10 März 2008

Umweltbundesamt Österreich: Biosprit ist umweltfreundliche Alternative

Die Berechnungen zum Vergleich der Treibhausgasemissionen von Biokraftstoffen beinhalten den Anbau, Pflege und Ernte von landwirtschaftlichen Produkten, den Transport der Substrate, die Raffinierung und den Transport der Biokraftstoffe bis zur Tankstelle. Nicht berücksichtigt sind damit etwaige Landnutzungsänderungen (etwa durch Rodung von vorab bewaldeten Flächen) und die daraus resultierende Bodenausgasung. Die direkten Emissionen – jene, die bei der Verbrennung im Motor entstehen – werden mit Null angesetzt, da das im Abgas freigesetzte CO2 zuvor der Atmosphäre durch Photosynthese der Pflanzen entzogen wurde.

Bei fossilen Kraftstoffen werden neben den direkten Emissionen, die bei der Verbrennung im Motor entstehen, ebenso die Förderung, die Raffinierung und der Transport berücksichtigt.

Für den Vergleich der gesamten Treibhausgasemissionen der Biokraftstoffe mit denen von fossilen Treibstoffen wurde der Kraftstoffverbrauch eines durchschnittlichen im Jahr 2006 in Österreich betriebenen PKW (Diesel, Benzin und Erdgas) herangezogen. Bei sämtlichen Fahrzeugen wird ein Besetzungsgrad von 1,36 Personen angenommen.

Diese Ökobilanzierung von Biokraftstoffen erfolgt mit dem Computermodell GEMIS-Österreich nach DIN EN ISO 14040. Das heißt, dass nach einer Festlegung der Systemgrenzen sämtliche innerhalb dieser befindlichen energie- und umweltrelevanten Prozesse in der Berechnung berücksichtigt werden.

Rapsmethylester (RME)
Die Berechnung der Treibhausgasemissionen von RME (auch Biodiesel) beruht auf folgenden Annahmen: Anbau, Pflege und Ernte von Raps erfolgt auf österreichischen Feldern und nach den Vorgaben der guten landwirtschaftlichen Praxis. Die spezifischen Bodenausgasungen von Lachgas, die beim Anbau von Raps entstehen, sind in die Ökobilanz eingerechnet.

Der Rapstransport zur ersten Verarbeitungsstätte erfolgt mittels Traktor und LKW. Sämtliche Energieeinsätze zur Verarbeitung von Raps zu RME sind in der Berechnung enthalten.

Bei der Herstellung von RME entstehen Glycerin und ein hochwertiger Presskuchen. Diese können andere Produkte ersetzen (Substitutionseffekt): Beim Einsatz von Glycerin in der Pharmaindustrie können fossile Energieträger eingespart werden, die Verfütterung des Presskuchens kann den Import von Eiweißfuttermittel reduzieren.

Bioethanol
Die Berechnung der Treibhausgasemissionen von Bioethanol beruht auf folgenden Annahmen: Anbau, die Pflege und Ernte von Weizen erfolgt auf österreichischen Feldern und nach den Vorgaben der guten landwirtschaftlichen Praxis.

Bei der Herstellung von Bioethanol fällt eine stärkehaltige Trockenschlempe an (DDGS – Dried Distillers Grains with Solubles). Die Reduktion von Eiweißfuttermittelimporten durch die Verfütterung der Trockenschlempe wird in der Ökobilanz angenommen.

Biogas
Die Berechnung der Treibhausgasemissionen von Biogas beruht auf folgenden Annahmen: Eine zentrale Biogasanlage wird mit Schweinegülle betrieben, das Substrat wird mittels LKW aus dem Umkreis von 50 km angeliefert. Die energieintensive Aufbereitung von Biogas zu einem normierten Kraftstoff ist ebenso in der Ökobilanz berücksichtigt, wie die Verluste von Methan bei diesem Vorgang.

Die Ausbringung des vergorenen Substrates der Biogasgülle auf die Felder ist in der Ökobilanz berücksichtigt.

Vergleich.jpg

Ergebnisse
Die Ökobilanz zeigt, dass der Einsatz von Biokraftstoffen Treibhausgasemissionseinsparungen im Vergleich zum Einsatz von flüssigen fossilen Treibstoffen nach sich zieht. Die Ökobilanzen der Biokraftstoffe sind in GEMIS-Österreich konservativ berechnet worden, die Ergebnisse zeigen die Obergrenzen der gesamten Treibhausgasemissionen unter den oben angeführten Annahmen.

Die niedrigsten gesamten Treibhausgasemissionen sind bei RME zu erwarten, wenn die Koppelprodukte des RME-Prozesses zu optimalen Substitutionseffekten führen. Entscheidend dafür sind die Bio-Glycerinmengen, die jedoch abhängig von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen fossiles Glycerin ersetzen können. Dies ist derzeit als optimistische Annahme anzusehen.

Da bei diesen Annahmen für Österreich typische Bedingungen herangezogen wurden, gelten diese Aussagen nicht notwendigerweise für importierte Biokraftstoffe bzw. für den Import der notwendigen Ausgangsprodukte.

(Vgl. Meldung vom 2008-02-22.)

Source: Umweltbundesamt (Österreich), 2008-03.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email