22 April 2008

TFZ: Forschung, Industrie & Politik diskutieren über die “Herausforderung Biokraftstoffe”

Internationaler Workshop zu Biokraftstoffen in Straubing

Der Einsatz von Biokraftstoffen, ob als Reinkraftstoff oder in Beimischung zu fossilen Diesel- oder Ottokraftstoffen, ist ein interessantes, aber auch kontrovers diskutiertes Thema. Die geplante 10-%ige Beimischung von Bioethanol zu Ottokraftstoff wurde kürzlich von Bundesumweltminister Gabriel aufgrund der Unverträglichkeit vieler PKW-Motoren zurückgezogen. Das Scheitern der Biokraftstoffverordnung zeigt die Konfliktsituation zwischen notwendigen Maßnahmen zur Erfüllung nationaler und europäischer Klimaschutzziele und technischen Realisierungsmöglichkeiten. Die Biokraftstoffe Biodiesel und Rapsölkraftstoff werden jedoch bereits heute in größerem Umfang erfolgreich eingesetzt. Hierbei stellt die Entwicklung und Einführung von Abgasnachbehandlungsverfahren zur Einhaltung zukünftiger Abgasvorschriften eine zunehmende Herausforderung dar.

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Am 9. und 10. April 2008 veranstaltete der Förderkreis Abgasnachbehandlungstechnologien für Dieselmotoren e.V. (FAD), Dresden und das Technologie- und Förderzentrum (TFZ), Straubing einen internationalen Workshop zum Thema “Herausforderung Biokraftstoffe”. Mehr als 70 Vertreter aus Forschung, Industrie und Politik konnten in der Wissenschaftsstadt Straubing begrüßt werden. Bürgermeister Hans Vicari zeigte sich in seinem Grußwort hoch erfreut, dass die Stadt der Nachwachsenden Rohstoffe Gastgeber für eine solch hochkarätige Veranstaltung sein durfte.

Der Geschäftsführer des FAD, Prof. Dr.-Ing. Gennadi Zikoridse, HTW Dresden (FH), und Dr. Bernhard Widmann, Leiter des TFZ, eröffneten gemeinsam die Veranstaltung im Rathaussaal. Begrüßt wurden Ministerialrat Dr. Rupert Schäfer vom “Bayerischen Staatsministerium für Landwirtschaft und [www.stmlf.bayern.de], der im Anschluss die Grußworte von Staatsminister Josef Miller überbrachte und in die Thematik Biokraftstoffe einführte, sowie Ministerialrat Dr. Peter Schlechte vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz.

In einem einführenden Übersichtsreferat stellte Dr. Edgar Remmele, Leiter des Sachgebiets biogene Kraft-, Schmier und Verfahrensstoffe am TFZ, die Chancen und Risiken der Herstellung und Verwendung von Biokraftstoffen dar. Er forderte insbesondere die Pfade der Herstellung und Nutzung von Biokraftstoffen ständig neu zu hinterfragen und zu bewerten. Dazu stellte er eine Liste an Kriterien, wie Energie- und Ökobilanz, Flächeneffizienz sowie technische Kriterien vor, welche beachtet werden müssen. Dieter Bockey, UFOP e.V., informierte über die Biokraftstoffziele der Bundesregierung bzw. der Europäischen Union und zeigte den aktuellen Stand der Biomassenachhaltigkeitsverordnung auf. Prof. Dr. Jürgen Krahl, FH Coburg, und Andreas Mayer, TTM, stellten anschließend aktuelle Forschungsergebnisse zum Emissionsverhalten von Biokraftstoffen vor.

Die Wissenschaftler konnten sowohl Problemfelder als auch Chancen zur Emissionsminderung aufzeigen. Dr. Thomas Garbe, Volkswagen AG, referierte über die Auswirkungen der “Roadmap Biokraftstoffe” auf die Motorenentwicklung, später ging Dr. Andreas Pfeifer, VDO Automotive AG, auf aktuelle Herausforderungen für das Einspritzsystem von Motoren durch Biodieselbeimischungen ein. Zum Abschluss der Vortragsreihe stellte Reinhard Lämmermann, MAN Nutzfahrzeuge AG, die Anforderungen an Kraftstoffe für den zukünftigen Nutzfahrzeugmotor dar. Die im Rahmen der Veranstaltung angebotene Besichtigung der Prüfstande und Labore des TFZ und der Ölmühle der CAMPA AG im Industriegebiet Straubing-Sand sowie eine Stadtführung hinterließen bei den Teilnehmern einen bleibenden Eindruck.

Beim Workshop wurden neueste Forschungsergebnisse vorgestellt, Lösungsansätze diskutiert und Erfahrungen ausgetauscht. Es wurde deutlich, dass sowohl Forschung als auch Industrie die Herausforderungen bei der weiteren Einführung von Biokraftstoffen annehmen. Dadurch können Innovations- und Technologievorsprünge erarbeitet und ausgebaut sowie Marktvorteile im internationalen Wettbewerb gesichert werden. Die Wissenschaftsstadt Straubing machte ihrem Namen alle Ehre und konnte sich durch die hervorragende Organisation der Veranstaltung seitens des TFZ von seiner besten Seite zeigen.

(Vgl. Meldung vom 2008-04-08 und 2008-04-14.)

Source: TFZ, 2008-04-11.

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