20 Januar 2006

Umweltminister Wilhelm Dietzel: Synthetischer Kraftstoff aus Biomasse ist eine große Chance für Hessens Forst- und Landwirtschaft

“Die heutige Unterzeichnung der SunFuel-Kooperation mit der Volkswagen AG ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Nutzung von Biomasse in Hessen.

Das Land Hessen hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil erneuerbarer Energien am Endenergieverbrauch bis zum Jahr 2015 auf 15 Prozent zu steigern. Dabei liegen die größten noch wenig erschlossenen Potenziale im Bereich der land- und forstwirtschaftlichen Biomasse”, sagte Umweltminister Wilhelm Dietzel heute in Witzenhausen.

Partner der SunFuel-Kooperation sind neben der Volkswagen AG, den Ländern Brandenburg und Niedersachsen jetzt auch Hessen. Mit der SunFuel-Kooperation haben die Partner eine wissenschaftlich technische Zusammenarbeit zur Entwicklung und Einführung einer Technologie zur synthetischen Herstellung von Kraftstoffen aus Biomasse vereinbart.

“Biogene Kraftstoffe, erzeugt auf der Basis von Biorohstoffen aus Hessen, sind ein wichtiges Zukunftsprojekt. Mit der Volkswagen AG haben wir einen Partner gefunden, der Kraftstoff aus Biomasse in seine Kraftstoffstrategie aufgenommen hat und ihn marktfähig machen kann. Das ist eine große Chance. Ich bin fest davon überzeugt, dass der synthetische Kraftstoff “Sunfuel”, erzeugt auf der Basis von Biomasse, zukünftig neben den bereits heute eingesetzten Biokraftstoffen wie Biodiesel eine wachsende Rolle spielen wird”, betonte Dietzel.

Das Marktpotential von synthetischem Kraftstoff wird für das Jahr 2020 auf 4 bis 8 Prozent am gesamten Kraftstoffmarkt geschätzt. Bis dahin sind noch umfangreiche Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowohl bei der Anlagen- und Prozesstechnik als auch bei den Verfahren zur kostengünstigen und umweltverträglichen Biomasseproduktion und -bereitstellung zu leisten.

“Das ist eine Herausforderung für die Land- und Forstwirtschaft, der wir uns in Hessen stellen wollen”, hob Umweltminister Dietzel hervor. Das Land Hessen wird deshalb eigenständige fachliche Beiträge erarbeiten, die sich vor allem mit der Ertragsmaximierung in der landwirtschaftlichen Produktion bei der Erzeugung von pflanzlicher Biomasse befassen.

Er betonte, dass die Entwicklung der wissenschaftlichen Grundlagen für eine neue Technologie – wie der Herstellung von synthetischen Kraftstoffen – eine frühzeitige und enge Kooperation mit der betroffenen Wirtschaft und anderen Bundesländern z.B. bei der Abstimmung von Forschungsvorhaben und der Akquisition von EU-Fördermitteln verlange.

Drei Forschungsvorhaben werden als hessischer Beitrag in die Kooperation eingebracht werden:

I. Sortenscreening von Triticale und Weizen zur Eignung von Sorten für die Biomasseproduktion

II. Entwicklung ackerbaulicher Produktionssysteme/Zweikulturnutzung für die Biomasseproduktion

III. Praxisvorhaben Anbau schnellwachsender Baumarten

Die Forschungsarbeiten im Ackerbau werden von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. Gülzow kofinanziert. “Dies ist ein gutes Beispiel für eine Zusammenarbeit zwischen dem Bund und dem Land Hessen, dessen Gelingen durch die SunFuel-Kooperation vorangetrieben wurde”, betonte Dietzel.

Die Arbeitsergebnisse der genannten drei Vorhaben werden laufend mit den anderen Bundesländern kommuniziert werden. Dort laufen bereits komplementäre wissenschaftliche Arbeiten. Die Volkswagen AG hat die Aufgabe der Moderation der Zusammenarbeit übernommen und unterstützt die Bundesländer bei der Akquise von Projektmitteln Dritter.

Schließlich sprach der Hessische Umweltminister die Frage der zukünftigen Besteuerung von Biokraftstoffen in Deutschland an, die alle in der Biokraftstoffbranche tätigen Unternehmen zurzeit beschäftigt.

“Ich setze mich für verlässliche Rahmenbedingungen am Biokraftstoffmarkt ein”, so Dietzel. Steuervergünstigungen ohne Überkompensierung der zusätzlichen Kosten für die biogene Komponente bei Beimischung zu konventionellen Treibstoffen, Steuerbefreiung für biogene Reinkraftstoffe wie auch BtL- oder SunFuel-Kraftstoffe seien langfristig erforderlich.

Der noch junge und boomende Biokraftstoffmarkt mit seinen positiven Effekten im ländlichen Raum dürfe nicht durch kurzfristige Politikwechsel gefährdet werden, betonte der Umweltminister abschließend.

Source: Hessisches Ministerium für Umwelt, ländlichen Raum und Verbraucherschutz vom 2006-01-20.

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