9 November 2005

Unfall in Biogas-Anlage: Drei Tote und zwei Schwerverletzte

Durch einen Tank-Unfall in einer niedersächsischen Biogasanlage starben drei Mitarbeiter. Mehrere Menschen, darunter zehn Feuerwehrleute, wurden verletzt.

Wie die Polizei mitteilte, erlag in der vergangenen Nacht eine zunächst kritisch verletzte 32 Jahre alte Mitarbeiterin des Betriebs ihren lebensgefährlichen Verletzungen. Am Dienstag morgen waren ihr 30 Jahre alter Bruder sowie der 43 Jahre alte Betriebsleiter der Anlage durch Methangas getötet worden. Zwei weitere Personen liegen noch immer mit lebensgefährlichen Verletzungen im Krankenhaus.

Der Sprecher des Gewerbeaufsichtsamts Cuxhaven vermutet, dass beim Entleeren eines Tanklasterst eine Schwefelwasserstoffwolke in ungewöhnlich hoher Konzentration freigeworden ist: “Wer das zwei Mal einatmet, hat keine Überlebenschance mehr”.

Noch am Tag nach dem Unfall war nach Polizeiangaben die Gaskonzentration in der Betriebshalle noch so hoch, dass die Biogasanlage nicht betreten werden konnte. “Es handelt sich immer noch um eine tödliche Konzentration”, so Polizeisprecher Detlef Kaldinski.

Fahrer konnte sich noch ins Freie schleppen

Das Tankfahrzeug lieferte Schlachtabfälle aus den Niederlanden an. Die private Biogasanlage in Rhadereistedt verarbeitet Bioabfälle aus der Landwirtschaft und privaten Haushalten sowie Produktionsreste aus der Lebensmittelindustrie und flüssige Schlachtabfälle.

Der 25 Jahre alte Fahrer konnte sich noch ins Freie retten. Der Betriebsleiter und der 30jährige starben in der Halle. Beim Bergen der Opfer erlitten zehn Feuerwehrleute Hautreizungen.

Spezialisten der Hamburger Berufsfeuerwehr fanden in der Halle extrem hohe Werte an Schwefelwasserstoff sowie eine überhöhte Konzentration von Ammoniak und Kohlendioxid. Auch über Nacht wurde die Halle belüftet, um die Gaskonzentration zu senken.

Biogas für Heizkraftwerke

Die Anlage selbst wurde heruntergefahren. Die biologische Reaktion in den Gärtürmen geht nach Unternehmensangaben aber nur langsam zurück.

Das produzierte Methangas wird in Blockheizkraftwerken mit einer Gesamtleistung von 800 Megawatt in Wärme und Strom verwandelt. Der Bau der Anlage hatte 1999 begonnen. Sie gilt als bundesweites Pilotprojekt.

Source: Die Welt vom 2005-11-09.

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