24 Februar 2003

Treibstoff aus der Schnapsfabrik

Im niedersächsischen Bokel hat eine Schnapsbrennerei ihre Anlagen auf die Erzeugung von Biodiesel umgestellt. Doch dieserSchritt wird in der Branche eine Ausnahme bleiben – die Brennereien hoffen vielmehr auf eine wachsende Bedeutung des Ethanols im Treibstoffmarkt.

“Als im Jahr 2000 die Ölpreise stark anstiegen, haben wir uns entschlossen, eine unserer beiden Produktionslinien von Kartoffelschnaps auf Biodiesel umzustellen”, sagt Hans Joachim von der Ohe, Geschäftsführer der Biodiesel Bokel GmbH. Er habe den Biodiesel einem Ethanol-Treibstoff vorgezogen, weil es für Biodiesel bereits einen Markt gibt – obwohl eine Umstellung der Anlagen auf die Ethanolgewinnung mit geringeren Investitionen möglich gewesen wäre. Aber auch bei der Umrüstung auf Biodiesel habe man die bestehenden Anlagen mit Modifikationen komplett übernehmen können, sagt von der Ohe.

Die Strategie in Bokel sieht Peter Pilz, Geschäftsführer der Union Deutscher Agraralkoholerzeuger und -verarbeiter unterdessen “als absolute Ausnahme” an: “Für die Brennereien ist Biodiesel kein Thema”, sagt er. Viel interessanter sei der Einsatz von Ethanol im Treibstoffmarkt, denn beim Biodiesel gebe es schon heute erhebliche Überkapazitäten. Für das Ethanol hingegen könne sich in Zukunft “ein Riesenmarkt auftun”, sobald man dieses dem konventionellen Benzin beimische. Allerdings brauche man hierfür die Mineralölindustrie als Partner. Zudem sei eine entsprechende Gesetzgebung nötig, die eine Beimischung von Ethanol fördert.

Dass die Brennereien ihren Blick verstärkt auf den Energiemarkt richten, hat einen Grund: Ihr bisheriges Metier könnte bald deutlich an Attraktivität verlieren. Denn das deutsche Branntweinmonopol, das bisher den Brennern gute Erträge garantierte, ist gefährdet; in der EU gibt es Bestrebungen das Monopol abzuschaffen, weil es als nicht wettbewerbskonform gilt.

Biodiesel Bokel GmbH
Bodenteicher Str. 3
29365 Sprakensehl-Bokel
Tel.: 05837/587
Fax: 05837/848

Union Deutscher Agraralkoholerzeuger und -verarbeiter
Westfalendamm 59
44141 Dortmund
Tel.: 0231-43 37 64
E-Mail: kornbrenner@t-online.de

Source: UMWELT kommunale ökologische Briefe Nr. 03 vom 2003-02-05.

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