13 Juni 2003

Tannin – neues Bindemittel aus nachwachsenden Rohstoffen

Tanninharz ist als Vergütungsmittel im Weinbau seit Jahrhunderten bekannt. Es wurde über lange Zeit zum Gerben von Lederwaren und als natürliches Korrosionsschutzmittel verwendet. In der traditionellen Medizin wird diesem Rinden- und Baumextrakt (quebracho, aspidosperma) eine stimulierende Wirkung zugeschrieben. Tannin ist ein Rohstoff, der auf allen Kontinenten nachwächst.

Wenn es um innovative und nachhaltige Perspektiven im Holzwerkstoffbereich geht, wird das Tanninharz als natürliches Bindemittel zukünftig eine wichtige Rolle spielen. Es gibt weltweit sehr unterschiedliche Tanninarten, wobei die Bindekraft in der Regel mit der Härte des Holzes zunimmt. Die bekanntesten Tanninarten sind in zwei Gruppen aufgeteilt, eine gelblich-hellbraune (Pyrogallol.) und eine rötlich-bräunliche (Benzkatechinc) Sorte, die sich jeweils in hydrolysierbare und kondensierte Tannine aufteilen lassen:

Tannin-weltweit

Für die Produktion von Holzwerkstoffplatten hat das Tannin des Quebrachobaumes und der Mimosenbäume die beste Vernetzungs- und Bindekraft. Die heimische Kieferrinde kann als Substitutionsanteil in begrenztem Umfang das überseeische Tannin ersetzen. Um den Bedarf dieser nachwachsenden Bindemittel sicherzustellen, werden die wild wachsenden Baumarten heute in Plantagen gezüchtet und kultiviert. Einer der großen Anbieter bringt allein 400.000 Sämlinge pro Jahr zur Aufzucht und sichert sich damit eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, wie wir sie aus unseren Wäldern kennen.

Die Aufbereitung des Tannins
Das Quebracho-Extrakt wird aus dem Kernholz des Quebrachobaumes gewonnen, der in der geographischen Zone des Chacos in Argentinien und Paraguay wächst. Das spezifische Gewicht dieses Holzes liegt bei 1,3 und ist damit eines der härtesten Hölzer, die wir kennen.

Die von Rinde und Splint befreiten Stämme werden mechanisch zu Spänen zerkleinert und in Autoklaven unter Zugabe von heißem Wasser und Druck aufbereitet. Bei diesem Extraktionsprozess werden die natürlichen Inhaltsstoffe getrennt in Gerbsäuren, Nichtgerbsäuren und unlösliche Substanzen. Stufenweise werden die Tanninanteile konzentriert und zur Pulverform getrocknet. Bei diesem Trocknungsprozess werden durch die Zugabe von Alkohol und Heißluft die Tanninpartikel mit einem feinen Film ummantelt, der bei der späteren Zugabe von Wasser sich sehr schnell löst und die Bindekraft entwickelt.

Nachhaltige Entwicklungen mit der AGENTUR 21 und der ARGE kdR
Die Rohstoffvorräte Holz und Tannin stehen bei entsprechender Waldbewirtschaftung unbegrenzt zur Verfügung und sind aufgrund des photosynthetischen Ursprungs beispielhaft für eine nachhaltige Entwicklung, wie sie 1992 in Rio von 178 Staaten dieser Welt in der Agenda 21 festgeschrieben wurde. Durch den Plantagenanbau der Quebrachobäume ist dieses Verfahren ein gutes Beispiel, bei dem die globale Verantwortung zur Wirkung kommt und in strukturschwachen Gebieten dieser Welt eine nachhaltige Industrie gesichert wird.

Die Marktfähigkeit dieser neuen Produkte und Verfahren wird deshalb sehr davon abhängig sein, ob künftig die innovativen Entwicklungen nicht nur bei der Forschungen und Entwicklungen gefördert werden, sondern auch in der Markteinführung und im Alltag eine besondere Zuwendung und Förderung erfahren. Der Nachhaltigkeitsaspekt und die Generationenverantwortung muss sich zur konsequenten Entscheidungsgrundlage bei allen Bau-, Renovierungs- und Beschaffungsmaßnahmen entwickeln und etablieren.

Bei einer jährlichen Produktionsmenge in der BRD von ca. 10 Mio. Kubikmeter = 600 Mio. Quadratmeter Holzwerkstoffplatten kann mit der Tanninbindung ein wichtiger nachhaltiger Beitrag geleistet werden, der im Alltag vor allem bei den staatlichen Baumaßnahmen und Gebäudeausstattungen eine Rolle spielen sollte. Die naturharzgebundenen NATURA-Spanplatten können ab sofort über den qualifizierten Fachhandel bezogen werden.

Händlerlisten erhalten Sie bei:
AGENTUR 21
Manfred Krines
Seubertstraße 8
D- 76131 Karlsruhe
Tel + Fax: 0700-20 03 00-21
E-Mail: [email protected]

(Vgl. Meldungen vom 2003-05-15 und 2003-02-05.)

Source: Pressemitteilung der AGENTUR 21 vom 2003-06-12.

Share on Twitter+1Share on FacebookShare on XingShare on LinkedInShare via email