26 Juni 2008

Timor-Leste: Pläne für Biospritanbau auf einem Sechstel der fruchtbaren Landfläche

Pläne der Regierung unter scharfer Kritik der Opposition

Anfang des Jahres unterschrieb die Regierung von Timor-Leste (Osttimor) mit der indonesischen Firma GTLeste Biotech eine Absichtserklärung über ein geplantes Bioethanol-Projekt. Sie will dem Unternehmen GTLeaste Biotech 100.000 Hektar landwirtschaftlich nutzbares Land in den Provinzen Covalima, Manatuto, Viqueque und Lautemfür 50 Jahre übergeben, um dort Zuckerrohr zur Ethanolgewinnung anzupflanzen und Ethanolfabriken zu bauen.

Die Vereinbarung mit dem indonesischen Unternehmen sieht Investitionen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar vor. Die Regierung erklärt, es würde sich nur um “unproduktive Land” handeln, während durch das Abkommen mehr als 2.000 Arbeitsplätze geschaffen und durch die Ethanolproduktion Devisen ins Land kommen würden.

Die Oppositionspartei FRETILIN zeigt sich skeptisch, dass auf so genanntem “unproduktiven Land” Zuckerrohr angebaut werden könne, und befürchtet stattdessen den Verlust von Anbauflächen für Nahrungsmittel. Der landwirtschaftliche Sprecher der FRETILIN, der ehemalige Premierminister Estanislau da Silva, sagte, der Plan könne sich zu einem Fluch für die Nahrungsmittelproduktion in dem durch die Landwirtschaft geprägten Land entwickeln. Sie kritisiert an dem Projekt, dass es nicht dazu dient, die Lebensmittelproduktion anzuheben und so den Anstieg der Preise zu dämpfen. FRETILIN geht davon aus, dass von dem geplanten Abkommen ein Sechstel der landwirtschaftlich nutzbaren Fläche des Landes betroffen ist.

Die Regierung gab bekannt, dass die Gespräche noch in einem Anfangsstadium seien und noch keine konkreten Flächen eingeplant seien. Noch sei GTLeste kein Land versprochen worden. Landwirtschaftsminister Mariano Assanami Sabino nannte die Kritik an den Plänen “falsche Propaganda”. Er sieht in dem Projekt eine dringend benötigte Investition für das ländliche Timor-Leste. Timor-Leste, seit sechs Jahren ein unabhängiger Staat, ist eines der ärmsten Länder Asiens – mit fast 50 Prozent Arbeitslosigkeit und gleichzeitig einer der höchsten Geburtsraten der Welt.

In Timor-Leste stieg der Reispreis in den letzten sechs Monaten von 40 US-Cent pro Kilo auf 1,20 oder gar 1,30 US-Dollar. Preise, die viele Familien nicht mehr bezahlen können. Der Staat kämpft zudem schon seit Monaten mit einer akuten Lebensmittelknappheit, hervorgerufen durch Ernteausfälle durch Unwetter und Heuschrecken. Ein Fünftel der Bevölkerung leidet an Unterernährung und muss mit Hilfslieferungen versorgt werden. Man schätzt, dass Osttimor 86.000 Tonnen an Lebensmitteln einführen musste, um die Verluste der letzten Ernteausfälle auszugleichen. 15.000 Tonnen davon mussten durch internationale Nahrungsmittelhilfen aufgebracht werden.

Source: Wikinews, 2008-06-25, und Telepolis, 2008-06-26.

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