23 August 2006

Trotz künftiger Besteuerung: Interesse an Raps und Co. steigt weiter

Landwirte setzen zunehmend auf Ölpflanzen

Ständig kletternde Preise für Benzin und Diesel lassen das Interesse an Biokraftstoffen – Sprit, der auf dem Feld wächst – steigen. Der Anbau von Raps zur Biodiesel- und Pflanzenölherstellung wird zu einer immer bedeutenderen Einkommensquelle für Landwirte. Statt nur um Getreide, Kartoffeln, Rinder und Schweine kümmern sich die Bauern um erneuerbare Energien.

“Der Landwirt ist nicht nur Rohstofflieferant, sondern auch immer mehr Energiewirt”, sagt Sachsens Agrarminister Stanislaw Tillich (CDU). Im Vorjahr wurden auf fast 32.000 Hektar Stilllegungsfläche nachwachsende Rohstoffe angebaut, 99 Prozent davon war Raps für die Biodiesel-Produktion. In Sachsen werden im Jahr etwa 22.000 Tonnen Biodiesel hergestellt.

Lothar Eckardt, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft “Bergland” in Clausnitz (Kreis Freiberg), lässt der Blick auf die Preise an den Zapfsäulen seit geraumer Zeit kalt. Die Firmenfahrzeuge fahren teilweise mit Pflanzenöl. Die 2.000-Hektar-Agrargenossenschaft im Erzgebirge sucht nach immer neueren Einnahmequellen.

“Nur von landwirtschaftlicher Produktion kann ein Landwirt heute nicht mehr leben”, sagt er. Das Unternehmen mit 55 Beschäftigten hat seit Mitte der 1990-er Jahre rund 2,5 Millionen Euro in Projekte zur Energiegewinnung investiert, teilweise gefördert durch Landes- und Bundeszuschüsse.

“Der Anbau nachwachsender Rohstoffe hat die meisten Aussichten, Einkommen und Arbeitsplätze zu sichern”, sagt Eckardt. Nach Erfahrungen mit zwei Windkrafträdern und zwei Biogasanlagen, in der anfallende Gülle und landwirtschaftliche Biomassen in Energie umgewandelt werden, entstand im Oktober eine Rapspressanlage. Die verarbeitet im Jahr etwa 1.200 Tonnen der kleinen schwarzen Samenkörner. 420.000 Liter Öl entstehen – mit einem finanziellen Aufwand von 50 Cent pro Liter. Alle “Bergland”-Maschinen, die mehr als 8.000 Liter Sprit im Jahr verbrauchen, sind bereits oder werden umgerüstet.

“Der Beratungsbedarf und das Interesse an Biokraftstoffen nimmt stetig zu”, sagt Stephan Wolf von der Sächsischen Landesanstalt für Landwirtschaft in Leipzig. Agrarunternehmen wollten zunächst eigene Anlagen bauen oder sich zusammenschließen und an gemeinsamen Projekten arbeiten. Im Freistaat gibt es neun dezentrale Ölmühlen mit einer Kapazität von 7.000 Tonnen und eine zentrale in Riesa für 130.000 Tonnen.

“Auch die Nachfrage nach Biodiesel aus Raps steigt”, sagt Agrarminister Tillich. Biodiesel könne problemlos Dieselkraftstoff bis zu 5 Prozent beigemischt werden. Sachsenweit gibt es bereits 95 Biodiesel-Tankstellen. Produziert werde Biodiesel in Sachsen bei der Vogtland Kraftstoff GmbH (2.000 Tonnen im Jahr), bei der Delitzscher Rapsöl GmbH & Co. KG (7.000 Tonnen) und bei der Sohland GmbH (25.000 Tonnen).

“Dezentrale Lösungen bei der Kraftstoffherstellung funktionieren aber nur dann, wenn auch künftig die Steuerpolitik des Bundes Spielraum dazu lässt”, sagt Tillich. “Die Biodiesel- und Pflanzenölnutzung ist ein zartes Pflänzchen, das weiter wachsen soll.” Dabei geht es auch um regionale Wertschöpfung und um die Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen wie Erdöl.

Im erzgebirgischen Clausnitz läuft nun Tag ein Tag aus ein stetiger Strahl Öl aus der Rapspressanlage in die Tanks, aus denen die Maschinen und Traktoren ihren Sprit beziehen. Eckardt dazu: “Was kümmert mich der Ölpreis in Rotterdam, so lange auf unseren Feldern der Raps wächst.

(Vgl. Meldung vom 2006-05-09.)

Source: dpa-Meldung vom 2006-08-23.

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