22 April 2004

Umweltministerin Bärbel Höhn: Erste große Holzpellet-Produktionsanlage in Nordrhein-Westfalen eröffnet

Power Pellets kommen jetzt auch aus dem Sauerland

Knapp ein Jahr nach der Grundsteinlegung nahm heute Umweltministerin Bärbel Höhn die erste große Holzpellet-Produktionsanlage in Betrieb. Im sauerländischen Bremke bei Eslohe produziert die Firma Baust nun rund 10.000 Tonnen Holzpellets jährlich. Damit können fast 2.000 Haushalte mit dem Zukunftsbrennstoff versorgt werden.

Umweltministerin Bärbel Höhn: “Die Verfügbarkeit von Rohöl und Ergas wird in etwa dreißig Jahren sehr stark abfallen und in fünfzig Jahren nahezu auf null sinken. Die Wende hin zu anderen Energieträgern muss bereits heute erfolgen, damit sie rechtzeitig den Wegfall von Öl und Gas auffangen kann. Die Investition, die die Firma Baust hier getätigt hat, ist also eine Investition in die Zukunft. Gleichzeitig werden Arbeitsplätze in der Region gesichert. Denn wenn Holz das Heizen mit Öl ersetzt, entstehen dabei fünf neue Arbeitsplätze in Deutschland. Im Gegenzug fällt hier nur ein Arbeitsplatz für die Verteilung von Öl weg, da der überwiegende Teil der Jobs im Bereich Öl im Ausland liegt. Auch von den Energieerlösen fossiler Brennstoffe bleiben nur etwa zwanzig Prozent in der Region und 80 Prozent des Geldes fließt ins Ausland ab. Bei dem energetischen Einsatz von Holz können wir dieses Verhältnis umkehren und zugleich den ländlichen Raum stärken, in dem in NRW immerhin sechs Millionen Menschen leben.”

Die im eigenen Sägebetrieb der Firma Baust anfallenden rindenfreien Sägespäne werden getrocknet, zerkleinert und dann unter hohem Druck durch eine Ringmatritze gepresst. Durch die beim Pressvorgang entstandene Wärme tritt das im Holz enthaltene Lignin hervor und verklebt so die Späne zu Pellets. Den sechs Millimeter starken und zehn bis zwanzig Millimeter langen Holzstäbchen müssen daher keine zusätzlichen chemischen Binde- und Klebstoffe zugefügt werden. Angeliefert werden die Pellets beim Endverbraucher, ähnlich wie Heizöl mit einem Silofahrzeug, das die Pellets staubfrei und sauber in den Keller einbläst. Die Brennstoffversorgung des Heizkessels erfolgt vollautomatisch. Geringe Emissionen und hohe Wirkungsgrade machen diese Anlagen sehr umweltfreundlich.

“In unserer neu errichteten Pelletieranlage produzieren wir DIN plus zertifizierte Pellets. Unser Ziel ist es, unsere Kunden durch die einwandfreie und hochwertige Qualität der Pellets von Anfang an zu überzeugen”, so Geschäftsführer Josef Baust.

Der Sauerländer Unternehmer betreibt bereits seit acht Jahren ein Biomassekraftwerk zur Produktion von Strom und Wärme. Mit dieser Wärme werden die Späne vorgetrocknet, die den Grundstoff für die Holzpelletproduktion bilden. Das Land NRW hat den Aufbau der Produktionsanlage im Rahmen der Holzabsatzförderrichtlinie (HAFÖ) mit 35 Prozent Investitionszuschuss gefördert. Auch Hausbesitzer, die sich zur Umstellung auf das Heizen mit Pellets entschließt, können mit Unterstützung rechnen: Bund und Land fördern den Einbau der Heizanlagen mit insgesamt über 3.000 Euro. Größere Anlagen werden entsprechend höher bezuschusst. Vor der Anlage der Firma Baust gab es in NRW nur eine kleinere Holzpelletproduktion mit einer Kapazität von 1.000 Tonnen pro Jahr.

Die Nachfrage nach der neuen Holzpellets-Technologie nimmt in Deutschland kräftig zu. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 6.000 neue Pelletanlagen in Betrieb genommen. Allein in NRW müssen auf Grund der neuen Energieeinsparverordnung in den nächsten drei Jahren 500.000 veraltete Heizungsanlagen ausgetauscht werden. Aus diesem Grunde startete Umweltministerin Bärbel Höhn zusammen mit der Landesinitiative Zukunftsenergien NRW und in Kooperation mit der Energieagentur NRW im letzten Jahr die Aktion Holzpellets. Sie soll der umweltfreundlichen Heiztechnik gemeinsam mit Herstellern, Fachbetrieben, Institutionen und Verbänden zum Durchbruch verhelfen. Mit der landesweiten Werbekampagne wird diese technisch ausgereifte Alternative des Heizens in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt.

Umweltministerin Bärbel Höhn: “Das Beispiel Holzpellets beweist, dass Umweltschutz kein unbezahlbarer Luxus ist, sondern dass er wirtschaftlich vernünftig ist, wenn er von vielen Menschen mitgetragen wird.”

Interessierte Hausbesitzer bekommen weitere Informationen zum Thema Heizen mit Holz im Internet unter www.aktion-holzpellets.de oder telefonisch unter 0211 – 45 66 666.

Source: Pressemitteilung des Ministeriums für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (MUNLV) NRW vom 2004-04-22.

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