen Zuckerindustrie bisher einzigartige großtechnische Biogasanlage. Das Investitionsvolumen betrug 1,7 Milliarden HUF, umgerechnet rund 6,8 Millionen Euro.

Wenige Tage nach dem Start der diesjährigen Zuckerrübenkampagne im Oktober nahm die Biogasanlage nach siebenmonatiger Bauzeit ihren Betrieb auf. Die Anlage wird direkt mit den bei der Zuckerrübenverarbeitung anfallenden Rübenpressschnitzeln gespeist. Diese organischen Nebenprodukte (Rübenschnitzel und Rübenkraut) decken nunmehr einen wesentlichen Teil des Energieverbrauchs der Zuckerfabrik. Die energetische Nebenproduktverwertung in einer Biogasanlage stellt in Zeiten steigender Energiepreise und schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen für die Zuckerindustrie innerhalb der EU eine zukunftsweisende Technik und eine Alternative zur herkömmlichen Energieversorgung mittels Erdgas dar.

Energie-Autarkie ähnlich wie bei Zuckerrohrfabriken
“Die Biogasanlage in Kaposvár ist ein wichtiges Beispiel, wie durch entsprechendes Know how die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Zuckerindustrie verbessert werden kann”, sagte Agrana-Vorstandsvorsitzender Johann Marihart anlässlich der Eröffnung der neuen Anlage in Kaposvár. Denn durch die Biogastechnologie wird bei der Verarbeitung von Zuckerrüben eine ähnliche Autarkie in der Energieversorgung wie bei Zuckerrohrfabriken geschaffen. Das abgepresste Zuckerrohr (Bagasse) ist der Energielieferant für die Rohrzuckerfabriken. Die in der Biogasanlage angewendete Anaerobfermentation der Rübenpressschnitzel schafft ein ähnliches Energieäquivalent in Rübenzuckerfabriken.

Da Biogas aus Rübenpressschnitzeln fossile Energie ersetzt, verbessert sich auch die CO2-Bilanz der Zuckergewinnung in Kaposvár erheblich. Etwa 860 Tonnen Rübenpressschnitzel gelangen täglich in den Fermentationsprozess der Anlage, das entspricht ungefähr der Hälfte der täglich anfallenden Rübenschnitzelmenge. Die daraus gewonnene Biogasmenge beträgt 110.000m3/Tag. In den bestehenden Kesselanlagen der Zuckerfabrik wird dieses Biogas zur thermischen Energiegewinnung während der Kampagne eingesetzt.

Der Energieträger Biogas enthält im Vergleich zu Erdgas (96% Methan) rund 55% Methan. Somit ergibt sich für die Zuckerfabrik Kaposvár ein Erdgasäquivalent von rund 60.000m3/Tag, was rund 40% des täglichen Erdgasbedarfs entspricht. Diese Menge an fossilen Energieträgern wird somit eingespart und damit etwa insgesamt 10.000 Tonnen CO2-Emissionen während der Kampagne vermieden. In einer nächsten Ausbaustufe sind 75%-Ergasersatz geplant.

Pressemitteilung als PDF-Dokument

Source: Agrana, Pressemitteilung, 2007-11-15.

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