23 September 2008

Unabhängiges Qualitätszeichen für Naturmode

G.O.T.S.-Label steht für die Erfüllung des weltweit gültigen Global Organic Textile Standard

Ab sofort gibt es ein neues Label für Mode aus Naturfasern, die vom Anbau über die Verarbeitung und Konfektion bis hin zur Verpackung unter Berücksichtigung ökologischer und sozialer Kriterien erzeugt wurde. Das neue G.O.T.S.-Label, das vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft e.V. (IVN) federführend mitentwickelt wurde, steht für die Erfüllung des weltweit gültigen Global Organic Textile Standard. Das bedeutet: Bekleidung, aber auch Garne und Heimtextilien, sind aus natürlichen Bio-Rohstoffen wie Baumwolle, Wolle, Seide, Hanf oder Leinen. Die Textilien werden mit Hilfe von natürlichen oder synthetischen Farben, Ausrüstungsstoffen und Hilfsmitteln gefertigt, die keine Umwelt- und Gesundheitsgefährdung mit sich bringen. Die Erzeugnisse stehen auch für eine sozial verträgliche Textilfertigung in den Erzeugerländern, die gerade im Textilbereich nicht üblich ist.

Zwar kennzeichnen immer mehr Modehäuser ihre Bekleidung mit Bio- und Naturlabeln. Meist handelt es sich dabei aber um Textilien, die zwar aus Bio-Baumwolle sind, die ansonsten aber mit den üblichen Textilchemikalien gefertigt wurden. Oder es findet lediglich eine reine Schadstoffprüfung am Endprodukt statt, die aber nichts über den Herstellungsprozess und die eingesetzten Materialien aussagt. Das neue G.O.T.S.-Label, mit dem ab August 2008 die ersten Textilien gekennzeichnet sein können, steht hingegen für die Kontrolle der gesamten textilen Kette. Neben dem IVN gehören die britische Soil Association (SA), die US-amerikanische Organic Trade Association (OTA) und die Japan Organic Cotton Association (JOCA) zu der internationalen Arbeitsgruppe, die den G.O.T.S.-Standard entwickelt hat.

Bis zu 95 Prozent Bio
Unterschieden werden zwei Stufen. G.O.T.S.-Textilien, die mit dem Hinweis “ökologisch” oder “ökologisch – in Umstellung” gelabelt, beworben oder vertrieben werden, müssen zu mindestens 95 Prozent aus Fasern aus kontrolliert biologischem Anbau (kbA) bzw. kontrolliert biologischer Tierhaltung (kbT) bestehen. Der Restanteil können auch konventionelle Fasern sein, jedoch nicht desselben Rohmaterials. Auch synthetische Fasern wie Polyester, Polyamid und Elasthan sowie regenerierte Fasern wie Viskose, Acetat, Tencel und Lyocell sind als Restanteil, etwa zur besseren Formgebung oder bei Funktionskleidung, erlaubt.

Das G.O.T.S.-Label mit der Aufschrift “x % kbA/kbT” oder “x % kbA/kbT” in Umstellung” steht für Textilien mit einem Anteil von mindestens 70 Prozent Fasern aus kontrolliert biologischer Erzeugung. Zur Behandlung der Garne und Stoffe sind vor allem natürliche Substanzen wie etwa Schlichtemittel auf der Basis von Stärke und Bleichmittel auf Sauerstoffbasis gestattet. Gefärbt werden darf mit natürlichen oder synthetischen Farb- und Hilfsstoffen, die weder krebserregend, fruchtschädigend noch allergisierend sind. Tabu sind zudem Chlorbleiche, toxische Schwermetalle, Formaldehyd und damit verwandte Stoffe zum Knitterfreimachen von Gewebe. Untersagt ist auch der Einsatz von gentechnisch veränderten Enzymen selbst oder Substanzen, die mithilfe der Gentechnik erzeugt wurden. Als Ausrüstungsverfahren sind allein mechanische, thermische und andere physikalischen Verfahren erlaubt.

Die Einhaltung der G.O.T.S.-Kriterien wird regelmäßig überprüft. Die nach G.O.T.S. zertifizierten Betriebe, Importeure und Exporteure werden einmal jährlich von einem anerkannten, akkreditierten Prüfinstitut inspiziert. Jeder Lizenznehmer muss zudem Rückstandskontrolldaten vorweisen können, um sicher zu stellen, dass die Bekleidung frei von Rückständen wie Pflanzenschutzmitteln, Formaldehyd und Schwermetallen ist, die unbeabsichtigt durch Fremdkontamination auf die Bekleidung gelangen können.

G.O.T.S. auch bei C&A
Rund 1.000 Betriebe wurden bereits nach G.O.T.S.-Standard inspiziert und zertifiziert. Darunter sind alle Unternehmen, die bereits seit längerem nach IVN-Kriterien anerkannt sind und Bekleidung und Textilien mit dem Vorgängerzeichen “Naturtextil – IVN BETTER zertifiziert” labeln. Dies wurde dem neuen G.O.T.S.-Standard gleich gesetzt. Unternehmen oder Produkte, die bislang mit “Naturtextil IVN BEST” (derzeit maximaler, realisierbarer Standard) ausgezeichnet waren, behalten dieses Zeichen bei oder können auch wahlweise das G.O.T.S.-Label nutzen.

Des weiteren haben weltweit tätige Unternehmen wie der größte US-Einzelhändler Wal-Mart, das deutsche Modehaus C&A und der britische Anbieter Tesco einen Teil ihrer Lieferanten verpflichtet, Bekleidung nach G.O.T.S.-Standard zu produzieren.

Kontakt:
Internationaler Verband der Naturtextilwirtschaft e.V.
Haußmannstraße 1, 70188 Stuttgart

Office:
Bergstrasse 19, 55278 Selzen
Fon: +49 (0) 6737 / 712 08 02
Fax: + 49 (0) 6737 / 712 08 03
info@naturtextil.com
http://www.naturtextil.com

http://www.global-standard.org

Source: eco-info 11/2008 2008-09-22.

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