2 März 2002

Torffasern – ein alter Rohstoff auf neuen Wegen

Das Textil-Atelier der Ruth Erne in Hettenschwil (Schweiz) gilt als Unikum, dennoch ist es mittlerweile über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden – denn was hier zu ansehnlicher Mode verarbeitet wird, ist Torf. In enger Zusammenarbeit mit Behinderten-Werkstätten und einem Schneideratelier entstehen aus den unscheinbaren, braunen Pflanzenfasern speziell auf die Kundenwünsche abgestimmte Individual-Garderoben. Nach dem Einfärben mit Pflanzenfarben werden aus den von Ruth Erne verwobenen Torffasern schließlich modische Uni-, Streifen- oder Karostoffe, die Vergleiche nicht zu scheuen brauchen. Kunden aus ganz Europa und den USA beliefert die Pionierin mit ihren Produkten aus dem biologisch behandelten Wollgras, das, mit Wolle oder Seide vermischt, als Vlies für Steppdecken und weitere Heimtextilien verwendet oder als Garn verstrickt oder verwebt werden kann.

Das uralte Wissen um die wärmenden, vitalisierenden Eigenschaften dieses Fasermaterials nutzt man schon lange in diversen Körperpflegeprodukten, auch in der Baubiologie und in der Landwirtschaft finden die Nebenprodukte sinnvolle Verwendung. Empfehlenswert ist die Torffaser auch als Bettenfüllung für Hausstaub-Allergiker, denn Hausstaubmilben meiden das Material. “In der Landwirtschaft, im biologischen Landbau, beim Umweltschutz und in der Medizin fand in den letzten Jahrzehnten ein Umdenken statt”, stellt Ruth Erne fest, “aber dort, wo es um die Bekleidung geht, sind wir Menschen noch sehr unbewusst.” So gelten Kleider aus Torffasergarnen als Schutzschild gegen schädigende Einflüsse wie z.B. Elektrosmog oder ultraviolette Strahlung.

Interessenten ihrer einzigartigen Textilfertigung lädt Ruth Erne am 16. und 17. März zu Tagen der offenen Tür am Brüelweg 383 in Hettenschwil ein, wo nicht nur die Torffaser Thema sein soll, sondern im Rahmen eines Kunsthandwerk-Treffens auch Einblicke in andere, interessante Arbeitsfelder geboten werden.

Autorin: Marion Kupfer (nova)
Endredaktion: Michael Karus (nova)
Quelle: Zofinger Tagblatt vom 2002-03-02.

Source: Zofinger Tagblatt vom 2002-03-02.

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